Vermisste Tauchaerin: Fragen an Polizei und Angehörige

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Vier Wochen ist es jetzt her: Am 24. April verschwand die Tauchaer Lehrerin Jeannette Stehr aus dem Klinikum Altscherbitz. Aus bisher unbekannten Gründen verließ sie an diesem Tag um 12 Uhr das Areal des Krankenhauses, kehrte nicht zurück und meldete sich auch nicht bei ihrer Familie. Umfangreiche Suchmaßnahmen der Polizei und auch der Angehörigen sowie diverse Hinweise aus der Bevölkerung brachten weder Hinweise auf einen möglichen Aufenthaltsort, noch wurde sie bislang gefunden. Auch meldeten sich keine Freunde oder Verwandte, bei der die 55-Jährige möglicherweise untergekommen ist.

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Was wir wissen, und was nicht

Taucha kompakt fragte bei Polizei und Benjamin Stehr, dem Sohn der Vermissten, ob es neue Erkenntnisse gibt.

  • Wie hoch ist die Anzahl der verwertbaren Hinweise?

Für die Polizei ist es schwierig, eine Anzahl von Hinweisen zu benennen. „Wir können nur die Hinweise zählen, die an uns direkt herangetragen werden. Die Vielzahl der Kommentare in den sozialen Netzwerken zeigt eine gewisse Verbundenheit mit dem Thema. Mögliche Sichtungen und Zeugenaussagen, die nur dort getätigt werden, erreichen uns aber nicht“, so Katharina Geyer, Sachbearbeiterin bei der Polizeidirektion Leipzig. Direkt eingegangen sind bislang neun Hinweise. „Das klingt wenig, ist vergleichsweise aber recht viel“, so Katharina Geyer. Bei anderen Öffentlichkeitsfahndungen seien drei bis fünf Hinweise die Norm.

Benjamin Stehr spricht von vier glaubwürdigen Hinweisen, die via Facebook kamen und denen polizeilich nachgegangen wurde.

  • Wie ist die Qualität der Hinweise zu beurteilen?

Laut Polizei wurden alle Hinweise geprüft, teils auch mehrfach. Der Fakt, dass sie in einer Arztpraxis in Mockau vorgesprochen haben soll, war der, an den sich die Angehörigen vor allem geklammert haben. Aber auch dieser wurde mittlerweile von der Polizei wieder in Frage gestellt. „Es widerspricht ihrem bisherigen Verhalten“, so die Polizeisprecherin. Zwar habe der Mantrailer eine Fährte aufgenommen, diese habe sich in Höhe der Mockauer Post dann verloren. Ob es wirklich eine Geruchsspur der Vermissten war, ließe sich laut Polizei nicht zweifelsfrei sagen.
Insgesamt habe man mit den Hinweisen nicht viel anfangen können. Ein Zeuge gab gar an, die Vermisste einen Tag nach Verschwinden in einem Lokal an der Ostsee als Bedienung gesehen zu haben.
Auch Benjamin Stehr sagt, dass nach Ermittlungen der Kripo die eingegangenen Hinweise in Frage gestellt werden.

  • Ist Frau Stehr möglicherweise irgendwo untergekommen, aus Angst vor der Familie?

Polizei und auch die Familie halten das für unwahrscheinlich. „Es kann sich ja jeder selbst mal fragen, ob er eine fremde Person vier Wochen einfach so beherbergen würde“, so Benjamin Stehr. Auch Katharina Geyer sagt: „Die Vermisste war in ihrem sozialen Gefüge gefestigt. Selbst wenn sie untergekommen wäre, hätte sie sicher ihre Familie informiert. Auch Freunde, Angehörige oder selbst Fremde hätten nach dieser langen Zeit sicher Kontakt zur Familie aufgenommen.“
Sohn Benjamin will es dennoch nicht zu 100 Prozent ausschließen, dass seine Mutter irgendwo untergekommen ist. „Wenn es doch so ist, bitten wir um eine Mitteilung an die Polizei. Wir wollen nur sichergehen, dass es ihr gut geht und achten ihr Selbstbestimmungsrecht“, sagt er.

  • Wird aktuell noch aktiv nach ihr gesucht?

Weder Polizei noch Angehörige haben einen Anhaltspunkt, wo sich Jeannette Stehr aufhalten könnte. Eine aktive Suche findet daher nicht statt. Allerdings sei DNA-Material der Vermissten in eine DNA-Datei für unbekannte Tote aufgenommen worden. Ein formaler Vorgang, der üblich bei solchen Vermisstenfällen sei, wie die Sprecherin mitteilt, um sie im schlimmsten Fall zu identifizieren.

  • Wie viele ungeklärte Vermisstenfälle gibt es derzeit in Leipzig und dem Umland?

Jährlich registriert die Polizeidirektion Leipzig rund 2000 Vermisstenfälle. Etwa 70 Prozent dieser Vermissten sind so genannte Dauer-Ausreißer, die wenig später gefunden werden.
Aktuell gebe es laut Polizei 26 Dauer-Vermisste aus den vergangenen 30 Jahren. Darunter zählten drei aktuelle Fälle: 2014 sei ein Leipziger nach einem Familienstreit nicht wieder aufgetaucht, 2015 verschwand eine Chinesin und jetzt 2017 Jeannette Stehr aus Taucha.
Bis Mitte Mai habe die Polizei 450 Vermisstenvorgänge bearbeitet. Zu diesem Zahlen kämen noch 230 vermisste unbegleitete minderjährige Flüchtlinge. Aktuell wären der Aufenthaltsort eines Kindes aus 2015, acht Kinder aus 2016 und derzeit neun aus 2017 nicht geklärt.

  • Wie geht es der Familie? Wird Hilfe benötigt?

„Unsere Gefühlslage lässt sich schwer beschreiben, da man ja weiter nicht weiß, ob es ihr gut geht oder man trauern müsste“, so Benjamin Stehr. Hilfe sei nicht nötig. Familie und Freunde sind für die Angehörigen da, das reiche.

Wer Jeannette Stehr gesehen hat, wird gebeten, sich bei der Polizei unter 110 oder beim Polizeirevier Leipzig-Nord unter 0341 59350 zu melden.

Die 55-Jährige wird wie folgt beschrieben:

  • 1,67 m groß
  • schlanke Gestalt
  • scheinbares Alter: 50 – 55 Jahre
  • spricht akzentfrei Deutsch
  • blasse Hautfarbe
  • blond/graue, mittellange Haare
  • blaue Augen
  • trug zum Zeitpunkt des Verschwindens eine schwarze, eng anliegende Leggings
  • eine beige Sommerjacke und
  • halbhohe, dunkel-beige Schuhe.
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Seit 2001 arbeitet Daniel Große als freier Journalist. Er fühlt sich in vielen Themengebieten zu Hause. Lokales, Immobilienthemen, Ratgeber- und Verbrauchernachrichten, Medien und Netzwelt sind seine bevorzugten Gebiete. Daniel Große ist Herausgeber von Taucha kompakt.
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7 Kommentare

      • Ich habe noch niemals von Ihnen gehört, doch mittlerweile sind ihre Facebook Posts in NRW, Dortmund angekommen und jeder der so etwas liest will am liebsten irgendwie helfen also liest und teilt man und hält sie Augen auf… sonst kann man ja nicht viel machen. Durch den geteilten Facebook Post landet man auf ihrer Seite und dann hier. Machen Sie weiter und geben niemals auf!

        Ich wünsche Ihnen alles Gute…

  1. Da in letzter Zeit das persönliche „Rundschreiben“ ihres Mannes in ganz Deutschland hundertfach, wenn nicht bald tausendfach geteilt wird, werden sich vermutlich auch viele die Seite von Peter Stehr ansehen und dadurch auf diesen Artikel stoßen. So ein Fall berührt anscheinend doch sehr viele Menschen, gerade weil die Vermisste aus einer scheinbar intakten Familie stammt.
    Viele Grüße

  2. Herr Peter Stehr hat einen offenen Brief an seine Frau bei Facebook verfasst Dieser beinhaltet einen Link auf seine Seite und dort gibt es wiederum einen Link hier her. Der Brief wurde bis heute 376.684 x geteilt. Wenn nur 50% den Links folgen.. erklärt sich vielleicht die hohe Zugriffsrate auf Ihren Beitrag. 😉

  3. Schon mal daran gedacht einfach in der access.log Datei Ihres Apache Servers nachzuschauen? In der Standardkonfiguration wird zu jedem Seitenaufruf auch der Referrer -also die Seite, von der der Besucher auf Ihre Seite weitergeleitet wurde- gespeichert.

    • Jepp, aber Facebook liefert keine Referrer. Wir sehen nur m.facebook als Quelle, aber keine richtige URL. 🙂 /D.

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