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Kita St. Moritz: Aufregung um Schließzeiten

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Unter den Eltern der Kinder, die in der Kita St. Moritz betreut werden, macht sich Unmut breit. Grund sind die für Sommer nächsten Jahres angekündigten Schließzeiten. Die Diakonie sieht in dem Schritt Verbesserungen bei der Betreuung und rückt vom Vorhaben nicht ab. Die Eltern sehen sich zu wenig informiert. Und bei der Stadtverwaltung herrscht vor allem Verwunderung.

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Kathleen Marr ist sauer. Ihr Sohn besucht die Tauchaer Kindertagesstätte St. Moritz. Die Einrichtung der Diakonie Leipzig plant im nächsten Jahr eine Schließzeit von zwei Wochen: in der dritten und vierten Ferienwoche sollen Kindergarten und Kinderkrippe geschlossen bleiben. „Wir wurden per Aushang davon in Kenntnis gesetzt, was schon einigermaßen für Aufregung sorgte“, so die allein erziehende Mutter. „Wir fanden die Art und Weise, wie uns das offeriert wurde, schon schlimm“, sagt auch Stephanie Peters, Mitglied des Elternrates. Sie und ihr Mann hätten mit Schließzeiten von zwei Wochen arge Probleme, wie sie sagt: „Ich habe Urlaubssperre im Juli und August, mein Mann ist mit Weiterbildungen beschäftigt. Schließzeiten sind für uns nicht akzeptabel.“ Auch Toralf Schlegel, Vater einer fünfjährigen Tochter ist erbost: „Die Diakonie hat in Eigenregie, weil es in Leipzig wohl so üblich ist, Schließzeiten festgelegt. Und das, obwohl es in der Kita-Satzung gar keine Regelung für Schließzeiten gibt“, sagt er.

Andrea Wiederanders, Leiterin der Einrichtung an der Max-Liebermann-Straße in Taucha, verteidigt den Plan: „Die Einführung der Schließzeiten ist eine Reaktion auf Beschwerden der Eltern“, sagt sie. „Wir sind 14 Mitarbeiter im Haus. Wenn diese Mitarbeiter 14 Tage am Stück Urlaub machen können, heißt das, dass wir 28 Wochen im Jahr besser besetzt sind und die Kinder besser betreuen können“, fährt sie fort und sieht den schwarzen Peter vor allem auch bei der Sächsischen Landesregierung und dem Betreuungsschlüssel. Derzeit muss eine Erzieherin in der Krippe sechs Kinder, im Kindergarten 13 Kinder betreuen. Im September 2015 soll sich das Ganze auf 5,5 beziehungsweise 12,5 Kinder verändern. „Das ist keine wirkliche Verbesserung, wir kommen schon jetzt an unsere Grenzen, wenn eine Kollegin krank oder im Urlaub ist“, so Andrea Wiederanders.

Die Kita St. Moritz in Taucha

Über die Schließzeiten hätte sie Anfang September informiert und die Eltern gebeten, sich bis Ende Oktober zu melden, für wen die zwei Wochen nicht machbar sind. Und genau hier wird es spannend: „Beim Elternrat hatten sich 24 Eltern gemeldet, die damit ein Problem haben, die Kita sagt aber, es waren nur zehn. Mittlerweile sind es 30 Kinder deren Eltern mit der Schließzeit nicht einverstanden sind“, sagt Kathleen Marr. Inzwischen steht auch ein Ausweichkindergarten fest: Die Eltern sollen ihre Kinder während der zwei Wochen in die Kinderarche nach Paunsdorf, ebenfalls eine Einrichtung der Diakonie, bringen. Toralf Schlegel bezweifelt, dass dieser Plan funktioniert. „Die Einrichtung ist so klein, die Kinder haben dort gar nicht alle Platz“, sagt er. Indirekt bestätigt wird das sogar von Andrea Wiederanders: „Die Kinderarche kann natürlich nur so viele Kinder aufnehmen, wie zu dem Zeitpunkt dort gerade im Urlaub sind. Da ist das letzte Wort noch nicht gesprochen, das braucht noch Abstimmungszeit“, sagt die Leiterin der Kita St. Moritz. Diverse Eltern, wie etwa Stephanie Peters, lehnen den Ausweichkindergarten ab. „Wir haben eine Notgruppe in St. Moritz gefordert und den Schließzeiten nur unter dieser Maßgabe zugestimmt“, erklärt sie. Auch für Toralf Schlegel kommt nur diese Lösung in Frage: „Ein Ausweichkindergarten ist wie eine Neuaufnahme, da braucht es eigentlich wieder eine Eingewöhnungszeit.“

Unterdessen glaubt sich Andrea Wiederanders auf „gutem Weg“, wie sie es gegenüber Taucha kompakt ausdrückt. „Wenn man etwas Neues ausprobiert, gibt es Schwierigkeiten, aber über die kann man reden. Hier sind auch Fehler erlaubt, um es beim nächsten Mal besser zu machen.“ Für sie stehe fest, dass die Schließzeiten kommen würden, dies wäre mit der Diakonie und auch mit der Stadtverwaltung Taucha so besprochen worden. Hier allerdings ist man verwundert: Petra Kostka, zuständig für die Kindertagesstätten erklärt: „Wir warten nach wie vor, dass sich der Träger der Einrichtung mit uns in Verbindung setzt.“ Zudem macht sie deutlich, dass ein Träger eine Schließzeit nicht einfach entscheiden darf. Sie habe erst über Eltern von dem Vorhaben erfahren, ein Abschluss der Angelegenheit sei noch lange nicht in Sicht. Was passieren könne, wenn ein Träger an der Stadt vorbei agiert, skizziert sie so: „Es gibt einen Vertrag zwischen Träger und Stadtverwaltung. Der ist natürlich kein Dogma, sondern kann von beiden Seiten gekündigt werden. Ein Träger kann nicht vorbehaltlos alles machen, was er will.“ Aus Stadtratskreisen war zu erfahren, dass Kostka die Angelegenheit auch in den Stadtrat einbringen will. Denn es bestünde die Gefahr, dass andere Kita-Träger auf die gleiche Idee kommen und ebenso Schließzeiten einführen könnten – mit entsprechenden Folgen.

Vater Toralf Schlegel ist vor allem verärgert über die Art und Weise der Kita St. Moritz. „Die Diakonie schreibt sich auf die Fahnen, sie wären kirchlich und für die Familie. Mit solchen Aktionen beweisen sie eher das Gegenteil. Die Kita-Leitung spricht von einer ganz geringen Zahl von Eltern, die nicht einverstanden wären, dabei sind es erheblich mehr. Wir beißen auf Granit und kommen nicht dagegen an. So geht man nicht miteinander um.“

Veröffentlicht am 10. Dezember 2014 um 18:39 Uhr.
Letzte Bearbeitung: 10. Dezember 2014 um 18:39 Uhr.


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Seit 2001 arbeitet Daniel Große als freier Journalist. Er fühlt sich in vielen Themengebieten zu Hause. Lokales, Immobilienthemen, Ratgeber- und Verbrauchernachrichten, Medien und Netzwelt sind seine bevorzugten Gebiete. Daniel Große ist Herausgeber von Taucha kompakt.
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6 Kommentare

  1. Ein Blick in das SächsKiTaG – das Gesetz zur Förderung von Kindern in Tageseinrichtung – hilft zu verstehen, wer hier wohl etwas falsch verstanden hat.

    Auf unserer Webseite haben wir einen Hinweis zum zutreffenden §5 verfasst, der da lautet „Gemeinsam mit dem Elternbeirat, der die Interessen der Mehrzahl aller Eltern vertritt, können sie ihre Bedürfnisse bezüglich der Öffnungszeiten gegenüber KiTa-Leitung bzw. dem Träger sowie örtlichen Träger (Jugendamt) geltend machen, denn im § 5 steht, dass Kindertageseinrichtungen unter Berücksichtigung der Bedürfnisse von Kindern und Eltern sowie den örtlichen Gegebenheiten offen zu halten sind und das die Öffnungszeiten prinzipiell zwischen Elternbeirat, Träger und örtlichem Träger abgestimmt werden.“

    Allerdings ist seit Jahren bekannt, dass selbst das vom Leipziger Jugendamt verabschiedete und vorab mit dem Gesamtelternrat Leipziger Kindertageseinrichtungen erarbeitete Elternmitwirkungspapier von der Diakonie und anderen Trägern nicht eingehalten wird. Dieses basiert natürlich auch auf dem SächsKiTaG, welches für alle KiTa’s (und Kindertagespflegepersonen) in Sachsen gilt.

    Hintergrund ist wohl, dass Eltern lieber zur Demo gegen den Betreuungsschlüssel eingeladen werden als über die bestehenden Rechte zu informieren.

  2. Sehr geehrter Herr Große

    Vielen Dank für diesen tollen Bericht. Ich finde es gut das Sie sich dieser Thematik mit annehmen.
    Ich und meine Freundin gehören zu den Eltern die gegen dieses System der Schließzeiten sind. Es ist für uns einfach nicht möglich diese 2 Wochen tu kompensieren. Ich als Angestellter eines Regionalen Energieversorgers sowie meine Freundin als Fachkraft in einem Intensivpflegedienstes sind nicht in der position unsere Urlaubsplanung so zu gestalten wie wir das gern möchten.

  3. Ein Sturm im Tauchaer Wasserglas?
    In unserer Kita gibt es schon seit Jahren diese Schließzeiten – jeweils zwei Wochen im Sommer. Natürlich ist das nicht einfach; aber in der Schule gibt es – Achtung! – *sechs* Wochen Ferien zzgl. Ferien zu Ostern, Weihnachten, Pfingsten, nochmal im Februar, …
    Auch hier gibt es eine Ausweichkita, und man sollte die Kinder da nicht unterschätzen, wie sie sich darauf einrichten können, insb. wenn sie wissen, dass es in 14 Tagen zurück geht.
    Übrigens: Auch in der kirchlichen Kita in Stuttgart vor ein paar Jahren gab es Schließzeiten. Ohne Ausweichkita – da waren die Eltern auf sich gestellt.
    Man sollte den unterbezahlten Erziehern, die 230 Tage auf unsere Kinder achten eher mal 14 Tage gönnen. Und nebenbei schaut man einfach, wie man die paar Tage bekommt. So ein Kind soll übrigens auch mal krank werden, da hab‘ ich dann kein halbes Jahr Zeit das zu planen …

  4. Sehr geehrter Herr Große,

    ich bin selbst Vater eines Kindes in der Kita St. Moritz und dies gibt mir Grund an Ihren jounalistischen Grundsätzen zu zweifeln.

    Die im Artikel zitierten Personen geben nur einen Teil des Meinungsbildes wider, der unter den Eltern und ausdrücklich auch im Elternrat herrscht. Frau Marr als Elternrätin zu zitieren, erzeugt den Eindruck, sie vertritt die Meinung des gesamten Elternrates – dies ist ausdrücklich nur ein Teil der Wahrheit, wird in Ihrem Artikel so aber nicht dargestellt.

    Die Eltern haben die Möglichkeit, sich über den Elternrat zu informieren und sich einen Eindruck über das Meinungsbild zu machen. Dies tue ich auch und dies lässt mich an Ihrem Artikel zweifeln, da die Leiterin Frau Wiederanders im Elternrat geäußert hat, keine Informationen / Interview an die Presse gegeben zu haben. Daher die Frage haben Sie alle Zitate von den Personen oder (teilweise) über Dritte?

    Um Ihnen noch meine Meinung zu dem Thema mitzuteilen: über Monate wechselten die Betreuenden in der Gruppe meines Kindes (Krankheit, Urlaub, Weiterbildung, etc.). Sie können sich sicherlich vorstellen, wie bereitwillig sich mein Kind bei einer immer anderen betreuenden Person abgeben lies. Insofern stehe ich diesem Versuch aufgeschlossen gegenüber, auch wenn es für unsere Familie ebenfalls eine große Herausforderung ist.

    Mit freundlichen Grüßen

    • Hallo Herr Tiger, ich habe in meinem Text Frau Marr nicht als Mitglied des Elternrates bezeichnet, denn das ist sie nicht (mehr), wie sie mir sagte. Wenn das im Text missverständlich rüberkam, tut mir das leid. Ich arbeite selbstverständlich nach den journalistischen Grundsätzen und habe für die Recherche zunächst die Pressestelle der Diakonie Leipzig, Frau Straßberger, angerufen. Diese gab mir dann grünes Licht für die direkte Befragung von Frau Wiederanders, mit der ich dann telefonierte. Zitate, die als solche gekennzeichnet sind, stammen also natürlich direkt von den Personen. Dass Frau Wiederanders dies offenbar nun anders darstellt, ist befremdlich.

      Dass der Elternrat zerstritten ist, spielte in dem Text keine Rolle, ist meiner Meinung nach aber auch irrelevant, da klar wird, dass ein Teil der Eltern offenbar mit den Schließzeiten gut zurecht kommt und ein Teil nicht.

      Vielen Dank aber für Ihre Meinung.
      Viele Grüße, Daniel Große

  5. Sehr geehrter Herr Große,

    Ihr Satz: „Beim Elternrat hatten sich 24 Eltern gemeldet, die damit ein Problem haben, die Kita sagt aber, es waren nur zehn. Mittlerweile sind es 30 Kinder deren Eltern mit der Schließzeit nicht einverstanden sind“, sagt Kathleen Marr. “ war bei mir so angekommen, als hätten Sie Frau Marr als Elternrätin zitiert. Dies ist zwar missverständlich, ich möchte mich jedoch trotzdem für die Kritik entschuldigen.

    Zu ihrem Einwand, dass es keine Rolle spielt ob der Elterat zerstritten ist oder nicht, kann ich nur sagen, dass es durchaus eine Rolle spielt, da das zweigeteilte Meinungsbild in der gesamten Elternschaft besteht und durchaus in Ihrem Artikel wieder gegeben werden sollte. Andernfalls könnte man den Artikel als „parteiisch“ ansehen.

    Nichts desto trotz möchte ich Ihnen Anerkennung zollen für Ihr Engagement, eine solche Informationsseite zu erstellen – und vor allem fortlaufen mit Nachrichten zu füllen.

    Mit freundlichen Grüßen

    Theobald Tiger

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