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Exklusiv: Taucha muss mehr Flüchtlinge aufnehmen

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In diesem Jahr wird Deutschland 800.000 Flüchtlinge aufnehmen. Der aktuell sehr hohe Zustrom macht natürlich auch vor Sachsen, dem Landkreis Nordsachsen und Taucha nicht Halt. Jetzt wurden neue Zahlen bekannt.

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Am gestrigen Abend hat Ministerpräsident Stanislaw Tillich die Zahlen für Sachsen nach oben korrigiert: In diesem Jahr werden demnach etwa 40.700 Asylbewerber in den Freistaat kommen, 10.000 mehr als noch vor einem Monat prognostiziert werden konnten. Diese Zahlen stellen die Landkreise vor eine gewaltige Aufgabe, so auch im Landkreis Nordsachsen. Bislang ging man hier von 1000 Asylbewerbern bis Jahresende aus. Diese Zahl steigt nun auf 1500.

Heute um 11 Uhr kamen die nordsächsischen Bürgermeister zu einer Sonderbürgermeistersitzung zusammen, auf der sie über die die aktuellen Zahlen informiert wurden. Nach Informationen von Angelika Stoye, Ordnungsdezernentin des Landkreises, wurden im Zuge des zu erwartenden Zustroms auch die Richtwerte für die Kommunen erhöht. Bislang war es so, dass ein Prozent der Einwohnerzahl Asylbewerber sein durften. Dieser Wert beträgt für den Rest des Jahres nun 1,5 Prozent, für das nächste Jahr 2,5 Prozent. Heißt konkret: Bei etwa 15.000 Einwohnern, die Taucha derzeit hat, dürfen in diesem Jahr 225 Flüchtlinge in der Stadt aufgenommen werden, im nächsten Jahr 375. Aktuell befinden sich 47 Asylbewerber in Taucha, was einem Richtwert von etwa 0,3 Prozent entspricht. Derzeit sei der Landkreis Nordsachsen dabei, die nächsten Unterkünfte für 2016 vorzubereiten, so Angelika Stoye. Auf die bislang bekannten Zahlen sei man vorbereitet gewesen, auf die nun seit gestern bekannten Fakten müsse man sich einstellen.

Welcher Nationalität und welchen Religionen die Flüchtlinge angehören, sei noch nicht bekannt. Was die Unterbringung angeht, haben die Kommune und der Landkreis nur begrenzte Möglichkeiten, Einfluss zu nehmen. „Wichtig für uns ist, dass wir menschenwürdige Unterkünfte anbieten und in den Erstaufnahmeeinrichtungen vermeiden wollen, dass zu viele Menschen auf engstem Raum leben. Das haben wir seit drei Jahren schon so gehandhabt und daran soll sich auch nichts ändern“, so Angelika Stoye. Menschenwürdig bedeute in diesem Zusammenhang auch „ausdrücklich, dass wir keine Zelte und Turnhallen wollen“, sagt die Ordnungsdezernentin.

Aktuelle Zahlen und Fakten

  • 25.170 Asylbewerber leben Ende Juli 2015 in Sachsen. Davon sind 20.361 in den Kommunen und 4.809 in Erstaufnahmeeinrichtungen untergebracht
  • Fast ein Viertel (23,6 Prozent) der Asylbewerber stammt aus Syrien. Danach folgen Albanien, Kosovo, Afghanistan, Irak, Libyen, Pakistan, Serbien, Eritrea, Russland und Marokko.
  • 2014 kamen 11.840 Flüchtlinge nach Sachsen. In diesem Jahr sind es bis Anfang August bereits 19.575
  • Quelle: Freistaat Sachsen

„Für die nächsten 50 Flüchtlinge gibt es bereits Unterbringungsmöglichkeiten in Form von Wohnungen. Hier setzen wir das dezentrale Unterbringungs- und Betreuungskonzept weiter fort“, sagt Bürgermeister Tobias Meier. Rund 20 Wohnungen seien in städtischem Besitz. Dies seien Wohnungen, die aufgrund ihres Schnitts oder ihrer Lage nicht unbedingt zur Vermietung geeignet seien. Sie würden aber dem Mindeststandard genügen. Dazu gehören laut Angelika Stoye eine funktionierende Heizung statt eines Ofens und ein Allgemeinzustand, der es erlaube, mit wenigen Mitteln die Wohnung aufzubereiten. „Oft sind es aber einfach leer stehende Mietwohnungen innerhalb eines Mehrfamilienhauses. Die kommenden Flüchtlinge werden also genau so untergebracht, wie die derzeit in Taucha lebenden Asylbewerber auch: In der Mitte der Gesellschaft, integriert in gewachsene Wohngebiete im gesamten Stadtgebiet“, so Meier. Als Beispiele nannte er die Wohnhäuser in der Portitzer Straße (Titelbild) oder der Zwickschen Siedlung. Hier würden Asylbewerber seit Monaten und Jahren ohne Auffälligkeiten leben.

Private Eigentümer von Wohnungen könnten dem Landratsamt und auch dem Tauchaer Ordnungsamtsleiter Jens Rühling ihren Leerstand anbieten. Auch von selbst würde die Stadt Taucha nun Eigentümer anschreiben, erklärt Bürgermeister Tobias Meier. Illusionen auf eine „schnelle Mark“ sollten sich die Eigentümer aber nicht hingeben. „Wir zahlen einheitliche Sätze und mieten nicht auf Teufel komm raus. Und es gibt keinen Zuschuss für Sanierungen. Im Gegenteil: Nötige Sanierungen werden mit der Miete verrechnet“, so Stoye.

Ob es angesichts der neuen Flüchtlingszahlen im Landkreis und in Taucha nötig sein wird, eine zentrale Erstaufnahmeeinrichtung zu etablieren, sollte die heutige Sonderbürgermeistersitzung klären. In Taucha sei selbiges aber nicht geplant, die Erstaufnahmeeinrichtungen in Leipzig und eine künftige in Borna sollen in der Region vorerst genügen. Dem kürzlich in Taucha kompakt als Anzeige veröffentlichten Angebot des Stuttgarter Immobilienunternehmers Eberhard Hickethier, seine Brachfläche zwischen Leipziger und Ernst-Moritz-Arndt-Straße als Standort für Wohncontainer zur Verfügung stellen, erteilt Angelika Stoye eine klare Absage. „Für die Fläche gilt ein Vorhabens- und Erschließungsplan, der auch für uns als Landkreis verbindlich ist. Eine Bebaubarkeit wie von ihm vorgeschlagen ist nicht gegeben. Es wird hierzu keine andere Entscheidung geben“, so Stoye. Ob das Land Sachsen anders entscheiden würde, könne sie nicht einschätzen, sie glaube aber, dass man sich auch hier an geltendes Recht hält.

Generell würden alle Bürgermeister des Landkreises auf angemessene Konzepte drängen. „Wir müssen jetzt den Ansturm bewältigen. Aber es kann natürlich nicht ewig so weitergehen, irgendwann sind die Städte und Kreise mal überfordert“, so Tobias Meier.

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Veröffentlicht am 21. August 2015 um 14:05 Uhr.
Letzte Bearbeitung: 21. August 2015 um 15:06 Uhr.


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Daniel Große ist Herausgeber von Taucha kompakt. Er arbeitet seit 2001 als freier Journalist und berichtet hier zu allen Themen, die Taucha bewegen. Infrastruktur, Blaulicht-Meldungen, Veranstaltungen, Neues aus dem Rathaus und vieles mehr veröffentlicht er hier. Schnell, kompakt und verständlich.
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