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Einzelhandel: Änderungen in Tauchas Altstadt

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Tauchas Altstadt steht vor einigen Änderungen, was den Einzelhandel und die Nahversorgung angeht. Der Grund: Nach 26 Jahren wird Margit Steger im nächsten Jahr ihren Edeka-Laden „Nah & gut“ schließen. Eine Belastung für viele Anwohner, vor allem die ältere Generation.

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Kurz & knapp:

  • Margits Einkaufscenter schließt im Januar
  • Sternenbäck in der Leipziger Straße schließt zum Jahresende
  • Kaffeehaus-Manufaktur Kraus verlängert ab 2017 die Öffnungszeiten

„Es geht nicht anders, die Zeiten haben sich geändert, es bleibt einfach nicht mehr genug übrig“, sagt Margit Steger und ist sichtlich traurig. Die 72-Jährige ein Urgestein des Tauchaer Einzelhandels zu nennen, wäre nicht fair, dafür ist sie noch viel zu agil – körperlich und geistig. Und doch ist es, als wäre die gelernte Verkäuferin schon immer hier – vor allen anderen. Im Jahre 1961 übernahm sie den damaligen Konsum in der Eilenburger Straße. „Da war ich gerade mal 17 Jahre alt, die haben Personal gesucht und niemanden gefunden. Also musste ich direkt nach der Lehre eine Filiale leiten“, blickt sie zurück.

Bis nach der Wende blieb die freundliche Tauchaerin beim Konsum. Im Jahr 1991 bekam sie die Chance, den Laden in der Leipziger Straße 2 zu übernehmen. „Wir wussten ja, wie es geht. Das Problem war nur, an die Waren zu kommen“, berichtet sie. Anfangs wurden die Lebensmittel und sämtliche anderen Waren des täglichen Bedarfs aus Wurzen, Dahlen und dem Umland geholt. Als in Chemnitz der erste Selgros-Großmarkt eröffnete, fuhr sie mit dem Wartburg die 120 Kilometer hin und wieder zurück. Bis in die späten Abendstunden wurde dann die Ware eingeräumt, damit am nächsten Morgen die Tauchaer in Margit’s Einkaufscenter ihre Besorgungen erledigen konnten. Ab 1993 belieferte dann Edeka den Laden – ein Novum damals wie heute. „Heute würde das Edeka nie mehr annehmen. Ich habe Bestandsschutz“, lächelt Margit Steger.

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Später stiegen dann die Söhne mit ins Geschäft ein. André, heute 48, und gelernter Industrie-Modellbauer, gab die Tischlerei auf und eignete sich die Kenntnisse im Handel selbst an. Heute steht er unter anderem an der kleinen Fleischtheke im Laden, bäckt Brötchen und belegt diese mit frischem Hack oder Leberkäse. Dazu ein kurzer Plausch mit den Kunden. „Die Leute schätzen das, dieses familiäre, menschliche Flair bei uns“, sagt er. Im anderen Teil des Ladens kümmert sich Marko Steger (39) um den Hermes-Shop sowie um die Auslagen von Schokolade bis Tomatensoße, von Getränken bis Haferflocken.

Grundsätzlich könnten die Söhne den Laden übernehmen und weiterführen, sagt Margit Steger. Doch sei jetzt ein Punkt erreicht, an dem ohnehin größere Renovierungsarbeiten fällig würden. „Der Fußboden muss raus, die Elektrik erneuert werden. Und wenn man ein mal anfängt, kommt sicher noch mehr zutage“, so André Steger. Diese Arbeiten würden mindestens drei Monate dauern. Eine Schließung über einen solch langen Zeitraum hätte weitreichende Folgen. „Das macht Edeka nicht mit, in der Zeit ist man raus beim Lieferanten. Und eine teilweise Öffnung funktioniert auch bloß nicht“, sagt André.

Zudem sei in den letzten Jahren klar geworden, dass sich der Laden mit seinen Preisen nicht mehr halten kann. „Natürlich kommen viele Tauchaer her, kaufen mal schnell dieses und jenes. Kinder kommen nach der Schule, um etwas zu naschen zu holen. Das reicht aber nicht“, erklärt Margit. Vor zehn Jahren hätte der Laden drei mal so viel Umsatz generiert wie heute. Richtig spürbar sei die Eröffnung des Netto-Marktes an der Graßdorfer Straße im Jahr 2009 gewesen. „Der hat uns viele Kunden gekostet, die sonst von dort zu uns kamen. Aber auch Kaufland ist ein Problem, klar“, sagt die Geschäftsfrau.

„Handel war noch nie planbar – und heute erst recht nicht“, bringt es André Steger auf den Punkt. Er und Marko wollen im Handel bleiben. „Wir bringen ja die besten Voraussetzungen mit, das sollte klappen“, ist er zuversichtlich.

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Betrübt über die anstehende Schließung sind nicht nur Stegerts selbst, sondern vor allem auch die Kunden, die dieser Tage ins Geschäft kommen und von dem Aus erfahren. „Eine Tragödie“ nannte es gar ein Kunde. Wirklich problematisch dürfte es für die ältere Generation werden. Bewohner des Pflegeheims Parkblick wurden bislang beliefert, das fällt dann ebenso weg wie die täglichen Einkäufe der älteren Damen und Herren des Betreuten Wohnens vom DRK direkt gegenüber des Ladens. „Die sind richtig traurig“, sagt Margit und schickt abermals hinterher: „Uns tut das wirklich leid für unsere lieben Kunden, aber es ist der beste Weg.“

Und noch eine Schließung steht auf der Leipziger Straße an: Die Filiale des Bäckers Sternenbäck macht zum Jahresende dicht. Eine offizielle Bestätigung seitens der Bezirksleitung steht zwar noch aus, die Schließung ist aber bereits kein Geheimnis mehr. Ein neuer Bäcker soll in das Geschäft so schnell nicht einziehen, heißt es. Offenbar ist auch dieser Laden renovierungsbedürftig.

Die Geschäftsaufgabe von Margits Einkaufscenter und des Sternenbäck veranlassen auch Konditor Sebastian Kraus zu Änderungen. Seine Kaffeehaus-Manufaktur öffnet ab 2017 täglich von 7 bis 17 Uhr, 365 Tage im Jahr. Das bisherige Snack-Angebot soll ausgebaut werden. Für den Geschäftsmann keine leichte Aufgabe. „Wir werden zusätzliches Personal benötigen“, sagt er.

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Veröffentlicht am 8. November 2016 um 19:32 Uhr.
Letzte Bearbeitung: 31. Oktober 2017 um 11:02 Uhr.


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Daniel Große ist Herausgeber von Taucha kompakt. Er arbeitet seit 2001 als freier Journalist und berichtet hier zu allen Themen, die Taucha bewegen. Infrastruktur, Blaulicht-Meldungen, Veranstaltungen, Neues aus dem Rathaus und vieles mehr veröffentlicht er hier. Schnell, kompakt und verständlich.
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