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Gespaltene Meinungen über verteilte Knöllchen am ersten Schultag in Taucha

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Ein Junge auf dem Weg in die Schule (Symbolbild).

Heute früh nach um 7. Der erste Schultag nach den Ferien. Für 145 Kinder der erste Schultag überhaupt. Entsprechend groß war der Andrang an den beiden Grundschulen, der Oberschule und am Gymnasium in Taucha. So groß, dass sich die Polizeibehörde in Taucha berufen sah, zu handeln. Über die Art und Weise hat sich in der Stadt und bei Facebook eine größere Diskussion entfacht.

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„Was ich heute früh dort erlebt habe, war der absolute Hammer.“
„Was heute dort passiert ist, ist nicht mehr tragbar.“

Zwei Sätze, die sich ähnlich sind. Ein mal von einem Vater, der heute früh seine Tochter zur Grundschule Am Park gefahren hat. Und ein mal von Jens Rühling, Leiter des Sachgebiets Ordnung im Tauchaer Rathaus. Aus beiden spricht das Entsetzen über das Erlebte – jeweils aus anderen Blickwinkeln.

„Wir waren heute an beiden Grundschulen vor Ort, um für die nötige Sicherheit zu sorgen“, sagt Jens Rühling. Weil die Eltern teils auf Gehwegen geparkt oder Feuerwehrzufahrten versperrt hätten, hätten die Mitarbeiter diverse „Knöllchen“ verteilt. In Summe 35 Verwarnungsgelder ergingen so an beiden Schulen an die Fahrzeughalter. „Das waren alles Autos, die geparkt waren, wo also weit und breit kein Halter zu sehen war. Offenbar haben die Eltern ihre Kinder in die Schule begleitet, wogegen ja auch nichts einzuwenden ist. Nur muss man dann eben auf einem ordnungsgemäßen Parkplatz parken“, sagt Rühling.

Doch offenbar kam es selbst bei Nutzung des regulären Parkplatzes vor der Grundschule Am Park zu Unregelmäßigkeiten – auf Seiten der Ordnungshüter, wie der eingangs erwähnte Vater einer Viertklässlerin schildert. „Ich habe dort ganz normal geparkt, kam raus und hatte ein Knöllchen dran. Der Ordnungshüter hat dort regelrecht gewartet, dass er mir den Zettel dranstecken kann, obwohl er gar nicht im Recht war“, so der Tauchaer, der nicht namentlich genannt werden will. Gegen das Verwarnungsgeld wolle er nun vorgehen, notfalls den Mitarbeiter des Rathauses anzeigen. Und auch bei Facebook in der Gruppe „hallo Taucha“ ist zu lesen, dass wahllos Knöllchen verteilt worden wären. Der Großteil der Kommentarschreiber ist aber auf der Seite der Stadt – Verkehrsregeln seien dafür da, dass man sie einhalte.

Für Jens Rühling ist das Problem vor allem, dass „heute offenbar jedes Kind in die Schule gefahren werden muss. Generell auch möglich, nur muss man das Kind dann eben schnell aus dem Auto lassen und weiterfahren“, sagt er. „Keine Ahnung von der Realität“, argumentiert dagegen der Tauchaer Vater. Gerade am ersten Schultag hätten die Kinder so viele Taschen in die Schule zu bringen, dass ein Elternteil mitgehen müsse. Und so viele Parkplätze gebe es schlicht nicht im Umkreis der Schulen. Ein selbstverschuldetes Problem der Stadt sei dies. „Lieber verkauft man Grundstücke über die städtische Gesellschaft an Häuslebauer und verringert so die Parkflächen. Dagegen sagt Rühling, dass der Parkplatz an der Festwiese bei Weitem nicht ausgelastet gewesen wäre. Für Eltern, deren Kinder in die Grundschule am Park gebracht haben, wäre es ein leichtes gewesen, diesen zu nutzen, sagt er.

Etwas schwieriger ist die Situation an der Regenbogenschule. Hier gibt es keinen größeren Parkplatz, viele Parkflächen sind zudem Privatparkplätze der Anwohner. „Dort haben wir den Autofahrern versucht klar zu machen, dass man nicht länger auf dem Gehweg stehen kann, weil es eben Gehwege und teils Rettungswege sind“, so Rühling, der generell um Verständnis für die Maßnahme bittet. „Dass nun jeder denkt, damit würde Stadt Kasse machen, ist uns klar. Dem ist aber nicht so. Wir kommen hier vor allem den Bitten und Beschwerden der Schulleitungen und der Elternräte nach. Diese haben uns gebeten, stärker präsent zu sein, damit jedes Kind sicher ins Schulhaus gelangt.“

In den nächsten 14 Tagen gehen die Kontrollen an den Schulen weiter, kündigt Jens Rühling an. Und er hofft, dass er seine Mitarbeiter nicht mehr solchen Beschimpfungen aussetzen muss wie heute: „Was da teilweise an Beleidigungen fiel, ist nicht mehr tragbar. Jeder sieht die Angelegenheit nur aus seiner Sicht, was menschlich und verständlich ist. Aber wenn das erste Kind vor der Schule angefahren wird, ist das Geschrei nach der Stadt und mehr Sicherheit auch groß.“

Für Eltern, deren Kinder in die Regenbogenschule gehen, ändert sich etwa ab September ohnehin einiges: Wenn die Baumaßnahmen für den Anbau beginnen, kann voraussichtlich nicht mehr durch die Rudolf-Breitscheid-Straße gefahren werden. „Eine Möglichkeit wäre dann, die Kinder in der Klebendorfer Straße zu verabschieden und den Rest laufen zu lassen. Das entspannt die Situation, auch jetzt schon“, so Rühling.

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Veröffentlicht am 13. August 2018 um 17:17 Uhr.
Letzte Bearbeitung: 13. August 2018 um 17:21 Uhr.

4 Kommentare

  1. Ich habe die Kommentare in der Gruppe ‚Hallo Taucha‘ bei Facebook verfolgt. Ich finde diese Maßnahme vollkommen gerechtfertigt. Bestimmt ist es auch für alle eine Stresssituation. Hier wurden auch Vorschläge gemacht, wie man der Situation Herr werden kann.
    Was aber sehr bezeichnend ist, ist dieser erste Kommentar, wo sich über eine Ordnungswidrichkeit beschwert wird, die ein Knöllchen nach sich zog. Das ist so bezeichnend! Vor meinem Haus parkt der Fahrschullehrer auf dem Gehweg und kommt mit seinen Fahrschülern, denen gezeigt wird, dass das „normal“ ist.

  2. Zur Verbesserung der Ausladeverhältnisse an der Regenbogenschule schlage ich vor, bei deren Erweiterung
    eine Auffahrt zu bauen,wie wir sie vom Drive in bei McDonalds kennen.Die Kinder müssten dann nur die
    Autotür öffnen und befänden sich direkt im Schulgebäude,wo sie nach der anstrengenden Fahrt mit kleinen Erfrischungen vom Direktionspersonal empfangen würden.
    Pro Fahrzeug wären ca.15 Sekunden für den Auswurfvorgang zu veranschlagen.Zu längeren Staus käme es sicher nicht.Außerdem bliebe den begleitenden Elternteilen die lästige Begleitung ihrer Kinder zur Schule und der Rückweg zum Parkplatz erspart(jeweils 5 Minuten,wenn der Parkplatz bei Netto genutzt würde).Der Wecker könnte also mindestens 10 Minuten spärer klingeln oder das Styling ohne Hast erfolgen.
    Beri dieser Gelegenheit gleich ein weiterer Vorschlag:Ich empfehle die Geschwindigkeitsbeschränkungen,die mit der Ausweisung des Wohngebietes Ernst-Moritz-Arndt-Str. als verkehrsberuhigte Zone verbunden sind,aufzuheben.
    Zahlreiche Mütter werden derzeit daran gehindert,ihre Kinder so schnell wie möglich in der Kinndereinrichtung
    loszuwerden,und die überwiegend akut lebensbedrohlich Erkrankten Besucher des Ärztehauses erreichen zu spät das Ärztehaus,möglich mit nicht reperablen Folgen.Zumindest 70 km/h würde ich erlauben.

  3. Ich persönlich hätte mir mehr Fingerspitzengefühl von der Polizeibehörde in Taucha gewünscht. Natürlich kann nicht permanent im Park- oder Halteverbot geparkt werden. In einer Feuerwehrzufahrt schon gar nicht. Aber muss gleich am ersten Schultag, an dem sowieso alle aufgeregt sind, die Stimmung so aufgeheizt werden?
    Ich hätte mir hier sehr gut vorstellen können, dass die Polizeibehörde „gelbe Karten“ mit dem Vergehen, den Preis und der Mitteilung, das ab nächste Tag/Woche tatsächlich abkassiert wird, verteilt werden. Jedem wäre danach klar, das er sich falsch verhalten hat und ist sich im klaren, dass das in Zukunft Konsequenzen hat. Und wer in einer Feuerwehrzufahrt parkt, dem muss doch sowieso bewusst sein, dass bei einem echten Einsatz sein Fahrzeug einfach zur Seite geschoben wird. So sieht es eher wieder aus, dass die Stadt einfach nur abkassieren will. Klar gäbe es ein großes Geschrei, wenn ein Kind angefahren wird. Aber das gleiche Geschrei gäbe es doch auch, wenn ein Mitarbeiter der Polizeibehörde von einem Parksünder angegriffen wird. Muss alles wirklich so hoch hochgeschaukelt werden? Mehr Fingerspitzengefühl von allen Seiten wäre hier wirklich gut!

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