Seit zehn Monaten haben wohl viele Tauchaer, vor allem aber die Angehörigen der Lehrerin Jeannette S. gebangt und gehofft. Seit gestern ist es traurige Gewissheit: Die 55-Jährige ist tot. Am 11. Februar fand ein Geocacher die Frau ganz in der Nähe des Sächsischen Krankenhauses Altscherbitz.

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Am 24. April 2017 verschwand die beliebte Lehrerin aus der Klinik, in der sie sich sechs Wochen lang aufgrund von Depressionen aufhielt. Umfangreiche Suchaktionen der Polizei sowie der Angehörigen brachten keine Ergebnisse, Jeannette S. blieb verschwunden. Bis zum 11. Februar, als ein Geocacher durch ein bewaldetes Stück unweit des Krankenhauses streifte. Zuerst fand er nach Aussagen des Ehemannes der Tauchaerin nur Kleidungsstücke. Bei genauerem Hinsehen entdeckte er auch Knochenreste, woraufhin er die Polizei verständigte.

„Nach Auswertung von DNA-Material aus meinem Speichel ist es leider erwiesen, dass es sich um meine Mutti handelt“, sagt Benjamin, der Sohn. Aufgrund der starken Zersetzung der Leiche sowie Spuren von Tierfraß dauerte die Auswertung einige Zeit. „Die Polizei gab uns gestern Bescheid. Sie haben so lange gewartet, um wirklich sicher zu sein“, so Ehemann Peter.

Den Fundort selbst haben er, sein Sohn und andere immer wieder abgesucht, selbst ein Spürhund sei dort zum Einsatz gekommen, sowie der Hubschrauber dort drüber geflogen. Von der Polizei zurate gezogene Experten gingen davon aus, dass sie zwischen dem Verschwinden und dem 11. August 2017 an diesem Ort gestorben sei. „Wir selbst nehmen an, dass sie sich noch am Tag des Verschwindens oder kurz danach das Leben genommen hat“, erzählt der Ehemann. Ein Hinweis auf ein Fremdverschulden wurde nicht gefunden, wie die Polizeidirektion Leipzig gegenüber Taucha kompakt bestätigte. Ein Toxikologisches Gutachten stehe laut des Sohnes zwar noch aus, hier seien aber nach der langen Zeit kaum Ergebnisse zu erwarten. Für die Familie sei damit auch klar, dass angebliche Sichtungen der Lehrerin in Leipzig-Mockau oder anderen Orten nicht zutreffend waren.

Für Peter und Benjamin S. ist die Nachricht Erlösung und Schock zugleich. „Die riesige Ungewissheit, der Druck ist weg. Gleichzeitig herrscht jetzt aber eine große Leere“, so der Ehemann. Wie es weitergehe, würden die nächsten Tage und Wochen zeigen. Zumindest das Enkelkind und der Hund könnten für Abwechslung und vor allem Ablenkung sorgen, sagt er.

Bedanken möchte sich die Familie bei allen, die in den vergangenen Monaten mitgefiebert haben. „Wir sind allen unendlich dankbar und hoffen, dass wir jetzt in Ruhe trauern können“, so Peter S. Der Termin der Trauerfeier werde rechtzeitig über geeignete Wege bekannt gegeben. „Wir wissen, dass meine Frau beliebt und bekannt war, wir werden also niemanden wegschicken“, sagt er.

Leiden Sie aktuell an Depressionen? Das bundesweite Info-Telefon Depression unter der Rufnummer 0800 3344533 soll Betroffenen und Angehörigen den Weg zu Anlaufstellen im Versorgungssystem weisen. Dies stellt keinen Ersatz für eine Behandlung durch einen Arzt oder Psychotherapeuten dar. In akuten Krisen wenden Sie sich bitte an Ihren Arzt, die nächste psychiatrische Klinik oder den Notarzt unter der Telefonnummer 112. Das Info-Telefon Depression ist kostenfrei.

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Mi, Fr: 08:30 – 12:30 Uhr

Veröffentlicht am 21. Februar 2018 um 16:25 Uhr.
Letzte Bearbeitung: 9. Mai 2018 um 17:47 Uhr.

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