Damit hat wohl niemand gerechnet: Der Stadtrat hat heute beschlossen, dass der Feldversuch in der Klebendorfer Straße nicht durchgeführt werden soll.

Wie berichtet war in den politischen Gremien beraten worden, wie mit der hohen Verkehrsbelastung im Gebiet der Zwick’schen Siedlung umgegangen wird. In diversen Sitzungen des Technischen Ausschusses, Umweltausschusses, Finanzausschusses und Verwaltungsausschusses wurde beraten und letztlich beschlossen, dass im Stadtrat über einen Feldversuch abgestimmt werden soll.

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Aufhebung des alten Beschlusses

Dazu war es heute zuerst nötig, den Beschluss der Sitzungsvorlage 2017/085 aus dem Jahr 2017 aufzuheben. Dieser war damals faktisch eine Art Denkverbot hinsichtlich einer Änderung der Verkehrsführung in der Klebendorfer Straße. Am 14.12.2017 wurde beschlossen, auf Grundlage der damals durchgeführten Verkehrsuntersuchung und nach Abwägung der Belange des öffentlichen Wohls die Verkehrsführung in der Klebendorfer Straße so zu belassen. Nötig war die Aufhebung, weil vom alten Stadtrat damals beschlossen wurde, dass die Verkehrsführung erst überdacht wird, wenn der Trogbau fertig ist, der Bahnübergang Gerichtsweg geschlossen ist und der Kreuzungsbereich B87/Portitzer Straße/Graßdorfer Straße neu geordnet ist. Weil letzteres noch nicht der Fall ist, musste also der Beschluss aufgehoben werden. Bereits die Aufhebung dieses Beschlusses ging gerade so durch: Mit acht Ja-Stimmen, sieben Nein-Stimmen und zwei Enthaltungen wurde die Sitzungsvorlage angenommen.

Feldversuch abgewählt

Danach sollte über die Durchführung eines Feldversuches abgestimmt werden. Selbiger sollte den Zweck zur Prüfung einer möglichen Öffnung der Klebendorfer Straße verfolgen. Verbunden mit dem Auftrag an die Stadtverwaltung, die erforderlichen Informationen einzuholen, um die Maßnahme umzusetzen. Mit rund 30.000 Euro Kosten rechnet die Stadtverwaltung zur Durchführung eines solchen Feldversuches. Diese Kosten würden die provisorische Herrichtung einer Fahrspur und eines Gehweges sowie die Verkehrsbeschilderung beinhalten. Diese Mittel hätten aus den freien Rücklagen der Stadt entnommen werden sollen.

Begonnen hätte der Feldversuch ab dem Ende der Winterferien 2020 und wäre drei Monate gelaufen. Geplant waren mehrmalige Verkehrszählungen und verschiedene Verkehrsführungen. Zum einen sollte der zweispurige Verkehr im Gärtnerweg beibehalten werden bei gleichzeitiger Einbahnstraßenregelung von der Klebendorfer auf die Otto-Schmidt-Straße. Eine zweite Variante war es, eine Einbahnstraße von der Otto-Schmidt-Straße in den Gärtnerweg einzurichten bei gleichzeitiger Einbahnstraße von der Klebendorfer auf die Otto-Schmidt-Straße. Nur diese beiden Varianten seien aus Sicht des Ordnungsamtes Taucha geeignet, eine realistische Verkehrsbelastung darzustellen.

Entschlossen wurde sich seitens der Stadträte in den entsprechenden Ausschüssen, überhaupt über einen solchen Feldversuch abzustimmen. Heute nun gab es das Ergebnis dieser Abstimmung: Fünf Ja-Stimmen, acht Nein-Stimmen und vier Enthaltungen führen nun dazu, dass sich Stadtverwaltung und Stadtrat nicht weiter mit der Klebendorfer Straße beschäftigen werden.


Mit dem Ergebnis hätte Reiner Böhme von der IG Verkehrsführung Taucha-Süd nicht gerechnet. „Das freut uns natürlich. Wir sind uns aber auch bewusst, dass wir weiter dran bleiben müssen“, sagte er. Und ein anderer anwesender Bürger meinte: „Ja, prima, aber es kann ja nicht sein, dass wir uns aller zwei Jahre gegen offensichtliche Fehlplanungen und Entscheidungen an diesem Tisch hier wehren müssen. Hoffentlich bleibt es nun dabei.“ Die heutige Stadtratssitzung wurde von zahlreichen Bürgern interessiert verfolgt. Der Ratssaal war so voll wie lange nicht. Es mussten sogar nicht benötigte Stühle vom Ratstisch entnommen werden, damit alle Bürger Platz haben.

Für Bürgermeister Tobias Meier ist das Votum ein klares, demokratisches Ergebnis. Er erklärte direkt nach der Abstimmung, dass die Stadtverwaltung nun den Handlungsauftrag habe, sich das gesamte Straßengefüge anzuschauen. Es solle darum gehen, zu klären, wie der Verkehr zwischen Otto-Schmidt-Straße, Leipziger Straße und Sommerfelder anders geregelt werden könne – ohne die Klebendorfer anzufassen.

(1 mal heute gelesen)
Veröffentlicht am 19. Dezember 2019 um 20:18 Uhr.
Letzte Bearbeitung: 19. Dezember 2019 um 21:08 Uhr.
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Seit 2001 arbeitet Daniel Große als freier Journalist. Er fühlt sich in vielen Themengebieten zu Hause. Lokales, Immobilienthemen, Ratgeber- und Verbrauchernachrichten, Medien und Netzwelt sind seine bevorzugten Gebiete. Daniel Große ist Herausgeber von Taucha kompakt.
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6 Kommentare

  1. Eine sehr vernünftige Entscheidung der Stadtgremiem, welche damit beweisen, wie man sich hinter seine Bevölkerung stellt.
    Einen großen Dank an alle Beteiligten, welche sich mit viel Engagement gegen die Öffnung eingesetzt haben.
    Allen Bürgerinnen und Bürgern kann man damit getrost ruhige und besinnliche Weihnachtstage wünschen.

  2. Mit dieser Entscheidung wurde ein durch die Stadträte gegebenes Versprechen an die Anwohner der Barlachstraße und des Gärtnerweges (ebenfalls Bevölkerung von Taucha) gebrochen. Die Verkehrsflüsse sollten mit der Öffnung der Klebendorfer Strasse und einer Einbahnstraßenregelung gerechter aufgeteilt werden.

  3. @Frau Haupt: Was ist gerechter als der Schutz der Kinder? Der Gärtnerweg wird schon seit jeher als Durchgangsstraße genutzt, dies war auch bei der Erschließung des neuen Wohngebiet bekannt. Es wurde schlicht und ergreifend versäumt neben der Aufstellung des B-Plans für das Wohngebiet auch entsprechende Infrastrukturmaßnahmen zu ergreifen. Dieses Versäumnis nun auf den Rücken anderer zu stellen hat absolut nichts mit gerechter Verteilung zu tun. Und genau das hat der Stadtrat erkannt.

  4. Wenn Stadträte und Bürgermeister den Anwohnern von Barlachstrasse und Gärtnerweg vor einer Wahl ein Versprechen geben zur Prüfung von Varianten der Verkehrsführung inklusive Messungen von Verkehrsaufkommen und Geschwindigkeit und diese Versprechen nicht einhalten, fühlen sich die Anwohner betrogen.

    Im Übrigen wurde die Klebendorfer Straße erst im Zuge des B-Planes für das Gewerbegebiet für den Autoverkehr zur Sackgasse und am westlichen Ende „geschlossen“.
    Der Gärtnerweg war zu diesem Zeitpunkt noch nicht einmal vollständig asphaltiert. Der Ausbau zu einer Durchgangsstrasse ohne Fußweg (zum Schutz der Kinder) erfolgte erst vor 5 Jahren.

    • Korrekt und danke für die Aufklärung Frau Haupt!

      Übrigens Herr Werner, im Gärtnerweg und anschließendem Ring Ernst Barlach Straße wohnen auch Kinder!
      Es ging um einen Feldversuch…nicht mehr und nicht weniger.
      Das Versagen bezüglich einer Ortsumgehung der B87, besteht sicherlich seit mehr als 10Jahren (was auch zum Teil mehrerer Bürger-Begehren geschuldet ist)
      So sieht eben jeder nur seinen Bereich!
      Die Klebendorfer Str. hatte hier am Ende eben die besseren… Karten ;)

  5. Das ständige Wiederholen von Halbwahrheiten führt nicht dazu, dass der Wahrheitsgehalt größer wird. Frau Haupt hat den Sachverhalt korrekt dargestellt, es liegen auch die entsprechenden Unterlagen vor.
    Die Diskussion bezieht sich ausschließlich auf den Bereich zwischen Max-Klinger-Strasse und Otto-Schmidt-Strasse. De Verkehr im vorderen Teil der Klebendorfer Straße wird fast nicht beeinflusst. Der rollt schon heute zum großen Teil über Klinger-und Barlachstraße sowie Gärtnerweg. Bedeutet: Für Schule und Kindergarten ergeben sich keine marginalen Änderungen
    Im übrigen geht es neben dem Schutz von Kindern auch um Senioren und Menschen mit Handicap – Gärtnerweg und Barlachstrasse haben keinen Fußweg. Man kommt im Berufsverkehr kaum über die Strasse. Und Taucha als „Ökologische Modellstadt Sachsens“ (!) ist natürlich auch in der Verantwortung etwas gegen die Häufung von CO2 + Feinstaubbelastung + Lärm . . .zu tun.
    Selbst ein ergebnisoffener Feldversuch wurde nun abgelehnt, ein echtes Armutszeugnis !

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