Der Stadtrat Taucha hat am 8. Oktober dem Verkauf des Herrenhauses zugestimmt. Investor ist ein Leipziger Unternehmer, der das in Teilen über 470 Jahre alte Gebäude zu einer Pension umbauen will.

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Das Herrenhaus auf dem Areal des Rittergutsschlosses Taucha ist in einem schlimmen Zustand. Innen nagt der Hausschwamm am Gemäuer. Dach, Fenster und Fassade sind dringend reparaturbedürftig. Zusätzlich beschädigen Bäume und Büsche die Gebäudestruktur. Bis in die 90er Jahre wurde es noch als Wohnhaus genutzt, seither wurde es dem Verfall überlassen und lediglich in den Jahren 2000 und 2001 baulich gesichert. Im Juli startete die Stadtverwaltung eine Ausschreibung (wir berichteten), die Ende August endete. Innerhalb dieser Frist hätten laut Kämmerer Marcus Rietig zwar diverse Gespräche und auch Besichtigungen stattgefunden. Letztlich gab es aber nur ein Angebot. Diesem stimmte der Stadtrat am 8. Oktober zu. Das Herrenhaus wechselt nun für 60.500 Euro den Besitzer. Gestern war der Notartermin – der Kauf ist damit rechtskräftig.

Käufer ist Hubert Beyer aus Leipzig. Der Unternehmer ist Inhaber eines Ingenieurbüros, das mit der Stadtverwaltung bereits seit längerer Zeit gut zusammenarbeite, wie Bürgermeister Tobias Meier sagt. Laut Hubert Beyer habe sein Büro unter anderem den Erweiterungsbau der Kita St.
Moritz sowie die Seniorenwohnanlage des DRK am Markt geplant. Für den Landkreis Nordsachsen war das Ingenieurbüro zudem beim Neubau des Hauses 2 des Geschwister-Scholl-Gymnasiums als Planungsbüro zuständig. Gekauft habe Beyer das Herrenhaus aber als Privatmann, wie er sagt.

Mit dem historischen Gemäuer hat der 60-Jährige nun einiges vor: Zuerst solle es „freigestellt“ werden, wie er sagt: Die Büsche und Bäume an, vor und neben dem Haus tun der Bausubstanz nicht gut, die müssen wir entfernen, um überhaupt später auch an die Fassade zu kommen“, erklärt Hubert Beyer. Herzstück des Herrenhauses wird eine Pension nach dem Vorbild der Bett+Bike-Unterkünfte. Hierbei handelt es sich um einen vom Allgemeinen Deutschen Fahrrad-Club (ADFC) entwickelten Standard, der gewisse Qualitätskriterien für fahrradfreundliche Unterkünfte vorschreibt. „Im Herrenhaus sind sieben Doppelzimmer geplant“, sagt Hubert Beyer. Auch ein Frühstücksraum mit Kücheneinrichtung werde entstehen. Im Erdgeschoss soll es Platz für Gewerbe geben. „Wir suchen einen Betreiber. Im Notfall werde ich die Pension selbst betreiben“, so Beyer. Vorher müsse es aber erst mal eine Bestandsaufnahme und viele Gespräche mit dem Denkmalschutz geben, um eine Genehmigungsplanung aufstellen zu können. Die äußere Anmutung des Hauses solle erhalten bleiben.

Mit dem Kauf und Umbau des Herrenhauses muss der Förderverein des Rittergutsschlosses Taucha e.V. in Haus 1 des Areals umziehen. Und auch das Rittergutsmuseum, das bislang im Bergkeller des Herrenhauses untergebracht ist, soll innerhalb des Schlosses ein neues Domizil bekommen. Jürgen Ullrich, Vorsitzender des Fördervereins ist vom Vorhaben des Investors begeistert: „Das Angebot ist gelungen, die wesentlichen Punkte Erhalt und Nutzung werden erfüllt und insgesamt passt es zum Areal. Eine Fahrradpension ist etwas, das gut zur Stadt und zum Landkreis passt. Im Gewerberaum könnte ein Künstleratelier entstehen“, sagt er. Der Verein habe ein ökologisches Konzept erarbeitet, das auch die Vermarktung einheimischer Produkte innerhalb der Pension vorsehe. „Ich wünsche gutes Gelingen, eine zügige Umsetzung und ein gutes Miteinander“, so Ullrich.

Und auch Bürgermeister Tobias Meier ist überzeugt, mit Hubert Beyer den Richtigen gefunden zu haben: „Wir haben großes Vertrauen in den Investor und sind guten Mutes, dass das Herrenhaus damit auf dem richtigen Weg ist.“

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Veröffentlicht am 28. Oktober 2020 um 10:03 Uhr.
Letzte Bearbeitung: 28. Oktober 2020 um 10:04 Uhr.
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Daniel Große ist Herausgeber von Taucha kompakt. Er arbeitet seit 2001 als freier Journalist und berichtet hier zu allen Themen, die Taucha bewegen. Infrastruktur, Blaulicht-Meldungen, Veranstaltungen, Neues aus dem Rathaus und vieles mehr veröffentlicht er hier. Schnell, kompakt und verständlich.
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