Foto: MartinHolzer auf Pixabay

Der Stadtrat Taucha hat gestern die aktualisierte Polizeiverordnung beschlossen, die ab 2. Oktober gültig wird. Darin festgeschrieben ist wie bereits vorab gemeldet ein genereller Leinenzwang für Hunde. Außerdem neu: festgelegte Zeiten für lärmintensive Arbeiten und ein Rauchverbot auf Spielplätzen.

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Seitdem Taucha kompakt am Mittwoch über die vom Stadtrat zu befassenden Beschlüsse berichtet hat, herrscht Verwunderung in den sozialen Netzwerken. Der Grund: Weil die Polizeiverordnung einen generellen Leinenzwang vorsieht, muss die Stadt Taucha mindestens drei so genannte Freilaufflächen für Hunde ausweisen. Eine davon soll die ehemalige Festwiese Dewitz gegenüber der Kita Dewitzer Spatzennest sein. Dort stehen allerdings seit kurzem zwei Fußballtore, gesponsert von Stadtrat Jens Barthelmes (Unabhängige Wähler). Jetzt ist klar: „Die Tore können natürlich stehen bleiben. Wir trennen den Bolzplatz und die Hundewiese baulich mit einem Rollzaun ab“, teilte Jens Rühling, Fachbereichsleiter Ordnung und Soziales in der gestrigen Stadtratssitzung mit.

Die Fußballtore auf der Festwiese Dewitz
Die Fußballtore auf der Festwiese Dewitz

Die Festwiese Dewitz bleibe solange eine Freilauffläche, bis eine oder mehrere weitere geeignetere Flächen gefunden werden, so Bürgermeister Tobias Meier. Konkret lautet der gestern beschlossene Absatz zur Leinenpflicht:

Hunde müssen auf öffentlichen Straßen im Sinne dieser Polizeiverordnung sowie in öffentlichen Grün- und Erholungsanlagen, sofern diese nicht als Freilaufflächen ausgewiesen sind, zum Schutz von Menschen und Tieren stets von einer geeigneten Person an der Leine geführt oder dürfen nur mit Leine gesichert am Ort belassen werden. Von dieser Regelung ausgenommen sind Blindenführhunde, Assistenzhunde, Diensthunde im polizeilichen Einsatz, Hütehunde während der Schafweidehaltung sowie Jagdhunde im Einsatz. Die Freilauffflächen/Hundewiesen sind entsprechend der Anlage 1 Bestandteil dieser Polizeiverordnung.

Zudem sei es verboten, öffentlich zugängliche Spiel- und Sportplätze mit Hunden zu betreten oder diese dorthin laufen zu lassen. Auch darum ist es nun erforderlich, dass der Bolzplatz auf der Dewitzer Festwiese mit einem Zaun von der Hundewiese getrennt wird. Die Polizeiverordnung sorgt also direkt für zusätzliche Kosten. Angesichts dieses Umstandes scheint die Wahl der Festwiese als Hundefreilauffläche erneut ungeeignet.

Ebenso sollen Hunde im öffentlichen Raum nicht ohne geeignete Aufsichtsperson umherlaufen. Bei Menschenansammlungen ab 200 Personen haben Hunde einen Maulkorb zu tragen.

Die zwei anderen Freilaufflächen befinden sich an der Glockentiefe auf der Seite des Parthe-Umfluters

sowie hinter dem Sport- und Freizeitzentrum.

Lärmschutz

Neuregelungen gibt es auch hinsichtlich des Lärmschutzes. Wie vorab berichtet, übernimmt die Stadtverwaltung hier die Vorschriften des Bundes-Immissionsschutzgesetzes sowie der 32. Verordnung zur Durchführung des Bundes-Immissionsschutzgesetzes (Geräte- und Maschinenverordnung). Demzufolge dürfen lärmerzeugende Haus- und Gartenarbeiten nichtgewerblicher Art werktags nur von 7 bis 13 und 15 bis 20 Uhr durchgeführt werden. Freischneider, Grastrimmer, Graskantenschneider, Laubbläser und Laubsammler dürfen werktags nur von 10 bis 13 Uhr sowie 15 bis 17 Uhr benutzt werden. Wohlgemerkt auch hier nichtgewerblich. Hausmeisterdienste und andere Unternehmen dürfen also auch weiterhin in den Morgenstunden den Laubbläser zum Einsatz bringen.

Dazu wird deutlich die Einwurfzeit von Altglas in die entsprechenden Behälter von 7 bis 13 und von 15 bis 20 Uhr hingewiesen. Ordnungsamts-Chef Jens Rühling bezeichnete die Regelungen in der Stadtratssitzung als „faktische Einführung einer Mittagsruhe von 13 bis 15 Uhr“, die von vielen Bürgern immer wieder gewünscht worden sei.

Spielplätze

Festgeschrieben sind in der neuen Polizeiverordnung auch Regelungen zur Nutzung von Spielplätzen. So ist eine Nutzung zwischen 22 und 6 Uhr verboten. Zudem besteht ein generelles Rauchverbot auf öffentlichen Spielplätzen.

Zudem wurden einige Änderungen in Bezug auf die Höhe von Hecken, anderen Anpflanzungen und Einfriedungen im Bereich der Sichtdreiecke von einmündenden Straßen eingearbeitet: Eine Höhe von 80 Zentimetern ab Oberkante der Verkehrsfläche darf nicht überschritten werden. Als Sichtdreieck gelte der Bereich, der nötig ist, die Sicherheit und Leichtigkeit des Verkehrs zu gewährleisten.

Auch der neue Trinkbrunnen auf dem Markt hat Einzug in die Polizeiverordnung gehalten. Nun steht festgeschrieben, was ohnehin jedem klar sein sollte: Die Verunreinigung von Springbrunnen und Trinkbrunnen ist untersagt. Und die Entnahme von Wasser aus Trinkbrunnen ist nur in Mengen zum sofortigen Verzehr geeignet. Die Entnahme zur Nutzung im Haushalt oder Gewerbebetrieben ist verboten.

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(3 mal heute gelesen)
Veröffentlicht am 11. September 2020 um 13:08 Uhr.
Letzte Bearbeitung: 11. September 2020 um 16:22 Uhr.

7 Kommentare

  1. Na da ist ja alles geklärt…..
    eine weitere Gängelung freier Bürger.
    Natürlich mache ich keinen Krach, wenn es nicht sein muß, aber: Nehme ich den Laubbläser im Auftrag meiner Frau und sie unterschreibt einen Auftrag, dann darf ich den ganzen Tag….. wenn ich das aber privat mache (damit sie sich freut), dann nur zu den angegebenen Zeiten….? Wann darf ich dann einen Betonmischer betreiben? Dieser ist nun expliziert nicht aufgeführt…
    Wie kann ich auch erkennen, das ich in einer Veranstaltung größer 200 Menschen*:_innen (kleiner Genderscherz..) da sind und ich meinem Hund einen Maulkorb umlegen muß? Ein Malteser wiegt, zum Beispiel, 4 bis 5 Kilo, wie erkläre ich diesem Angsthasen, das er nun gefährlich sein sollte und einen Maulkorb braucht.
    Generelle Leinenpflicht ist völliger Unsinn: Verantwortungsvolle Tierhalter wissen ganz genau, wann sie ihren Hund frei laufen lassen können und wann nicht. Die würden niemals ihren Hund und auch den Menschen irgendwelchen Gefahren aussetzen. Alle machen auf „grün und Tier wohl“, können aber nicht einmal bis vor ihre eigene Türe denken.
    Wir haben selbst einen Hund, uns sind aber die „Städter aus Leipzig“ mit ihren frei laufenden Hunden hier in Tauch und Plösitz noch nie aufgefallen. Abgesehen scheißen die auch an der Leine, falls das die Intuition unserer Stadträte war. Und wer das bis jetzt nicht weg macht, das macht der auch mit Leinenzwang nicht.

    Ist zu erfahren, welche Stadträte nichts besseres zu tun haben…?

    Obwohl, eigentlich bin ich ganz froh: Wenn das unsere ganzen Probleme in Taucha und Umgebung sein sollten, dann war das eben von mir Jammern im höchsten Niveau…
    Wie immer MfG Mike Hartmann

  2. Dem Kommentar kann ich mich nur voll und ganz anschließen.
    Für einen Arbeitstätigen der erst nach 17.00 Uhr nach Hause kommt eine schöne Sache.
    MfG Heiko Schwerdt

  3. Als Begründung für die Leinenpflicht lesen wir:
    Eindämmung des Hundetourismus aus Leipzig und Anpassung an die Leipziger Hundeverordnung:
    Das überzeugt uns total.Wir ärgern uns schon länger über die unzähligen Reisebusse,aus denen Unmassen von
    Hundeführern mit unübersehbaren Hunderudeln quellen und die Tauchaer Fluren verwüsten.
    Auch wurde es endlich Zeit,Leipziger Maßstäbe auch auf Taucha anzuwenden,Schließlich gibt es ja kaum Unterschiede in den urbanen Strukturen,mal von dem etwas geringeren Trubel auf unserem Markt abgesehen,

    Geht’s noch?
    Diese Begründungen gehen vielleicht als miese Satire oder schlechter Faschingsscherz durch.Als Hundebesitzer,die seit 12 Jahren praktisch jeden Tag 3-4 mal in und um Taucha konfliktfrei unterwegs sind,fühlen wir uns durch diese Begründungen regelrecht veralbert.Sie sind provinziell und kleinkariert vermutlich vorgeschoben.
    Besonders toll finden wir die 200-Leute-Maulkorbregel.Wer denkt sich so etwas aus?
    Wenn es echte Probleme,gefährliche Begegnungen oder gar Verletzungen von Menschen durch Hunde gegeben hätte,wäre wir offen für vernünftige Lösungen.Aber wo sind diese Vorfälle?
    Und was die schlampigen Hundebesitzer angeht,die den Kot ihrer Tiere nicht beseitigen und über die wir uns ständig ärgern,,hier ein Vorschlag:
    Von den zumindest fünfstelligen Hundesteuereinnahmen kann die Stadtverwaltung gut und gerne eine
    Kontrollkraft zeitweise bezahlen,die sich an den einschlägigen Hotspots auf die Lauer legt und die „Sünder“ordentlich abstraft.Vielleicht auch die Reittouristen aus Leipzig,deren Pferde völlig ungehemmt u.a.alle Wege um den Staditzwald zuscheissen,nicht nur die Reitwege.
    Abschließend noch unsere Hoffnung,daß Leipzig nicht wegen der Diskreminierung seiner Hundebesitzer durch Taucha zu Gegenmaßnahmen gegen den Tauchaer Arbeits-,Bildungs-,Kultur-,Sport-,Medizin- ,Einkaufs- uva.-tourismus nach Leipzig greift.Aber so kleinkariert werden die dort wohl nicht sein.

  4. zur Hundewiese Dewitz ,da reicht kein Zaun da muß ein Sischtschutz gebaut werden .
    weil rennete Kinder und rollente Bälle für Hunde ein großer reitz ist .
    Wer das beschlossen hat hantel grob fahrlässig.

  5. Irgendwie finde ich es spannend, wie realitätsfremd am Mitglied des Staates / der Stadt vorbei regiert wird. Echte wichtige Themen werden nicht angegangen. Die fast tägliche Ruhestörung in der Otto-Schmidt-Straße und Wohngebiet interessiert die Stadt Taucha nicht. Es werden lieber nach 20 Uhr Knöllchen im ruhenden Verkehr verteilt. Auch das rücksichtlose Verhalten der Autofahrer mit überhöhter Geschwindigkeit (100 km/h und höher) interessiert nicht. Warum steht das Ordnungsamt nicht an wichtigen Punkten in Taucha, nach 20 Uhr? Wie kann es zu Diebstählen am Bahnhof kommen, am Tag? Wie kann es zu Vandalismus im Parkt und an der Endhaltestelle kommen?

  6. @Herrn Teichert,
    Aber die Frage ist doch, wieso solcher Unsinn beschlossen werden kann und wie wir uns dagegen wehren können.
    Ich und auch (fast) alle Bürger von Taucha und den angeschlossenen Dörfern sind selbst in der Lage für sich, ihre Hunde und Nachbarn selbst zu denken, auf diese Rücksicht zu nehmen bzw. Vorsicht walten zu lassen. Wenn sich zwei daneben benehmen drangsaliere ich den Rest? Das geht so nicht meine Stadträte !
    Die nächste Frage wäre nun: Welcher Stadtrat kommt auf diesen Unsinn, bringt es als Vorlage und wer stimmt dem dann zu?
    Ich habe leider keine Ahnung von Kommunalpolitik, aber vielleicht liest jemand diesen Beitrag und kann sich einbringen….
    Ansonsten hat vielleicht jemand Aufnahmen von den Reisebussen aus Leipzig mit den hunderten oder tausenden Hunden, die uns täglich heimsuchen. Gern auch Belege für die Opfer kontrolliert „frei laufender“ Hunde, die angefallen und verletzt werden.
    Oder gibt es Gegenden wo ständig von 7.00 – 20.00 Uhr das ganze Jahr der Laubsauger, die Heckenschere oder sonst was „privat“ im Einsatz ist. Wenn, dann ist das ein spezielles Problem und sollte auch so behandelt werden.

    Sehr geehrter Herr Große, natürlich auch alle Leser,
    können Sie da nicht auch vielleicht Licht in das Dunkel bringen?
    – Woher kommt die Vorlage?
    – Was war die Motivation für diesen Antrag bzw. für diese Entscheidungen?
    – Wer stimmt dem zu?

    So können wir alle uns politisch bilden und auch demokratische Teilhabe erleben.

    Natürlich danke ich allen unseren Stadträten trotzdem noch einmal für Ihren großen Beitrag für eine schöne und sichere Stadt Taucha. Nachdem alles geschaft wurde und jedes Problem gelöst zu seinen scheint, ist es nun wirklich an der Zeit, den Bürger wie kleines Kind an die Hand zu nehmen und ihm zu sagen,,wann er wie seinen Hund auszuführen hat und wann er wie lange sein Werkzeug auf eigenem Grund zu bedienen hat. Ich freue mich auf meinen persönlichen Seelsorger (m/w/d, nicht das ich diskriminiere) vom Ordnungsamt, der mit mir gemeinsam (in einfacher Sprache) mein Werkzeug beschriftet, damit ich nichts falsch mache.
    Wie immer
    Mit freundlichen Grüßen Mike Hartmann

    • Zu Ihren Fragen: Die Polizeiverordnung war zehn Jahre alt und musste neu beschlossen werden. In dem Zuge schaute sich die Stadtverwaltung einige Punkte an und brachte Taucha-spezifische Punkte rein. Beim Thema Lärm orientierte man sich am Bundes-Immissionsschutzgesetz und übernahm die Vorgaben, die dort ohnehin schon drin stehen und bereits für alle Bürger gelten. Jetzt stehen sie eben auch in er Polizeiverordnung, damit es für die Tauchaer noch mal transparent wird. Die neue Verordnung ist wieder 10 Jahre gültig. Beschlossen wurde sie vom Stadtrat, vorher wurden Details im Verwaltungsausschuss besprochen.

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