Um das kleine Stück Weg im hinteren Bereich des Bildes geht es: Noch ist dies eine Sackgasse, schon bald soll sie geöffnet werden.

Auf der Stadtratssitzung am vergangenen Donnerstag kam in der Bürgerfragestunde ein Thema auf die Tagesordnung, das bislang nicht bekannt war: Im Graßdorfer Wäldchen soll eine Sackgasse geöffnet werden und eine Verbindung zu einer anderen Straße hergestellt werden. Anwohner wundern sich, warum dies nötig sei, die Stadt argumentiert aber mit einem 25 Jahre alten Bebauungsplan.

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Gleich zu Beginn der Stadtratssitzung vom 12. November wurde in der Bürgerfragestunde ein sehr interessantes Thema angesprochen: Die Familie Schmidt aus dem Wohngebiet Graßdorfer Wäldchen wollte wissen, warum es seitens der Stadtverwaltung geplant sei, den Birkenweg in Richtung Lärchenweg / Graßdorfer Straße zu öffnen. „Die Eigentümer/Mieter des Birkenweges, mit denen wir über diese geplante Maßnahme gesprochen haben, haben sich uns gegenüber geäußert, dass sie ihre Häuser unter anderem unter der Prämisse erworben haben, dass hier eine Sackgasse und keine Durchgangsstraße ist. Sie zeigten sich sehr verwundert und verärgert über diese geplante Öffnung als Durchgangsstraße – nach so vielen Jahren. Sie wünschen definitiv keine Öffnung der Sackgasse. Der Birkenweg ist sehr schmal, hat keinen Fußweg und wird sehr gern von den Kindern der Anwohner als Spielfläche genutzt“, argumentierte die Familie in ihrer schriftlichen eingereichten Bürgerfrage. Generell ging es darum, warum die Stadtverwaltung die Zusammenlegung der Wohngebiete über den Birkenweg anstrebe, obwohl doch niemand darum gebeten habe.

Blick vom Birkenweg in Richtung Graßdorfer Straße / Lärchenweg.

Wohngebiete sollten schon immer verbunden werden

Marco Haferburg, Leiter des Bauhofes verlas eine recht lange Antwort und begründete das Vorhaben unter anderem damit, dass ein Anfahren und Verlassen des Wohngebietes derzeit mit einem mehr als 500 Meter langen Weg einhergeht, was zulasten aller Anwohner geschehe. Zudem sei die Zusammenlegung beider Wohngebiete planungsrechtlich vorgesehen. Das stimmt: Im Vorhaben- und Erschließungsplan zum Allgemeinen Wohngebiet Graßdorfer Wäldchen II „Wohnpark Parthenaue“ aus dem Jahr 1995 ist der Birkenweg – damals noch als „Planstraße E“ bezeichnet – als Straßenverkehrsfläche ausgewiesen. Offenbar wurde dies irgendwann vergessen.

Auslöser für die jetzige Prüfung der Stadtverwaltung waren Beschwerden von Anwohnern über kaputte und fehlende Poller am Ende der Sackgasse Birkenweg. „Daraufhin ist das Ganze erst mal in Bewegung geraten und wir haben nachgesehen, warum da überhaupt Poller stehen“, erklärt Bauamtsleiter Helge Zacharias. Also wurde in den Bebauungsplan geschaut und festgestellt, dass offenbar nach Fertigstellung des „Graßdorfer Wäldchens II“ vergessen wurde, den Anschluss an das „Graßdorfer Wäldchen I“ herzustellen. Nach etwa 25 Jahren soll dies nun nachgeholt werden.



Die blaue Linie markiert den Bereich, der jetzt geöffnet werden soll. Die rote Linie ist der aktuell zu fahrende Umweg, der dann für einige Anwohner wegfallen würde.

Unter dem Beitrag auf Taucha kompakt kommentierten zwei weitere Anwohner, die ebenso nicht verstehen konnten, warum die Öffnung der Sackgasse momentan als Priorität angesehen wird. Einer von ihnen ist Thomas Walda-Staudenmaier. „Ich fände es besser, wenn die Zu- und Abfahrten überschaubar bleiben. Wir haben im Wohngebiet immer wieder mit Kellereinbrüchen zu tun. Je mehr Wege geschaffen werden, desto unübersichtlicher wird die Situation für die Anwohner. Ich kann auch nicht nachvollziehen, warum es eine übermäßige Belastung für Autofahrer sein soll, den Umweg zu fahren. Ich glaube, es gibt wichtigeres in Taucha zu tun“, sagt er auf telefonische Nachfrage.

Spielstraße wird auf gesamtes Wohngebiet ausgeweitet

Allerdings: Die Angelegenheit ist beschlossen und bereits fest eingeplant. Nach einer Analyse von Verkehrspolizei, Straßenverkehrsamt und Stadtverwaltung wurde festgestellt, dass sich „mit der Öffnung des Birkenweges die Verkehrssituation vor allem für die Anwohner Am Graßdorfer Wäldchen, Buchenweg und Eichenweg erheblich günstiger gestalten wird. Notwendige Fahrstrecken innerhalb des Wohngebietes werden verkürzt und erhöhen somit für den überwiegenden Teil der Bewohner die Wohnqualität“, steht in der Antwort auf die Bürgerfrage zu lesen.

Und noch ein Detail sei laut Marco Haferburg wichtig: „Die verkehrsrechtliche Überprüfung hat zudem ergeben, dass eine unterschiedliche Bewertung als Zone 30 im nördlichen Teil und als verkehrsberuhigte Zone (Spielstraße) im südlichen Teil aufgrund der gleichen Verkehrssituation nicht gerechtfertigt ist. Mit Öffnung des Birkenweges wird auch der südliche Teil als verkehrsberuhigter Bereich ausgewiesen und wird somit zu einer weiteren Verbesserung der Wohnqualität führen.“ Heißt: Bereits ab der Einfahrt von der Graßdorfer Straße in Richtung Birkenweg/Lärchenweg ist das gesamte Wohngebiet künftig eine Spielstraße. Somit hätte das Vorhaben eine deutlich positive Wirkung für das gesamte Wohngebiet und es würden die Gründe zum Vorteil des Gemeinwohls überliegen“, heißt es in der Antwort auf die eingereichte Bürgerfrage.

Bauarbeiten bereits in Kalenderwoche 49

In Angriff genommen werden soll die Öffnung der jetzigen Sackgasse im Birkenweg bereits in der übernächsten Woche. „Wir nehmen die vorhandene Deckschicht auf, setzen Borden und asphaltieren neu“, so Haferburg. Die Kosten dafür belaufen sich auf rund 12.000 Euro und werden aus dem frei verfügbaren Bauhof-Budget des Haushalts entnommen. Nach Umsetzung der Maßnahme sollen gegebenenfalls auftretende Defizite in der Stellplatzsituation durch zusätzliche Markierungen im südlichen Bereich aufgehoben werden.

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(16 mal heute gelesen)
Veröffentlicht am 17. November 2020 um 18:49 Uhr.
Letzte Bearbeitung: 17. November 2020 um 21:46 Uhr.

2 Kommentare

  1. Des einen Freud, ist des anderen Leid!
    Wenn sich die Menschen (PKWs wie auch Fahrradfahrer) an die vorgeschriebene Geschwindigkeit gemäß verkehrsberuhigte Zone halten würden, wären wir mit der Vernunft einen Schritt weiter. – Da aber Kontrollen durch die Stadt Taucha und die Polizeibehörden nicht stattfinden, gibt es eine große Zahl Menschen, die mit Verstand auf der Straße unterwegs sind und leider immer noch eine große Anzahl von Idioten, die lieber fünf Minuten eher aufstehen sollten, um dann immer noch pünktlich zur Arbeit erscheinen zu können. Dazu zähle ich gleich die Fahrradfahrer hinzu, die gerade jetzt bei Dunkelheit ohne Licht auf den Straßen unterwegs sind …
    Für einige Anwohner wird es sicherlich zu einer Mehrbelastung führen. Für eine Großzahl Verkehrsteilnehmer verkürzen sich dadurch Wege, wenn diese in Richtung Seegeritz nicht mehr über die gefährliche(n) Kreuzungssituation(en) für Linksabbieger Matthias-Erzberger-Straße und Graßdorfer Straße führen.
    Allerdings sollte hier trotz der verringerten Geschwindigkeit dringend (!!!) geklärt werden, wer hier von welcher Seite her die Vorfahrt zu gewähren hat. Einfach auf gegenseitige Rücksichtsnahme zu setzen ist ein völlig falscher Ansatz, besonders unter Berücksichtigung von Fußgängern und (wild) spielenden Kindern. Da entsteht sofort die Haftungsfrage! – Auch eine Einbahnstraßenreglung als Abfluss vom Graßdorfer Wäldchen wäre vielleicht einmal zu überdenken, bevor hier die Stadt die Verkehrssituation falsch einschätzt und es daraus zu Personenschäden kommt.
    Aber das ist wieder einmal typisch für die Stadtverwaltung von Taucha. Wir machen einfach mal, ohne irgendwie die Bürger mit einzubeziehen. – Das ist mit der Fehlentscheidung zum Bahnübergang Gerichtsweg geschehen und betrifft weiterhin das Halteverbot auf der Matthias-Erzberger-Straße (die Post ausgenommen, die stehen dort auch gleich Mal im unübersichtlichen Kurvenbereich …). – Vielleicht denken die Verantwortlichen mal die ganze Situation bis zum Ende durch. Allein mit „Wir schaffen das.“ ist es irgendwann einmal nicht mehr getan.
    *** Erst Denken, dann Lenken! ***
    Schaun wir mal, ob jemand von der Stadt Taucha auf meine Gedanken eingeht und mit wieviel Verstand die Anwohner auf die neue Situation reagieren.
    Schönen Tag noch!

    • Kleine Anmerkung, auch wenn ich nicht die Stadtverwaltung bin: Mit dem Hinweis zum Bahnübergang Gerichtsweg tun Sie der Verwaltung tatsächlich Unrecht. Das ist der Entscheidung der Bahn zu verdanken. Die Stadt hat mehrfach vehement dagegen gehalten und immer wieder gefordert, den Bahnübergang zu erhalten, gerade als Querverbindung, auch um die B87 zu umgehen. Hat die Bahn leider nicht interessiert. Einen Klageweg hat die Stadtverwaltung nicht beschritten, weil die Erfolgsaussichten sehr gering waren.

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