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Seit Sommer 2018 soll in Taucha eigentlich ein vietnamesischer Tempel stehen. Die Materialien dafür lagern neben dem Tauchaer Bahnhofsgebäude und in einem weiteren Lager. Probleme mit den Visa der Spezialisten aus Vietnam, die den Tempel aufbauen sollten, verhinderten bislang die Verwirklichung des Projekts. Dann kam Corona. Taucha kompakt wollte von Bauherr Quang Vinh Dao, dem Vorsitzenden des Deutsch-Vietnamesischen Kulturvereins, wissen, wie es um das Bauvorhaben steht.

Das Projekt ist einmalig für Europa. In Taucha soll mit dem so genannten Chân Tịnh Thiền Viện Tempel ein Bauwerk ganz aus Holz entstehen. Montiert werden soll es komplett ohne Nägel und Schrauben. Eine Bauzeichnung oder Aufbauanleitung gibt es nicht, die Spezialisten aus Hanoi haben den Bauplan im Kopf. Zwei Jahre lang haben etwa 60 Männer den Tempel geplant, gebaut und wieder zerlegt, um die Bauteile aus Lärchenholz schließlich per Schiff nach Deutschland und Taucha zu bringen. Das war im Frühjahr 2018. Aufgebaut werden sollte der Tempel, der rund 1,5 Millionen Euro kostet und dessen Finanzierung einzig aus Spenden realisiert wurde, im Sommer 2018. Das Projekt hätte sehr gut zum Umbau des Bahnhofs, der Errichtung des Trogbaus und den sanierten Häusern in der Weststraße gepasst. Passiert ist allerdings bislang nichts.

Quang Vinh Dao
„Das eigentliche Problem von damals besteht leider immer noch“, sagt Quang Vinh Dao und erinnert daran, dass die Visa für die Arbeiter noch immer ausstehen. „Wir brauchen eine Sonderentscheidung des Gerichts“, sagt Quang Vinh Dao. Der 56-jährige wohnt seit vielen Jahren in Taucha. Sein größter Wunsch ist es, mit dem Tempel hier einerseits eine religiöse Anlaufstelle für die vietnamesischen Buddhisten der Region und Deutschlands zu haben. Andererseits sollen vor allem Europäer den Tempel besuchen können. „Wir wollen ihnen die Kultur Vietnams näher bringen“, so Dao.

„Er ist nach traditionellem Vorbild gebaut, aber genau so gibt es ihn noch nicht.“
Quang Vin Dao

Seit 2019 sei er in einem sehr intensiven Austausch mit der Deutschen Botschaft in Vietnam, um die Formalitäten zu klären. Hindernis bislang: Die Botschaft wollte einen Nachweis über die Qualifikation der etwa zehn Facharbeiter. „Die gibt es aber nicht, weil die Tätigkeit der Männer kein Lehrberuf ist. Es gibt keine Schule dafür, entsprechend auch keine Prüfung oder einen Meistertitel. Vielmehr werden die Fertigkeiten von Generation zu Generation weitergegeben“, sagt Quang Vinh Dao.

Auch sein Anwalt Ralf-Uwe Stolarski sagt: „Die Arbeiter beginnen meist mit 14 ihre Lehre. Es ist für Deutsche schwer vorstellbar, dass sie mit 25 schon elf Jahre Berufserfahrung hinter sich haben und entsprechend qualifiziert sind“, sagt der Leipziger. Schwerwiegender ist aber die Corona-Krise. „Erst war Vietnam ein Hochinzidenzgebiet, dann Deutschland. Wer heute nach Vietnam einreist, muss drei Wochen in Quarantäne und wird faktisch eingesperrt, darf auch nicht arbeiten. Das will und kann von den Arbeitern natürlich niemand. Darum ist leider im gesamten Projekt nach wie vor Stillstand“, so Stolarski.

Im September wolle Quang Vinh Dao erneut nach Hanoi, um die rechtlichen Belange zu klären. „Wir hoffen natürlich auch, dass sich die Corona-Lage so entspannt, dass es im nächsten Jahr möglich sein wird, mit dem Tempelbau zu beginnen“, sagt der Anwalt.

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Wenn der Tempel errichtet wird, würden auch die Außenanlagen und vor allem das Bahnhofsgebäude in Angriff genommen. „Beides ist nicht losgelöst voneinander zu realisieren. Ich gehe davon aus, dass beide Bauwerke mit etwas zeitlichem Verzug fertig werden“, erklärt Ralf-Uwe Stolarski. Einen Termin zu nennen sei schwer – sein Wunsch wäre Ende nächstes Jahres. Tempel und Bahnhof sollen über einen Garten miteinander verbunden werden. Im Bahnhof will Dao ein veganes Restaurant etablieren. Am Tempel gearbeitet werden könne laut Quang Vinh Dao nur im Sommer. Rund zehn Männer sollen das Bauwerk errichten.

Nach Abschluss der Arbeiten soll der Chân Tịnh Thiền Viện Tempel einmalig in Europa sein. „Er ist nach traditionellem Vorbild gebaut, aber genau so gibt es ihn noch nicht“, ist Dao stolz.

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(1 mal heute gelesen)
Veröffentlicht am 22. Juni 2021 um 9:16 Uhr.
Letzte Bearbeitung: 22. Juni 2021 um 9:36 Uhr.

2 Kommentare

  1. Zum Thema „Tempel“ auf dem ehemaligen Bahnhofsgelände. Mit Aufmerksamkeit habe ich den Artikel gelesen und habe im ersten Moment gedacht, es handelt sich um einen verspäteten Bericht zum 1. April. Die Gründe zur Verzögerung des Tempelbaus erscheinen mir insgesamt recht fadenscheinig. Besonders die Aussage, dass es keine Bau- und Montagepläne gibt, da diese Pläne nur im Kopf einiger „Spezialisten“ existieren würden. Mich interessiert nun, welche Behörde hat die Baugenehmigung ohne Einsicht in Zeichnungen, Projektunterlagen, statische Berechnungsunterlagen etc. für die Errichtung dieses Tempels erteilt? Jeder Häuslebauer kennt die behördlichen Vorschriften, Anforderungen und Bedingungen ehe eine Baugenehmigung erteilt werden kann. Mit einem Plan im Kopf würde man sicherlich höflich abgewiesen werden. Übrigens, die jetzt dargelegten Probleme sollten doch eigentlich vor dem Start eines so „bedeutsamen“ Tempelprojekts geklärt worden sein.

  2. Nun ja, vielleicht war man , ob der Größe und Status des Projektes, etwas zu blauäugig in den zuständigen Behörden.
    Manchmal wird zu viel gefordert, manchmal zu wenig. Manchmal versteht man als Aussenstehender schlicht nix mehr.
    Aber, die Hoffnung stirbt zuletzt und eine internationale Hauptstadt hat ja mit einem größeren Bauwerk auch so seine Verzögerungen erlebt. Nun, nach Eröffnung fragt dann keiner mehr. Wünschen wir dem Tempel ein gleiches Schicksal.

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