Foto: René Schütze

Die Anwohner des Wohngebietes Alte Gärtnerei sind genervt. Immer wieder fahren große LKW in die schmalen Straßen und versuchen dann dort zu wenden. Die Schäden, die dabei entstehen, sind immens. Die Stadtverwaltung kennt die Situation und will Abhilfe schaffen.

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Das Problem sind wohl die Navigationssysteme mancher Brummi-Fahrer, die zum Holzhandel Ahmerkamp in Taucha oder zu anderen Unternehmen im Gewerbegebiet an der Autobahn wollen. Statt des offiziellen Weges über die Otto-Schmidt-Straße leiten die Navis die 40-Tonner offenbar über die Einfahrt zum Lidl-Markt durch die Straße Alte Gärtnerei und durch die Straße Sonnengrund. Diese Straßen sind allerdings viel zu schmal, was manche LKW-Fahrer erst bemerken, wenn es zu spät ist. Zum Wenden reicht der Platz nicht – und beim Rückwärtsfahren beschädigen die Brummis Bordsteinkanten, Schilder und Laternen.

Von einem wahren „Albtraum“ spricht Mourad Aouadi. Der Familienvater hat an der Ecke Alte Gärtnerei/Sonnengrund sein Haus gebaut. Das Grundstück ist mit einem Stabmattenzaun eingezäunt. „In den vergangenen drei Jahren wurde der Zaun etwa 20 bis 30 mal angefahren, beschädigt oder komplett zerstört. Manchmal passiert das zwei bis drei Mal täglich“, so der 46-Jährige. Trotz Verbotsschild an der Lidl-Zufahrt würden sehr viele LKW durch das kleine Wohngebiet fahren. An manchen Tagen gleiche der Zustand einem „Dauerterror“, sagt er. „Manche bleiben beim Abbiegen oder beim Rangieren hängen. Einer wollte mich sogar schon mal überfahren, weil ich vor seinem Laster stand, um ihn am Weiterfahren zu hindern“, berichtet der gebürtige Marokkaner. Seine Versicherung würde die Schäden nicht übernehmen. Erst wenn ein LKW das Haus beschädigt – was ein Zaun verhindern soll – würde er von seiner Wohngebäudeversicherung etwas bekommen. Also bleibt ihm nichts anderes übrig, als den Zaun stets auf eigene Kosten zu ersetzen.

So sieht der Zaun von Mourad Aouadi im schlimmsten Fall aus, wenn mal wieder ein LKW daran hängen bleibt. Foto: Mourad Aouadi

Viel schlimmer wiegt für Mourad Aouadi aber der Aspekt, dass er seine Kinder nicht im Garten spielen lassen kann. „Ich lebe hier eigentlich den Traum vom Eigenheim, kann ihn aber nicht leben, weil ich stets Angst haben muss, dass hier wieder ein LKW in den Zaun und vielleicht aufs Grundstück fährt“, sagt er. Und er kritisiert, dass bei den Planungen für das Wohngebiet an solche Situationen nicht gedacht wurde.

Gestern erneute Ausnahmesituation

Der letzte größere Zwischenfall mit falsch geleiteten LKW ereignete sich gestern. „Gegen 16 Uhr rief mich ein Nachbar an, dass sich hier mal wieder ein Brummi festgefahren hat“, sagt Ulf Brandt. Er hat in der Straße Alte Gärtnerei ein Haus gebaut, wohnt ebenso wie Nachbar René Schütze direkt am Wendehammer, der am Ende der Straße gebaut wurde. Selbiger ist zum Wenden für PKW oder die Müllfahrzeuge geeignet. Ein LKW mit Auflieger kann dort aber nicht wenden, ohne größeren Schaden anzurichten. So wie gestern: Zahlreiche Bordsteine sind kaputt gefahren und eine Straßenlaterne steht schief. „Die wurde schon drei Mal erneuert, nun muss also eine vierte her“, so René Schütze, der das verunglückte Wendemanöver aus seinem Homeoffice beobachtete. Die Polizei war vor Ort und zog später noch einen russisch sprechenden Kollegen hinzu, um mit dem Fahrer des LKW zu sprechen.


Gegen den LKW-Fahrer beziehungsweise das Unternehmen seines Chefs hat die Stadt Taucha nach dem Vorfall Anzeige erstattet. Generell sei das Problem im Fachbereich Bauwesen bekannt, wie dessen Leiter Helge Zacharias sagt: „Leider missachten die LKW-Fahrer permanent die Schilder. Am Lidl-Markt steht ein Verbotsschild für LKW und weiter hinten befindet sich ein Sackgassenschild.“ Dafür sollen nun Umbauten erfolgen, die auch schon angeordnet seien und in Kürze vom Bauhof erledigt würden: Zum einen soll auf dem Gehweg an der Kreuzung Sonnengrund / Alte Gärtnerei ein Poller errichtet werden, um den Wenderadius weiter einzugrenzen. Außerdem soll die Einbahnstraße im Sonnengrund gedreht werden, damit man von der Alten Gärtnerei nicht mehr zur Richard-Bogue-Straße durchfahren kann. Die Hoffnung der Verwaltung ist, dass sich dies in den Navigationsgeräten und bei Google Maps wiederfindet und der Weg durch die schmalen Straßen nicht als geeignete LKW-Route ausgegeben wird.

Großer LKW in viel zu kleiner Straße. Foto: Mourad Aouadi

Letzteres dürfte allerdings dauern. Zudem glaubt Mourad Aouadi nicht daran, dass sich die LKW-Fahrer davon beeindrucken lassen. „Die ignorieren die Schilder, die werden auch das Navi ignorieren. Ich hoffe nur, dass sich bei den Fahrern langsam mal rumspricht, dass es hier sehr eng zugeht und unsere Straße keine alternative Route darstellt. Denn so langsam verliere ich die Lust, ständig meinen Zaun zu reparieren“, sagt er.

Foto: Mourad Aouadi
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Veröffentlicht am 27. April 2021 um 19:54 Uhr.
Letzte Bearbeitung: 27. April 2021 um 19:54 Uhr.

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