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Gegen Kriminalität: Taucha will kommunalen Präventionsrat gründen

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Kriminalität reduzieren, soziales Engagement fördern, Gemeinwesen stärken und Sicherheitsgefühl verbessern. Nicht weniger als diese großen Ziele hat eine Kooperationsvereinbarung zwischen der Stadt Taucha und dem Landespräventionsrat Sachsen. Dass das Ganze kein zahnloser Papiertiger ist, davon sind die Akteure überzeugt.

Nahezu wöchentlich gibt es Meldungen über Einbrüche, Fahrrad- und Autodiebstähle oder Vandalismus jedweder Art in Taucha. Gefühlt werden die Vorfälle immer mehr und die Täter immer skrupelloser. Im Oktober vergangenen Jahres beantragte darum die SPD-Fraktion im Tauchaer Stadtrat, dass die Stadt der „Allianz Sichere Kommunen“ (ASSKomm) beitreten soll, einen kommunalen Präventionsrat mit Bürgerbeteiligung gründen und eine Sicherheitsanalyse für Taucha nebst der Ortsteile erstellen soll. Mit dem Antrag rannte die SPD bei der Stadtverwaltung offene Türen ein, wie Bürgermeister Tobias Meier sagt: „Ich bin bereits im Februar 2020 mit unserem Sachgebietsleiter Ordnung und Soziales Jens Rühling bei einer Tagung des Innenministeriums in Chemnitz gewesen. Dort wurden dann Modellkommunen in den Präventionsrat berufen und wir hatten schon damals die Absicht, der Allianz beizutreten. Der Antrag der SPD gab dann die Initialzündung, dass wir uns final darum gekümmert haben“, so Meier. Am 16. Dezember erfolgte dann die Unterschrift der Kooperationsvereinbarung. Dies teilte Tobias Meier im Rahmen der außerordentlichen Stadtratssitzung am 28. Dezember 2020 mit.

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Mit dem Beitritt in den Landespräventionsrat Sachsen sei die Alltagskriminalität nicht sofort zu stoppen, dessen ist sich Tobias Meier auch bewusst. „Natürlich ersetzt so ein eher theoretisches Mittel keine Polizisten in der Fläche. Aber: Wir bekommen kostenfrei professionelles Know-How vom Freistaat in materieller und personeller Form gestellt. Das soll für mehr Akzeptanz in der Kommune sorgen. Der Vernetzungsgedanke und mögliche finanzielle Förderung sind zudem ein Anreiz, hier mitzuwirken“, so der Bürgermeister gegenüber Taucha kompakt. In der angesprochenen Stadtratssitzung sagte Meier auch, dass die Erreichung der Ziele ein Marathonlauf und eine dauerhafte Aktion sei. Schnelle Ergebnisse erwarte niemand, aber die ASSKomm könne helfen, Potentiale aufzudecken und konkrete Maßnahmen umzusetzen.

Im ersten Schritt solle nun ein kommunaler Präventionsrat gegründet werden, dem Bürger, Ordnungsamt, Polizei und der Bürgermeister angehören werden. Aus dem Landespräventionsrat würde ein Coach beigesteuert, außerdem gebe es Informationsmaterial. Geld kostet die Stadt die Mitgliedschaft in der ASSKomm nicht. Die Verwaltung habe aber dennoch 5000 Euro in den Haushalt eingestellt, weil sich Maßnahmen entwickeln könnten, die Geld kosten. Gefördert würden solche präventiven Maßnahmen mit bis zu 90 Prozent.

Dass die ASSKomm und die Mitgliedschaft Tauchas kein zahnloser Papiertiger sind, davon ist die SPD Taucha überzeugt. Erfahrungen aus anderen Kommunen hätten beispielsweise gezeigt, dass die Bestreifung relevanter Bereiche erhöht werden kann, Gemeindevollzugsbedienstete sinnvoll koordiniert und Bürger präventiv beraten werden können oder etwa die Jugendsozialarbeit wieder angekurbelt wird. „Voraussetzung dafür ist es, dass dem Präventionsrat Mitglieder angehören, die sich wirklich engagieren und etwas bewegen wollen“, sagt Tom Richter, der für die SPD Taucha im nordsächsischen Kreisrat sitzt.

Begrüßt wurde die Mitgliedschaft in der ASSKomm von FDP-Stadtrat Jochen Möller. „Es ist höchste Eisenbahn in Taucha. Die kriminellen Handlungen machen nicht mal vor Weihnachten Halt“, sagte er in der Stadtratssitzung vom 28. Dezember. In seinem Wohnblock im Parthezentrum würden nahezu wöchentlich Einbrüche in Keller stattfinden. Auch in anderen Wohngebieten Tauchas sei das der Fall. Für ihn stelle sich die Frage, wie der Stadtrat hier mitarbeiten könne. Tobias Meier bot an, dass sich auch Stadträte einbringen könnten in die Arbeitsgruppen, die unter dem kommunalen Präventionsrat entstehen sollen. Dort wolle man laut Meier die ganze Bandbreite der Stadt vertreten haben. Das heißt also: vor allem interessierte Bürger aus verschiedenen Ortsteilen. Der Stadtrat sei vor allem aber auch dann gefragt, wenn es um die Umsetzung der Maßnahmen gehe. Die Arbeitsgruppen könnten sich bilden, wenn der kommunale Präventionsrat gebildet wurde. Das sei laut dem Bürgermeister im März/April der Fall.

SPD bittet Innenminister um Unterstützung

Die Tauchaer SPD will es aber nicht nur bei der Mitgliedschaft im Landespräventionsrat belassen. In einem offenen Brief an den sächsischen Innenminister Roland Wöller bittet der Stadtverband darum, dass sich das Innenministerium intensiv mit der Forderung auseinandersetzen solle, die Polizeistation in Taucha 24 Stunden lang zu besetzen und so eine höhere Bestreifung zu ermöglichen. Einsatzfahrzeuge, die in Leipzig oder Eilenburg starten, würden mit nicht akzeptablen Einsatzzeiten in Taucha ankommen. „Das Vertrauen in die Sicherheitsbehörde der Stadt Taucha, deren Personalbestand bereits kommunal von zwei auf fünf Bedienstete erhöht worden ist, sinkt. Dies können wir aus regelmäßigen Bürgergesprächen entnehmen.

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Veröffentlicht am 14. Januar 2021 um 15:05 Uhr.
Letzte Bearbeitung: 14. Januar 2021 um 15:06 Uhr.


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Daniel Große ist Herausgeber von Taucha kompakt. Er arbeitet seit 2001 als freier Journalist und berichtet hier zu allen Themen, die Taucha bewegen. Infrastruktur, Blaulicht-Meldungen, Veranstaltungen, Neues aus dem Rathaus und vieles mehr veröffentlicht er hier. Schnell, kompakt und verständlich.
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