Unter dem Begriff #StolenMemory eröffnet am Freitag auf dem Marktplatz Taucha eine Open-Air-Wanderausstellung. Im Mittelpunkt stehen der letzte Besitz von KZ-Inhaftierten und die Frage, wie es heute noch gelingt, diese an Familien der Opfer zurückzugeben. Zu sehen ist die Ausstellung in einem aufklappbaren Übersee-Container.

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Eheringe, Uhren, Füller, Brieftaschen mit Fotos und mehr. Dinge, die Häftlingen bei der Ankunft in Konzentrationslagern von den Nationalsozialisten abgenommen wurden. „Effekten“ nennt man diese persönlichen Gegenstände. Die Arolsen Archives, ein internationales Zentrum über NS-Verfolgung, eröffnet diesen Freitag gemeinsam mit dem Verein SAfT e.V. eine Wanderausstellung dazu. #StolenMemory heißt sie und zeigt Fotos von eben jenen „Effekten“. Ziel der Ausstellung sind Aufmerksamkeit und Unterstützung sowie, diese persönlichen Gegenstände an die Angehörigen der NS-Opfer zurück zu geben. Über 500 Familien konnten seit dem Start der Kampagne 2016 bereits gefunden werden, teilen die Arolsen Archives mit.

Unter der Überschrift „Gefunden“ lenkt die Ausstellung den Blick auf persönliche Gegenstände, die bereits zurückgegeben werden konnten. Sie berichtet vom Verfolgungsweg der einstigen Besitzer und den Rückgaben an ihre Familien. Mit dem Smartphone können die Besucher über eine App Videoportraits aufrufen, in denen die Angehörigen selbst zu Wort kommen.

Unter der Überschrift „Gesucht“ werden „Effekten“ gezeigt, die noch auf ihre Rückgabe warten. Eine wichtige Botschaft ist deshalb auch: Jeder kann die Arolsen Archives bei der Rückgabe der Effekten unterstützen und sich selbst auf Spurensuche nach den Verfolgten und deren Familien begeben. Denn noch immer bewahrt das Archiv gestohlene Erinnerungsstücke von knapp 2.500 Personen aus ganz Europa auf.

„Viele Opfer der Nationalsozialisten hinterließen keine materiellen Spuren für ihre Familien, weil die Nationalsozialisten ihnen alles nahmen“, so Floriane Azoulay, Direktorin der Arolsen Archives. Die Rückgabe der Effekten sei für die Angehörigen deshalb oft sehr unerwartet: „Einige von ihnen wissen nichts oder nur wenig über diesen Teil der Lebensgeschichte ihrer Großeltern, Eltern, Onkel und Tanten“. Umso wichtiger sei es, dass die Gegenstände in die Familien zurückkehrten.

#StolenMemory und Taucha

Unser Stadt wurde durch die NS-Rüstungsindustrie enorm geprägt. Darum sei es für den SAfT e.V. eine Herzensangelegenheit, die Erinnerungskultur lebendig zu halten und sich kritisch mit der Vergangenheit auseinanderzusetzen. Man wolle im lokalen Diskurs Akzente setzen, die über eine militärhistorisch und industriekulturelle Betrachtung der NS-Vergangenheit hinausgehen. Da sei das Angebot des Arolsen Archives, die Ausstellung auch in Taucha zu zeigen, gerade recht gekommen, heißt es in einer Mitteilung.

Rund um die Ausstellung hat der SAfT e.V. in Zusammenarbeit mit der Rosa-Luxemburg-Stiftung Sachsen ein Rahmenprogramm mit Vorträgen in der Kulturscheune des Rittergutsschlosses Taucha zum Thema NS- Zwangsarbeit in Taucha und einer Radtour zu den historischen Orten der Zwangsarbeit zusammengestellt:

  • 08.10.2020, 17 Uhr: Eröffnungsveranstaltung mit Ramona Bräu (Arolsen Archives)
  • 11.10.2020, 18 Uhr: Zwangsarbeitslager als Gegenstand der Archäologischen Denkmalpflege mit Dr. Michael Strobel (Landesamt für Archäologie – Sachsen)
  • 14.10.2020, 18 Uhr: Vortrag „ZwangsarbeiterInnen in der NS-Rüstungsproduktion“ mit einer Vertreterin der Gedenkstätte für Zwangsarbeit Leipzig
  • 16.10.2020, 14 Uhr: Radtour „Orte der NS-Zwangsarbeit in Taucha“ – Alle Informationen dazu gibt es auf der Website des SAfT e.V.

#StolenMemory
Markt in Taucha
8. bis 20. Oktober 2021
Öffnungszeiten: Montag bis Freitag 8 bis 18 Uhr, Samstag & Sonntag 9 bis 19 Uhr
https://stolenmemory.org/

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(1 mal heute gelesen)
Veröffentlicht am 6. Oktober 2021 um 9:05 Uhr.
Letzte Bearbeitung: 8. Oktober 2021 um 16:16 Uhr.

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