Anzeige


Jubiläum: Freiwillige Feuerwehr Taucha feiert 150 Jahre

,
0
833
mal gelesen
Die Tauchaer Feuerwehr um 1930.

Am heutigen 13. Juni bleiben die Pieper hoffentlich ruhig. Denn heute vor 150 Jahren wurde die Freiwillige Feuerwehr Taucha gegründet. Ein kurzer Rückblick auf eine ereignisreiche Historie.

Anzeige
Jetzt 5 Prozent Rabatt sichern!
Gutscheincode: tauchakompakt







Körbisbau Bauunternehmen:
Mauerwerk und Dach - alles vom Fach.



Auch wenn es an manchen Stellen anders steht – das Gründungsdatum der Freiwilligen Feuerwehr Taucha war nicht am 1. Juni, sondern am 13. Juni 1871. So liest man es zumindest in der Tauchaer Chronik, Band 1 von Historiker Detlef Porzig. Gründer der ersten Freiwilligen Feuerwehr Taucha war der Tauchaer Oskar Breitenborn. Bis Juni 1871 hatte Taucha keine eigene Feuerwehr. Brandbekämpfung und andere Rettungseinsätze lagen damals noch in der Hand der Rettungsschar des Tauchaer Turnvereins. Weil die Einsätze aber immer mehr und vor allem herausfordernder wurden, war nach Oskar Breitenborns Meinung die Gründung einer echten Feuerwehr nötig. So geschah es also auch mit einer Handvoll Gleichgesinnter. Breitenborn war vorher schon Teil der Turnfeuerwehr und dann von 1871 bis 1907 auch erster Hauptmann der Tauchaer Wehr – und bis 1914 auch Branddirektor der Stadt Taucha.

Oskar Breitenborn
Heute erinnert die Oskar-Breitenborn-Straße im Wohngebiet an der Wurzner Straße an den Helden, der sogar von König Georg von Sachsen für 40 Jahre treue Dienste rund um das Feuerlöschwesen mit dem Albrechtsorden ausgezeichnet wurde. Und auch ein Nachfahre des Feuerwehr-Gründers lebt noch in Taucha: Falk Breitenborn, Inhaber der Möbeltischlerei „Bei Eder“ ist der Ur-Ur-Enkel von Oskar.

Dass die Gründung einer Feuerwehr nötig war, zeigen vor allem viele Brände, die Taucha in seiner Geschichte erleben musste. Im Jahr 1682 etwa zerstörte ein Großfeuer wesentliche Teile der Stadt: 98 Häuser inklusive Rathaus und Pfarrwohnung wurden zerstört, der Kirchturm beschädigt. Zwei Frauen starben. 1686 wurde Dewitz bei einem Großfeuer nahezu zerstört, 1750 brannten in der Dewitzer Gasse zahlreiche Häuser, Scheunen und Hintergebäude. 1764 brannte Graßdorf bis auf das Rittergut und zwei kleine Gehöfte vollständig ab. 1768 dann ein erneuter verheerender Brand mit 55 zerstörten Häusern. Auch Rathaus und Kirche, 19 Scheunen und Hintergebäude wurden vernichtet. Dennoch dauerte es noch bis 1865, bis engagierte Bürger die Rettungsschar des Turnvereins gründete – und später eben die Freiwillige Feuerwehr Taucha.

Die Kameraden der Feuerwehr Taucha beim Festumzug im Jahr 1920.

Eine große Herausforderung war immer wieder die Wasserversorgung. Ende 1890 erhielt die Tauchaer Wehr zwar einen so genannten Zubringer für das Parthenwasser. Endgültig vereinfacht wurde aber das Löschen nach 1903, als Taucha eine Wasserleitung bekam. Die Hydranten verbesserten grundlegend die Versorgung mit Löschwasser. Ende 1905 bezog die Tauchaer Feuerwehr ihre neue Station neben der Kirche St. Moritz. Der erste und zweite Weltkrieg schwächte die Bereitschaft der Feuerwehr. Nach dem Ende des zweiten Weltkrieges bemühten sich noch zehn ältere Kameraden, mit ihren ungenügenden Mitteln die Brände zu bekämpfen. Mit einem grün lackierten alten Löschfahrzeug des Typs LF12 mit einem Warnsignal in Form einer großen Messingglocke, die manuell geschlagen werden musste. Auf Anweisung des US-Militärs wurden die Uniformen schwarz gefärbt und die Stahlhelme weiß gestrichen. Auf ihnen prangten in schwarz die Buchstaben TFD, was für „Taucha Fire Department“ stand.

Eine Löschübung am Tauchaer Rathaus, vermutlich aus dem Jahr 1936.

In der DDR-Zeit und vor allem nach der Wende wuchs die Mitgliederzahl der Feuerwehr stetig an, die Ausrüstung wurde ständig verbessert. Aktuell zählt die Feuerwehr Taucha 37 Mitglieder der Einsatzabteilung und 20 Mädchen und Jungen im Alter von 8 bis 18 Jahren bei der Jugendfeuerwehr. Insgesamt ist die Feuerwehr im vergangenen Jahr zu 117 Einsätzen ausgerückt. Der größte Einsatz war der Feldbrand an der B87 Richtung Jesewitz. Dort waren fast alle Feuerwehren des Altkreises Delitzsch im Einsatz. Zu den größten Herausforderungen der Neuzeit zählt Wehrleiter Cliff Winkler definitiv die Corona-Krise. „Wir haben diese Zeit bislang gut überstanden und hoffen natürlich, dass das so bleibt. Wir hatten zwar vereinzelte Infektionsfälle, aber nie das Problem, dass wir nicht einsatzfähig gewesen wären.“

Das runde Jubiläum kann wegen Corona in diesem Jahr nicht groß gefeiert werden. „Wir hoffen, dass wir im nächsten Jahr feiern können, dann wird unser Gerätehaus 25 Jahre alt“, so Cliff Winkler. Im Übrigen feiert auch die Freiwillige Feuerwehr Merkwitz einen runden Geburtstag: 80 Jahre gibt es diese nun schon, die seit der Eingemeindung von Merkwitz nach Taucha am 1. Juli 1992 zu Taucha gehört. Und auch die Jugendfeuerwehr Taucha feiert 2022 ihr 125-jähriges Bestehen. Damit ist die Jugendabteilung eine der ältesten in Deutschland.

Das moderne Gerätehaus der Freiwilligen Feuerwehr an der Sommerfelder Straße.

Der Artikel entstand mit freundlicher Hilfe des Museums Taucha. Herzlichen Dank!

Update: Nach Aussage von Wolfgang Pauli, der von 1989 bis 2011 Wehrleiter war, war das Gründungsdatum der Feuerwehr Taucha am 1. Juni. Jedoch wurde die Satzung, die damals noch Grundgesetz hieß, tatsächlich am 13. Juni bestätigt.
Die Jugendfeuerwehr Taucha besteht laut Paulis Aussagen bereits in diesem Jahr seit 125 Jahren. Seinen Recherchen zufolge war die erste Erwähnung der Jugendfeuerwehr im Jahr 1896 und nicht 1897.

Anzeige
(1 mal heute gelesen)
Veröffentlicht am 13. Juni 2021 um 18:21 Uhr.
Letzte Bearbeitung: 13. Juni 2021 um 20:04 Uhr.


Kommentieren Sie den Artikel

Please enter your comment!
Please enter your name here