Der Dokumentarfilm „Kleine Stadt – großes Herz“ von den Filmemachern Rosa von Ochsenstein und Jonas Juckeland feierte gestern und heute in mehreren Aufführungen Premiere. Und auch, wenn die letzte Premiere heute erst um 20 Uhr stattfindet, so kann man wohl behaupten: Alle Aufführungen im Schloss Taucha eint, dass sie umjubelt waren. Teils flossen sogar Tränen der Rührung. Taucha kompakt war bei der Haupt-Premiere mit geladenen Gästen am Samstagabend um 20 Uhr dabei.

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Jonas Juckeland mag die Inszenierung. Und er überlässt nichts dem Zufall. Der 24-jährige Ex-Tauchaer, der mittlerweile in Leipzig direkt am MDR und der Media City wohnt, hatte für seine Premiere alles akribisch geplant. Eine Filmpremiere, die eigentlich schon zum Doppeljubiläum der Stadt Taucha und des Rittergutsschlosses Taucha im Jahr 2020 stattfinden sollte. Doch dann kam alles anders. Das Corona-Virus und die anschließenden Einschränkungen des öffentlichen Lebens machten auch der Uraufführung von „Kleine Stadt – großes Herz“ ein Strich durch die Rechnung. Vor der Aufführung des Filmes führte darum ein kleiner „Vor-Film“ in die Thematik ein. „Mir war das wichtig, den Film einzuordnen. Aufgrund Corona ist der Film nicht nur Vergangenheit, sondern auch Zukunft. Er zeigt, wie das Leben in Taucha vorher war und hoffentlich auch bald wieder ist“, sagt Jonas Juckeland. Ohne es zu ahnen, haben er und Rosa von Ochsenstein also ein zeitgeschichtliches Dokument geschaffen. In komprimierter Form sieht man das gesellschaftliche Leben Tauchas, wie es vor der Corona-Pandemie war.

Seit 2018 bereiteten die jungen Filmemacher ihr Werk vor und entwickelten ein Drehbuch. Im Jahr 2019 wurde in über 30 Drehtagen das umfangreiche Material gesammelt, ein Trailer produziert und der Film in wenigen Monaten geschnitten sowie nachbearbeitet. „Kleine Stadt – großes Herz“ ist vom Genre ein Dokumentarfilm – aber er ist auch so viel mehr. Er ist eine filmische Reise durch den Tauchaer Mikrokosmos. Er zeigt auf vielfältige Weise, was unsere Stadt ausmacht. Natürlich ist es nicht möglich, in etwa einer Stunde Film wirklich alle Aspekte und Persönlichkeiten zu zeigen oder zu Wort kommen zu lassen. Aber dennoch finden sich von Osterfeuer über Ancient Trance und Tauchscher sowie Weihnachtsmarkt und Weihnachtskonzert des Chores des Geschwister-Scholl-Gymnasiums diverse Eindrücke wieder.

Von der Premiere wird es ein „After-Movie“ geben. Hier interviewt Rosa von Ochsenstein gerade Pfarrer Nico Piehler.

Jonas Juckeland
Als eine Art Episodenfilm stellt der Film 20 Protagonisten vor und zeigt, wie der Zusammenhalt in einer Kleinstadt funktionieren kann. Außenstehende werden von der Vielfalt sicher überrascht. Auch Rosa von Ochsenstein, die als Leipzigerin durch den Film überhaupt erst einmal die Kleinstadt Taucha näher kennen lernte, ging es so. „Ich war wirklich beeindruckt, wie sich hier die Menschen engagieren und vor allem, was man in Taucha alles machen kann“, sagte sie. So erzählt „Kleine Stadt – großes Herz“ vom Engagement des Parthebadvereins, der sich ab dem Jahr 2003 für den Erhalt des Familienbades einsetzte und schließlich Erfolg hatte. Für Lacher sorgt Margitta Pache vom Heimatverein Taucha, die während des Osterfeuers ihre Schnittchen mit dem Ausruf „mit Liiiiebe gemacht!“ anpries. Ronny Schäfer, der „Propellermann“ aus Taucha zeigt seine Stadt von oben. Model-Sternchen und Influencerin Sara Kulka outet sich als begeisterte Ancient-Trance-Anhängerin, Moderator Roman Knoblauch bezeichnet Taucha als Liebe seines Lebens, küsst aber während des Tauchschers auch Birgit Richter, die sich in vielerlei Hinsicht engagiert. Bürgermeister Tobias Meier wird bei einigen Terminen begleitet und gibt Einblick in seine Arbeit. Besonders einfühlsam schildert Tagesmutti Katrin Merz die Arbeit mit ihren Schützlingen, die sie bei den ersten Schritten und ersten Worten begleiten darf. Kristina Danz, ehemalige Leiterin des Geschwister-Scholl-Gymnasiums, sieht ihre Schule als Institution, die ihre Schüler auf das Leben vorbereitet. Und festlich wird es zum Abschluss, wenn ein viel zu kurz geratener Ausschnitt aus dem Weihnachtskonzert des Gymnasiums-Chores gezeigt wird. Diese und viele weitere Tauchaer kommen in dem Film vor und sind verantwortlich dafür, dass am Ende ein Gesamtkunstwerk daraus wird.

Ja, dieser Film bietet allerlei Pathos. Und ja, er enthält auch kleinere Fehler. Etwa, wenn zur Weihnachtszeit davon gesprochen wird, dass Konditormeister Sebastian Kraus um vier Uhr in der Backstube steht, es draußen aber bereits fast hell ist. Oder wenn behauptet wird, der Flugplatz Schwarzer Berg sei nur einen „Katzensprung“ von der Endstelle der Straßenbahn entfernt. Doch über solche Kleinigkeiten kann getrost hinweg gesehen werden. Erst Recht, wenn die Premiere immer wieder verschoben werden musste und schließlich erst ein Jahr später stattfinden konnte. Ein Jahr, welches des Leben weltweit und natürlich auch in Taucha gehörig auf den Kopf gestellt hat.

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Durch den Abend führte Marie Knoblauch, Tochter von Moderator Roman Knoblauch. Unaufgeregt und höchst professionell ohne einen einzigen Versprecher gestaltete sie den Abend, interviewte Bürgermeister Tobias Meier, dem sie als Jüngere charmant und witzig das „Du“ anbot. Auch Rosa von Ochsenstein und Jonas Juckeland befragte sie zu ihrem filmischen Projekt, genau so wie die Tauchaerin Birgit Richter, die an mehreren Stellen des Filmes zu sehen ist, weil sie „nicht nein sagen kann“. „Für mich war es die erste Moderation, so komplett allein ohne meinen Papa“, sagte Marie Knoblauch, die derzeit ein Volontariat bei Radio Dresden absolviert, also in die Fußstapfen von Vater Roman tritt. Selbiger war für den Abend verhindert, weil er als Kommentator für das Fernsehen von den Olympischen Spielen berichtete. Zumindest in einer kurzen Video-Schalte war er zu sehen – auch so ein Detail, das Jonas Juckeland genauestens geplant und vorbereitet hatte. Überhaupt war technisch alles einwandfrei, vom glasklaren Bild über verständlichen Ton bis hin zu einem flüssigen und perfekt animierten Screendesign. Eine Inszenierung, die sich Jonas vom Fernsehen abgeschaut hat. Und insgesamt eine Professionalität, die ihn sicher noch weiter bringt und die er sich bewahren sollte. Auf jeden Fall ist „Kleine Stadt – großes Herz“ für die Filmemacher eine Referenz für’s Leben.

Rosa von Ochsenstein und Jonas Juckeland überreichten dem Schlossvereins-Vorsitzendem Jürgen Ullrich und seiner Frau Susanne zur Erinnerung die „Goldene Filmklappe“ ihres Werkes.

Sven Juckeland, Vater von Jonas zeigte sich „beeindruckt und stolz. Ich komme gar nicht ran an Jonas, weil er von so vielen umlagert wird. Ich muss ihm nachher erst mal um den Hals fallen“, sagte er. Vor der Premiere hatte er den Film noch nicht gesehen. „Ich wollte das nicht, habe bewusst auf so einen Rahmen hier gewartet und wurde nicht enttäuscht. Wie gesagt, ich bin einfach nur stolz“, sagte er weiter.

Bürgermeister Tobias Meier erzählte von den Planungen, die 2018 mit einem „Blätter-Wust“ begannen. Der Dank der Stadt gebühre den beiden Filmemachern. „Jeder, der den Film gesehen hat, der kann sich vorstellen, dass wir unsere Stadt nach der Pandemie wieder gestalten können. Der Film gibt einen Impuls dafür, weil er zeigt, wie wir zusammenhalten können“, so Meier weiter. „Es ist ein zeitgeschichtliches Dokument. Es ist interessant zu sehen, wie sich die Stadt innerhalb von zwei Jahren verändert hat. Und es wird sicher noch interessanter sein, zu sehen, was in fünf oder zehn Jahren daraus geworden ist. Der Applaus und der Bann der Zuschauer haben ja gezeigt, wie sehnlichst der Film jetzt erwartet worden ist.“

Moderatorin Marie Knoblauch, die ebenfalls ein Tauchaer Kind ist, freute sich über den Film. „Man findet sich selbst darin wieder, gerade was den Chor und das Weihnachtssingen angeht.“

Birgit Richter war vor allem „erschreckt davon, wie man redet“, lachte sie. Insgesamt freute sie sich, was daraus entstanden ist und dass sie durch den Film schon wieder neue Kontakte knüpfen konnte, die ihr dabei helfen, ihr Fotoarchiv von Taucha zu erweitern.

Elektrikermeister Lutz Ritter, der im Film in einer kurzen Sequenz beim Aufhängen von Weihnachtsdeko zu sehen ist, zeigte sich begeistert. „Das ist einfach nur Wahnsinn. So etwas hat keine andere Stadt, der Film ist einzigartig und wirklich wertvoll für unsere Stadt“, sagte er.

Und Silke Heuwerth, die einst Teil des Parthebadvereins war, sagte: „Ich wollte heute unbedingt dabei sein, weil das Ganze ist ja wie ein Familientreffen. Wer heute hier ist und im Film auftaucht, ist Taucha!“

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Als I-Tüpfelchen hätte der oft im Film zitierte „Tauchaer Zusammenhalt“ nach der Premiere noch durch stehende Ovationen zum Ausdruck gebracht werden können. Leider standen nur drei Zuschauer auf, dafür gab es lang anhaltenden Applaus. Vielleicht gibt’s die Standing Ovations ja heute bei den noch kommenden Vorführungen. Die 10-Uhr-Vorstellung war ausverkauft, ebenso sind die 14-Uhr- und 18-Uhr-Vorstellung restlos voll. Für 16 und 20 Uhr gebe es noch Karten an der Kasse im Schlosshof, teilt Jonas Juckeland mit. Sein Dank gelte vor allem allen Protagonisten des Films, dem Schlossverein Taucha, der Stadtverwaltung und seiner Kollegin Rosa von Ochsenstein. Selbige dankte Adrian Rothe, „der mit seiner Veranstaltungstechnik-Firma die Kulturscheune des Schlosses in ein perfektes Licht gerückt hat.“

Weitere Bilder des Abends

Marie Knoblauch mit Mama Carla.

Dreharbeiten bei der Filmpremiere – typisch Jonas!
Ines Spangenberg, Sekretärin der Oberschule Taucha (l.) im Gespräch mit Kristina Danz, Ex-Rektorin des Geschwister-Scholl-Gymnasiums Taucha (r.) und Anke Kauffmann, Inhaberin der Buchhandlung Leselaune.
Bürgermeister Tobias Meier auf dem Weg zur Premiere.
(1 mal heute gelesen)
Veröffentlicht am 1. August 2021 um 13:48 Uhr.
Letzte Bearbeitung: 1. August 2021 um 14:11 Uhr.

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