Pfarrer Nico Piehler an der Haupt-Glocke der Kirche St. Moritz in Taucha.

Ab sofort gibt es bei Taucha kompakt auch Nachrichten zum Hören: als Podcast. Den Anfang macht „Warum eigentlich“. In diesem Wissens-Podcast sollen bestimmte Eigenheiten und Besonderheiten unserer Stadt erklärt werden. In Episode 1 geht es um das Kirchenläuten in Taucha.

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Dieses eine Geräusch kennt in Taucha wohl jeder. Um 7 Uhr, um 12 Uhr und um 18 Uhr läuten in Taucha die Glocken der Kirche St. Moritz. Darauf kann man sich – bis auf wenige Ausnahmen – verlassen. Aber warum eigentlich läuten die Glocken? Und warum zu diesen Zeiten? 

Wir haben mit jemandem gesprochen, der es wissen muss: Pfarrer Nico Piehler, sozusagen dem Hausherren der Kirche und ihren Glocken.


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„Es ist ein öffentliches Recht, dass die Kirchen läuten dürfen – allerdings nur offizielle Kirchengebäude mit zugelassenem Geläut. Dazu gibt es eine so genannte Läuteordnung. Diese beschließt der Kirchenvorstand und diese gilt dann auch als Ortsgesetz. Die Läuteordnung ist also auch ein Gesetz der Stadt Taucha“, sagt Pfarrer Nico Piehler. So ganz frei in der Entscheidung wie oft geläutet werden darf und zu welchen Zeiten, ist die Kirche aber nicht. Denn, so sagt der Pfarrer, das Ganze geschieht „natürlich innerhalb gewisser Rahmen. Es gibt auch eine Rahmenläuteordnung von der Sächsischen Landeskirche. Man kann jetzt also nicht sagen, wir machen jede Stunde volles Geläut. Das muss alles angemessen sein.“ 



Probleme gebe es wegen des Kirchengeläuts nicht mit den Tauchaern, sagt Nico Piehler: „Ich bin ja erst zwei Jahre hier, in meiner Zeit hat sich noch niemand beschwert. Ich habe allerdings einen Schriftwechsel meines Vorgängers gefunden. Damals hatte ein Anwohner seinen Unmut ausgedrückt“, berichtet er. Häufig seien solche Beschwerden aber nicht. Außerdem gebe es auch ein Gegenbeispiel: „Als wir 2019 das Dach sanierten, hatten wir das Geläut ein dreiviertel Jahr abgestellt. Da gab es Fragen, warum die Kirche nicht mehr läutet.“

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In Taucha läuten die Glocken um 7, um 12 und um 18 Uhr. Das ist aber nicht in jeder Gemeinde so. „Ich war vorher im Erzgebirge tätig, da haben wir um 6 Uhr begonnen. Dort stehen die Leute womöglich zeitiger auf. In der Stadt ist das ein bisschen schwieriger“, lächelt Pfarrer Piehler. In manchen Orten wird Abends bereits um 17 Uhr oder um 19 Uhr geläutet. Das Kirchenläuten sei früher eine Orientierung für die arbeitenden Menschen gewesen, wann es Zeit für Mittag oder Feierabend war.
Und natürlich hat das Läuten auch eine geistliche Bedeutung: „Die Läutezeiten waren früher auch Gebetszeiten. Als die Leute noch frommer waren und gerade unter der ländlich geprägten Bevölkerung war es üblich, dass man zu bestimmten Zeiten inne gehalten und ein Vater unser gebetet hat“, so Piehler. Auch heute noch sollte sich jeder daran erinnern, dass es „einen über Dir gibt“, sagt der Pfarrer.



Technisch gesehen müsse man unterscheiden in die Uhr und das Geläut. „Die mechanische Uhr stammt vermutlich aus den 1930er Jahren. Da ist ein Pendel dran und diverse Gewichte. Das Geläut wurde früher von Hand bewegt – mit langen Seilen. Das hatte der Kirchner übernommen oder auch Konfirmandinnen und Konfirmanden. Seit vielen Jahrzehnten ist das Geläut motorisiert. An allen drei Jochen der Glocken hängen Elektromotoren, welche die Glocken dann bewegen“, sagt Nico Piehler. Früher waren Uhr und Geläut kombiniert. Durch die Mechanik war das ganze Konstrukt aber sehr anfällig, vor allem bei Hitze oder Kälte. Seit vergangenem Jahr ist die Uhr vom Geläut getrennt. „Da hängt eine normale Zeitschaltuhr dran, in der die Läutezeiten einprogrammiert sind“, erklärt der Pfarrer.

Die mechanische Uhr stammt aus den 1930er Jahren.

Uhr und Geläut sind also technisch getrennt. Das macht es möglich, dass das Geläut durchaus auch per Smartphone zu bedienen ist. Die Beschäftigten auf dem Friedhof können so mittels einer Handy-App zur Beerdigung das Geläut bedienen. Diese digitale Unterstützung nütze sehr, so Piehler. Komplett auf rein digitales Läuten aus dem Handy will er aber nicht wechseln. „Das wäre doch schade, das Glockengeläut gehört zur Stadt, zur Gesellschaft dazu“, sagt er.

Fazit also: Die Läuteordnung regelt, dass die Kirche St. Moritz drei mal am Tag (an Werktagen) läuten darf. An Wochenenden gelten andere Zeiten, vor allem Sonntags vor, während und nach dem Gottesdienst.

Die Kirche St. Moritz in Taucha.
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(2 mal heute gelesen)
Veröffentlicht am 29. September 2021 um 21:23 Uhr.
Letzte Bearbeitung: 29. September 2021 um 21:23 Uhr.

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