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Stadt Taucha übernimmt Gedenken an DDR-Volksaufstand von CDU-Ortsgruppe

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Die Stadt Taucha übernimmt vom CDU-Ortsverband Taucha die Pflegschaft der Gedenkstätte „17. Juni 1953“. Damit einher geht auch, dass die jährliche Erinnerungsveranstaltung nicht mehr von der CDU, sondern von der Stadt Taucha abgehalten wird. Das hat der Stadtrat in der Januar-Sitzung beschlossen.

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Nur wenigen Tauchaern ist sie bekannt, die Gedenkstätte zum Volksaufstand am 17. Juni 1953. Zum 60. Jahrestag dieses Ereignisses in der ehemaligen DDR wurde in Taucha von der CDU die kleine Ecke am Parkplatz von Multipolster eingerichtet. Der Standort ist kein Zufall, denn dort – im Gerichtsweg – stand einst die Eisengießerei Klug, in der die Aufstände ihren Anfang nahmen. Im Jahr 2013 wurde seitens der Stadtverwaltung mit der CDU ein so genannter Gestattungsvertrag geschlossen, welcher es dem damaligen Vorsitzenden Klaus-Dieter Münch erlaubte, die Gedenkstätte zu pflegen und an dieser Stelle eine Gedenkveranstaltung abzuhalten.

Am 2. November 2020 ging bei der Stadtverwaltung Taucha ein Antrag der CDU Taucha zur Übernahme der Pflegschaft sowie der Durchführung des Gedenktages ein. Heißt: Die Stadtverwaltung wird gebeten, sich künftig um den Gedenkstein und die entsprechende Veranstaltung zu kümmern. Seitens der Stadt sprach nichts dagegen. „Das wird somit eine überparteiliche Veranstaltung, der Bürgermeister lädt alle historisch interessierten zum Gedenken ein und der Bauhof sorgt für Ordnung, Sauberkeit und Winterdienst“, so Bürgermeister Tobias Meier. Damit dies so stattfinden kann, hatte der Stadtrat darüber zu befinden.

Vor der Abstimmung wurde teils leidenschaftlich diskutiert. Jürgen Ullrich von Die Linke sagte: „Ich bin keineswegs Derjenige, der sagt, der 17. Juni soll künftig getilgt werden – ganz im Gegenteil. Dieses Mosaik der Deutschen Geschichte soll auch in Taucha weiter Gehör finden. Was mich allerdings etwas stört, ist die gesamte Verfahrensweise und ich werde das Gefühl nicht los, dass ein Anhängsel lästig wird. Weil sich der 17. Juni aus dem gesellschaftlichen Gedächtnis verliert, soll sich wohl dem Stein und dem jährlichen Gedenken entledigt werden.“
Christof Heinzerling von der SPD Taucha argumentierte: „Es gibt einen Vertrag zwischen der CDU und der Stadt Taucha, damals zustandegekommen durch den Ehrenvorsitzenden der CDU. Das Gedenken war also ein Anliegen der CDU. Ich sehe gar keinen Grund, den Vertrag aufzulösen. Das Ganze hat den Beigeschmack, dass eine Partei hier ihr eigenes Ansinnen in den öffentlichen Raum und in öffentliche Zuständigkeit rückt.“

Frank Apitz von der CDU ließ dies nicht unkommentiert und zeigte sich enttäuscht, dass „Jürgen Ullrich uns unterstellt, es wäre uns lästig geworden. Wir haben das Denkmal seit acht Jahren gepflegt und würden es auch weiterhin durchführen. Gleichwohl haben wir den Vorschlag der Stadtverwaltung aufgenommen, dies auf breitere Schultern zu stellen“, sagte er. Zudem erklärte er, die jährliche Gedenkveranstaltung sei nie eine reine CDU-Veranstaltung gewesen. Auch der Bürgermeister sowie Zeitzeugen und Vertreter von Kirchen und Schulen hätten stets teilgenommen.

Stadthistoriker Detlef Porzig (CDU) erinnerte daran, dass der 17. Juni in der ehemaligen DDR dazu beigetragen hätte, dass im Laufe der Jahre auch in anderen Staaten Volksaufstände stattgefunden hätten. Damals sei es in Taucha aus Reihen der SPD zu Auflehnungen gekommen, die glücklicherweise nicht zu blutigen Folgen geführt hätten. Darum sei er „sehr enttäuscht von der SPD, die ja eigentlich ganz klar die Arbeiterklasse vertritt“, so Porzig.

Die Abstimmung ging mit 13 Ja-Stimmen, einer Enthaltung und fünf Nein-Stimmen letztlich als angenommen ins Protokoll. Zum Gedenken an den 17. Juni lädt also künftig die Stadtverwaltung ein.

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Veröffentlicht am 3. Februar 2021 um 18:05 Uhr.
Letzte Bearbeitung: 3. Februar 2021 um 18:05 Uhr.


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