Die Grundschule Am Park steht ab März unter neuer Leitung: Rektorin Carola Kirsten geht Ende Februar in den Ruhestand. Für Taucha kompakt hat sie zurückgeblickt.

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Noch ist sie 62, am 28. Februar aber schon 63 und damit als Beamtin in der Lage, in Pension zu gehen. Leicht ist Carola Kirsten der Schritt nicht gefallen. Aber jetzt sei ein guter Zeitpunkt, um aufzuhören, sagt die Leiterin der Grundschule Am Park.

Unterstufenlehrerin oder „Lehrer der unteren Klassen“ – so hieß die sperrige Berufsbezeichnung zu DDR-Zeiten. Ein solches Fachschulstudium hat Carola Kirsten in Leipzig absolviert. Ursprünglich stammt sie aus Bad Düben, blieb nach dem Studium aber in Leipzig, wo sie noch heute wohnt. An vier verschiedenen Schulen hat sie in der Messestadt gearbeitet. Seit 2004 ist Carola Kirsten in Taucha. „Ich war zuletzt stellvertretende Schulleiterin in Leipzig und Markkleeberg-West. Im Februar kam ich nach Taucha, um dann im neuen Schuljahr die Leitung hier zu übernehmen“, berichtet sie.

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Turbulente Anfänge

Eingearbeitet wurde sie von der damaligen Schulleiterin Frau Werner. „Plötzlich von der zweiten in die erste Reihe zu wechseln, war natürlich eine Herausforderung. Bislang hatte ich die Chefin nur unterstützt – künftig sollte ich die Chefin sein. Am Ende gelang das aber doch recht gut, auch wenn es am Anfang etwas holperte“, erinnert sie sich: „Es heißt ja immer, neue Besen kehren gut. Es verändert sich natürlich ein bisschen was, wenn eine Schule eine neue Leitung bekommt. Und man merkt auch, ob man zu schnell zu viel wollte“, erzählt Carola Kirsten weiter. Als Beispiel nennt sie ein Programm zur Schulentwicklung, das es an den beiden Leipziger Schulen gab, in denen sie tätig war. „In Taucha gab es das nicht, also hab ich angefangen, das zu entwickeln. Anforderungsbereiche und Bildungsstandards wurden festgesetzt. Wie müssen Klassenarbeiten aufgebaut sein, was sind grundlegende und was erweiterte Anforderungen. Das wussten die Kollegen damals nicht. Also habe ich Klassenarbeiten, die von den Schülern geschrieben werden sollten, vorher von den Lehrkräften angefordert, um Hinweise geben zu können. Auch haben wir Regeln für die Bildungsempfehlungen angepasst. Wir können die Schüler ja nicht auf die weiterführenden Schulen vorbereiten, wenn die Anforderungen hier nicht richtig gestellt werden“, erläutert sie. Gerade anfangs sei sie immer auf Widerstand gestoßen. Letztlich sei der Prozess aber gelungen.

„Bei allem Spaß und der Freude am Lernen: Es muss Regeln geben. In der Schule wie im Hort.“

Übergreifende Zusammenarbeit

Auch im Hortbereich musste die Zusammenarbeit in der Anfangszeit verbessert werden. „Nachdem Kerstin Fritsche dann die Hortleitung übernommen hatte, konnten wir viel erreichen. Im Jahr 2010 wurde ein Kooperationsvertrag geschlossen, der auch nötig ist, wenn man so dicht aneinander ist, damit die Werte, die in der Schule gelten, auch in den Hort übernommen werden. Gerade, wenn man die gleichen Räume nutzt“, erklärt Carola Kirsten. Zu DDR-Zeiten habe dies „einheitlich handelndes Pädagogenkollektiv“ geheißen, sagt sie. „Und da ist immer noch was wahres dran. Die Kinder aus dem Vormittag sind die gleichen wie am Nachmittag, da kann es ja nicht plötzlich andere Regeln geben“, meint sie weiter.

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Kooperationen mit anderen Schulen

Auch mit der Oberschule und dem Geschwister-Scholl-Gymnasium pflegt Carola Kirsten von Anfang an eine gute Beziehung. „Ich erinnere mich noch: als ich anfangen wollte, musste ich mich vor dem damaligen Stadtrat präsentieren. Eine der ersten Fragen war, wie ich als Rektorin der Grundschule am Park den Ruf der damaligen Mittelschule verbessern will“, schmunzelt sie. So seien regelmäßige Treffen entstanden. „Anfangs mit Herrn Baumann, dann Herrn Kießling und jetzt mit Frau Beer“, sagt die Rektorin. Gleiches gelte für das Gymnasium. Mit Kristina Danz, die das Gymnasium 27 Jahre lang leitete, sowie Kathrin Rentsch als neuer Rektorin seit 2020 bestehe ein enger Kontakt. „Auch hier gibt es Kooperationsvereinbarungen, die wir längst um die weiterführenden Schulen in Jesewitz, Panitzsch, Krostitz und Hohenheida sowie das Freie Gymnasium Borsdorf und die Freie Grundschule Püchau erweitert haben“, erzählt Carola Kirsten. Nicht nur die Schulleiter würden sich treffen, sondern auch die Beratungslehrer. „Wir gleichen Bewertungsmaßstäbe an oder haben diverse Methodiken eingeführt. Etwa den Hefter-TÜV, bei dem die Kinder lernen, ihren Hefter selbstständig zu führen“, nennt sie ein Beispiel.

Mit der Aufstellung ihres Teams ist Carola Kirsten aktuell sehr zufrieden. „Das hat sich stabilisiert, große Veränderungen gab es nicht mehr. Neue Kolleginnen und Kollegen werden immer sehr herzlich aufgenommen und können auf unseren Erfahrungsschatz zurückgreifen. Wir geben Hilfestellungen, so dass auch Kollegen mit einem längeren Anfahrtsweg bei uns bleiben“, sagt sie.

Corona als letzte Herausforderung

Dass sie sozusagen auf den letzten Metern vor der Pensionierung noch eine solch große Herausforderung wie die Corona-Pandemie zu meistern hat, hätte die Schulleiterin nicht gedacht. Von Anfang an gab es in der Grundschule Am Park angepasste Hygieneregeln. Sehr lange gab es nicht einen Fall an der Schule. Auch als dann die Einrichtungen erstmals schließen mussten, war ihre Schule nach wie vor coronafrei. „Das ist aber nicht mein Verdienst, sondern der meines Teams“, sagt sie bescheiden. „Und die aktiven Elternratsmitglieder haben uns auch wahnsinnig unterstützt. Wenn wir die nicht gehabt hätten, wären wir verloren gewesen. Die Eltern haben die Infos der Lehrer an alle anderen Eltern weitergeleitet. Dort, wo es digital nicht möglich war, wurde auf den Einwurf in die Briefkästen zurück gegriffen. Das hätten wir nicht leisten können“, lobt Carola Kirsten die Elternvertreter. Und sie erinnert an die erste Zeit, in der wohl jedes Elternteil Verständnis für die Beschulung daheim hatte. Erst im Laufe der Pandemie sei das Verständnis bei manchen Eltern gewichen. „Das sind aber Ausnahmen. Wir haben immer im Einklang mit den Eltern arbeiten können, Lösungen gesucht und gefunden. Vieles hat uns vorwärts gebracht, neue Blickwinkel ermöglicht. Beispielsweise bei der Verteilung der Aufgaben. Für die einen Eltern war es zu viel, für andere zu wenig. Darum haben wir dann das System der Pflichtaufgaben und Zusatzaufgaben eingeführt“, erläutert sie. Ständige Gespräche mit den Eltern hätten den Lehrkräften und auch der Schulleitung verdeutlicht, was es für die Eltern bedeutet, ihr Kind zu Hause zu unterrichten. „Das ist schon enorm gewesen. Ich denke aber, wir haben es geschafft, für gegenseitiges Verständnis zu sorgen“, so Carola Kirsten.

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Ruhestand: Reisen und Zeit für Enkel

Auf die Zeit im Ruhestand freut sich die Schulleiterin sehr. „Ich habe mit 63 Jahren zwar ein paar finanzielle Einbußen. Aber mein Mann ist schon dreieinhalb Jahre zu Hause, wir waren immer voll arbeiten. Außerdem hab ich immer gesagt, nach zehn Jahren muss ein Schulleiter wechseln. Nun sind es bei mir schon 17 Jahre. Manches fährt sich ein. Es braucht neue Innovationen und Ideen. Ich glaube, für mich und die Schule ist es ein guter Zeitpunkt“, sagt Carola Kirsten. Ihre Freizeit will sie vor allem mit ihrem Mann und den Enkelkindern verbringen. Zwei und acht Jahre sind sie und „ein bisschen kurz gekommen in letzter Zeit“, lächelt sie. Auch auf das Reisen freut sie sich. „In Corona-Zeiten nicht ganz so weit. Vielleicht eher mit dem Fahrrad oder zu Fuß als Wanderurlaub“, überlegt sie.

Nachfolgerin steht noch nicht fest

Wer Carola Kirsten als Schulleiterin der Grundschule am Park Taucha beerbt, steht noch nicht fest. Ihre Stellvertreterin Daniela Dörge übernimmt die Geschäfte vorübergehend. Die Übergabe werde täglich vorbereitet. Das Bewerbungsverfahren, an dem sich auch Daniela Dörge beteiligt hat, sei beendet. Jetzt laufe beim Landesamt für Schule und Bildung das Besetzungsverfahren. „Ich wünsche mir jemanden, der vieles fortsetzt, aber auch neue Ideen reinbringt. Mit dem gut eingespielten Team weiß ich, dass das gelingt“, so Carola Kirsten.

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(1 mal heute gelesen)
Veröffentlicht am 19. Januar 2022 um 20:55 Uhr.
Letzte Bearbeitung: 19. Januar 2022 um 20:55 Uhr.

2 Kommentare

  1. Ein sehr schöner Artikel. Ich wünsche Frau Kirsten alles erdenklich Gute für den nächsten Lebensabschnitt. Wir haben nur gute Erinnerungen an die Grundschulzeit unserer Tochter 2015 – 2019.

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