Das Ancient Trance Festival spaltet regelmäßig die Tauchaer Gesellschaft. Vor allem die direkten Anwohner beklagen die Lautstärke bis in die Nachtstunden. Um die Erwartungen auf beiden Seiten abzustecken und sich gegenseitig kennenzulernen, luden die Organisatoren am Mittwochabend auf die Schöppenteichwiese.

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Rund 25 Bürgerinnen und Bürger waren am Mittwochabend der Einladung des Tauchaer Maultrommel e.V. auf die Schöppenteichwiese gefolgt. Die Organisatoren des Ancient Trance Festivals (4. bis 7. August 2022) wollten ins Gespräch kommen mit den Tauchaern. Der Informationsabend war geprägt von konstruktivem Miteinander. In „schöner Kreiskultur-Manier“ gab es zunächst eine Vorstellungsrunde. Hier zeigte sich: vor allem direkte Anwohner aus dem Auenweg oder dem Schmiedehöfchen waren gekommen, um ihre Meinung mitzuteilen und sich Infos zu holen.

Clemens Voigt vom Maultrommel e.V. sagte, dass das Festival zwar in Leipzig gestartet wurde, mittlerweile aber fast zu Taucha gehöre. Immer mehr Tauchaer würden das rund 600 Personen starke Organisationsteam bereichern und das Festival planen. Und er blickte zurück: „Nach dem Festival 2019 hätte eigentlich 2020 wieder eine Veranstaltung angestanden, wir mussten wegen Corona aber eine Zwangspause einlegen. 2021 fand dann eine sehr außergewöhnliche Veranstaltung mit rund 2000 Gästen statt. Wir haben sehr, sehr viele Corona-Tests durchgeführt und nicht einen Fall gehabt.“ In diesem Jahr gingen 3000 Tickets in den Vorverkauf, bis 4000 Gäste wolle man insgesamt empfangen. „Wir haben 2019 gemerkt, dass die absolute Grenze bei 5000 Gästen liegt. Mehr wollen wir Taucha und auch uns nicht zumuten. Ein unbegrenztes Wachstum gibt es also nicht“, so Clemens Voigt.

Wie 2019 auch sollen die Schöppenteichwiese sowie das gesamte Areal des Parks und die Festwiese zum Festival-Gelände werden. „Der Aufbau beginnt zwei Wochen vorher. Wir haben hier eine kreative Infrastruktur, verarbeiten sehr viel Holz aus unterschiedlichen Quellen, bauen Dekorationen und Kunst auf. Darum zieht sich der Aufbau immer so lange hin“, erklärte Voigt. Wie bereits berichtet wird es dieses Jahr auch wieder den Markt der Möglichkeiten, veranstaltet vom Heimatverein Taucha, sowie ein Konzert in der Kirche St. Moritz geben. Insgesamt werden rund 50 Bands auf sechs kleinen und großen Bühnen spielen.

Am Donnerstag werde das Program bis 23 Uhr (Geändert: bis 5. August hatte es an dieser Stelle geheißen, das Programm am Donnerstag geht bis 22 Uhr. Dies war falsch. Wir bitten um Entschuldigung.) gehen, am Freitag und Samstag bis 1 Uhr und am Sonntag bis 22 Uhr. Nach dieser Zeit ist jeweils zumindest auf den Bühnen Ruhe. Für alles, was darüber hinaus geht, könne der Veranstalter nichts versprechen. „Wir versuchen da immer einzuwirken, können aber auch nicht überall gleichzeitig sein“, so Andreas Kosmowicz. Wenn jemand noch trommele und dazu singe, weil er grad in so einer Laune sei, dann wolle man dies auch nicht unbedingt verbieten. „Wir appellieren aber stets daran, die Lautstärke zu begrenzen und alle Besucher wissen, dass sie in einem Wohngebiet sind“, sagt Kosmowicz weiter.

Generell fühle sich der Maultrommel e.V. eingeladen, in Taucha solch ein Festival zu veranstalten. „Natürlich wollen die Anwohner auch ihre Ruhe, so etwas kann man nur mit Kompromissen schaffen. Die direkten Anwohner werden wir in diesem Jahr einladen, sich das Festival kostenfrei anzusehen und hautnah dabei zu sein. Außerdem gibt es Anwohnerführungen“, so Clemens Voigt. Trotz aller Kompromisse und Schwierigkeiten sei man gern im Stadtgebiet. „Das Festival bereichert das Stadtbild und die Tauchaer bereichern das Festival. Das führt zu Begegnungen, Austausch und Zusammenkunft von Menschen. Jedes Mal stehe ich am Sonntag da und weine vor Freude. Auf der grünen Wiese irgendwo wäre das nicht machbar. Dass das nicht für alle so fühlbar ist, kann ich verstehen. Und letztlich ist der größte Wert für uns auch die Nähe zur Infrastruktur“, so Clemens Voigt.

Ein Tauchaer beklagte, dass zum Auf- und Abbau die Wiesen im Park regelmäßig befahren werden. „Mir fehlt der alternative Ansatz für die Anlieferung bei solch einem alternativen Festival. Stattdessen bringt jeder sein Standmaterial mit dem eigenen Lieferwagen her. Das Gewicht der Fahrzeuge kann die Bäume nachhaltig schädigen, wenn die Wurzelbereiche auf diese Weise verdichtet werden. Das sollte von der Stadt stringenter gehandhabt werden“, sagte der Bürger. Clemens Voigt dankte für den Ansatz. Eine Anlieferung nur per Handwagen sei nicht realistisch. „Aber ja, da müssen wir mehr Aufmerksamkeit hin lenken. Das Befahren abseits der Wege können wir sicher einschränken“, sagte er weiter. Zudem seien vor drei Jahren Lastenräder angeschafft worden, dies solle auch ausgebaut werden, um die motorisierten Fahrzeuge mehr aus dem Park zu halten.

Auch der Drogenkonsum auf dem Festival wurde angesprochen. „Wenn einer sagt, das stimmt nicht, dann lügt er“, so ein Tauchaer. Clemens Voigt gab zu bedenken, dass sich die Thematik wegen der anstehenden Cannabis-Legalisierung im kommenden Jahr sowieso erledigt haben werde. „Vielleicht wird hier Cannabis geraucht, dafür gibt es wesentlich weniger Alkoholkonsum und die Menschen sind entspannter“, so Voigt.

Tagestickets für Tauchaer gibt es dieses Jahr zum vergünstigten Preis: Der Donnerstag kostet 10 Euro, Freitag und Sonntag 20 Euro und der Samstag 35 Euro.

Der oft zitierte Vorwurf, dass sich die Stadt Taucha mit dem Festival eine goldene Nase verdiene, stimme nicht, sagt Ordnungsamtschef Jens Rühling: „Der Verein zahlt keine Gebühren für die Nutzung des Parks. Einzig für die Nutzung der Mehrzweckhalle als Orga-Büro und für die verkehrsrechtlichen Anordnungen muss der Verein etwas zahlen“, teilt er mit. Und auch der Verein arbeite lediglich kostendeckend, teilen die Organisatoren mit. In den ersten Jahren seien Verluste erlitten worden, seitdem stecke man nahezu alles Geld, das erwirtschaftet wird, in das nächste Jahr. Bislang sei man noch nicht dazu gekommen, einen relevanten Überschuss zu erwirtschaften, der über schwierige Jahre helfen könnte. „Wir bereichern uns nicht persönlich am Festival“, bringt es Andreas Kosmowicz auf den Punkt.

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Veröffentlicht am 15. Juli 2022 um 16:24 Uhr.
Letzte Bearbeitung: 5. August 2022 um 9:23 Uhr.

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