Gegen 5 Uhr kamen am Sonntag die ersten Geflüchteten aus der Ukraine an.

Seit Mitte vergangener Woche kennt die Hilfe der Tauchaer keine Grenzen. Zahlreiche Bürgerinnen und Bürger spendeten Sach- und Lebensmittel, Geld und vor allem Zeit. Auch Mitarbeiter des Rathauses, der Freiwilligen Feuerwehr, ehrenamtliche Helfer und Bürgermeister Tobias Meier sind im Dauereinsatz.

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Nein, wie lange er in den vergangenen Tagen geschlafen hat, weiß er nicht. „Mit Sicherheit zu wenig“, lacht Bürgermeister Tobias Meier, als er am Sonntagnachmittag telefonisch von den aufregenden vergangenen 48 Stunden berichtet. „Eigentlich muss man beim Mittwoch beginnen. Da wurde die Hilfe konkret, wir wollen unbedingt etwas tun und nicht nur den Menschen vor Ort helfen, sondern auch hier her holen. Also riefen wir die Tauchaer auf, zu spenden. Lebensmittel, Hygieneartikel und vieles andere sollte abgegeben werden“, so Meier.

Was dann passierte, hätte er sich nicht träumen lassen. „Die Menschen standen Schlange am Donnerstagnachmittag und auch am Freitagmorgen, um alles abzugeben“, erzählt er. Viele Tauchaer hätten sich dann auch bereit erklärt, die Sachspenden zu sortieren. „Wir haben recht schnell erkannt, dass es sinnvoll ist, nach Inhalt zu sortieren. Also haben wir die oft liebevoll gepackten Karton auseinander genommen und sortenrein sortiert. Also ein Karton Zahnpasta, ein Karton Damenbinden, ein Karton Konserven und so weiter“, berichtet der Bürgermeister. 260 Umzugskartons seien gefüllt worden. Beschriftet wurden die Kartons auf Deutsch und Ukrainisch. „In Taucha leben diverse ukrainische und russische Staatsbürger, die uns halfen. Insgesamt waren in den vergangenen Tagen 18 Übersetzer im Einsatz, alle aus Taucha, Leipzig-Paunsdorf oder der näheren Umgebung“, so Meier.

Am Freitag sind dann drei Transporter aus Taucha nach Krakow gefahren. Dort wurden die Hilfsgüter auf größere LKW umgeladen, um sie bis nach Lwiw in der Ukraine nahe der polnischen Grenze und bis in die Nähe von Kiew zu verteilen. „Die Einschätzung der Lage ist von hier aus schlecht, es ist aber davon auszugehen, dass die Versorgung vor Ort immer schlechter wird, insofern sind auch Lebensmittellieferungen in die Flüchtlingslager wichtig“, so Meier. Iso-Matten, Windeln, Konserven, Babynahrung, Zahnpasta oder Nudeln seien den Helfern aus Taucha aus den Händen gerissen worden. Allein acht Umzugskartons voll mit Nudeln wurden in unserer Stadt für die Flüchtlinge eingepackt.

Auf Bekleidung habe man vorerst komplett verzichtet, auch aus Platzgründen. Bei einer nächsten Aktion solle noch mal genau nachgefragt werden, was tatsächlich benötigt wird. Im Tauchaer Lager, dem ehemaligen Konsum in der Klebendorfer Straße, würde sich bergeweise Kleidung stapeln. Teilweise seien auch Sommerkleider und andere Sachen dabei, die aktuell eher nicht benötigt würden.

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58 Geflüchtete in Taucha aufgenommen

Auf dem Rückweg brachten die Tauchaer Helfer auch 58 Geflüchtete nach Taucha. „Das lief größtenteils über Fans der Icefighters, beziehungsweise aus deren Umfeld. Einer arbeitet bei Geißler Reisen in Eilenburg. Das Unternehmen stellte die Busse. Am Ende kamen heute drei Busse mit ukrainischen Kriegsflüchtlingen an. Der erste um 4.50 Uhr, der zweite um 6.15 Uhr und der dritte um 10 Uhr. „Ich bin jeweils mit einer Dolmetscherin in die Busse. Wir haben den Menschen gesagt, wo sie gelandet sind und dass sie hier in Sicherheit und willkommen sind“, so Meier. Insgesamt kamen in Taucha am heutigen Sonntag 58 Menschen, zwei Katzen und ein Hund an. Das jüngste Kind ist drei Monate alt, das zweitjüngste vier Monate. Fünf Männer sind dabei, der Rest Frauen und Kinder. Der Klassiker sei die Mutter mit einem oder zwei Kindern und einer oder mehreren Großmüttern. „Was wir heute erlebt und gehört haben, lässt einem den kalten Schauer den Rücken herunter laufen. Die Erzählungen der traumatisierten Menschen sind teils schwer zu verarbeiten. Selbst einigen Helfern der Malteser, die nun wirklich schon viel erlebt haben, standen die Tränen in den Augen. Das ist schon Wahnsinn, was hier passiert“, berichtet Tobias Meier sehr bewegt. Eine ältere Frau hätte nur Hausschuhe getragen.

Aufgenommen wurden die Familien zuerst in der Mehrzweckhalle. Hier konnten sich die Geflüchteten aufwärmen, etwas essen, duschen oder Zähne putzen. Auch auf Corona getestet wurden die Menschen. Einen positiven Fall hätte es gegeben, sagt Meier. Die entsprechende Familie sei gleich in eine Wohnung in der Altstadt gebracht worden. „Generell haben wir die Menschen registriert und die Pässe kopiert und dann die Familien angerufen, die sich vorher bei uns gemeldet hatten, um die Geflüchteten zu verteilen“, so Meier. Dann sei alles recht schnell gegangen. „Innerhalb von zwei Stunden hatten wir alle Menschen untergebracht“, erzählt Marco Niezgoda. Der Tauchaer gehört mit Tobias Meier, Annelie Hampel von der Zeit-Tausch-Börse, Ordnungsamtsleiter Jens Rühling, Kämmerer Marcus Rietig und der in Taucha lebenden Russin Raja Kozlovskaja, die einen ukrainischen Ehemann hat, zum inneren Kreis der Tauchaer Helfer. Auch Marco Niezgoda hätte das Schicksal sehr berührt. „Für mich stand fest, dass ich was tun muss, die Hilfsbereitschaft der Tauchaer insgesamt hat mich umgehauen“, sagt er.

Mit einem kleinen Willkommenspaket, bestehend aus Corona-Tests, Masken, diversen Hinweisen und Infos zu Ärzten und anderen Ansprechpartnern wurden die 58 Geflüchteten auf 13 Familien verteilt. Fünf davon seien gleich im Laufe des Tages weiter gereist, unter anderem nach Heidelberg. Insgesamt sei es schwer, die Zahl der tatsächlich in Taucha angekommenen und bleibenden Ukrainern einzuschätzen. „Manche reisen gleich weiter, andere bleiben etwas länger. Die Zahl ist dynamisch, so wie die Lage allgemein“, so Meier. Über die Hilfe der Tauchaer ist er sehr froh. „Es macht mich stolz, erleben zu dürfen, wie hier der Zusammenhalt ist und Netzwerke geknüpft werden. Insgesamt könnten aktuell 200 Betten angeboten werden“, sagt der Bürgermeister. Auch aus Reihen der Wirtschaft gab es Hilfe: Die Gerichtsschänke habe Suppe und belegte Brötchen gebracht. Christian Breitmeier von New York Pizza (ehemals Flying Pizza) habe Pizzen geliefert. Eine Ärztin habe sich teilweise die Geflüchteten angeschaut, Mitarbeiter der Parthe Apotheke haben Rezepte eingelöst. „Manchen geht es nicht gut. Von einer Fußverletzung bis Fieber und Halsschmerzen ist alles dabei. Aber das bekommen wir hin“, so Meier. Ein Tauchaer Unternehmer hätte angeboten, er könne Prepaid-Karten für die Handys der Geflüchteten sponsern, weil deren Telefone hier nicht funktionieren.

So geht es weiter

Der Plan sei, die Geflüchteten erst mal ankommen und ausruhen zu lassen. „Am Dienstag treffen wir uns jeweils mit einem Vertreter der ukrainischen Familien, um abzuklären, ob sie bleiben oder weiterziehen wollen“, so Meier. Wer bleiben möchte, wird über das Landratsamt angemeldet und bekommt einen besonderen Schutzstatus zugesprochen. Darauf hatten sich die EU-Innenminister am Donnerstag verständigt. Ukraine-Flüchtlinge können nach der als historisch bezeichneten Entscheidung auch ohne Asylantrag für bis zu drei Jahre in der EU bleiben. Einige der Geflüchteten hätten den Wunsch geäußert, schon recht zügig arbeiten zu wollen.

Weiterhin Spenden nötig

Insgesamt seien auf das städtische Spendenkonto rund 15.000 Euro eingezahlt worden. Die Stadt bitte aber weiter um Spenden, um zielgerichtet für die ukrainischen Familien benötigte Dinge kaufen zu können. Insgesamt hätten sich teils „unglaubliche Dinge abgespielt“, berichtet Tobias Meier. Ich weiß von einer Tauchaer Familie, die extra zu IKEA gefahren ist, um ein neues Bett zu kaufen. Andere haben aktuell nicht genutzte Zimmer aufgeräumt und wohnlich eingerichtet. Die Tauchaer machen sich unglaublich viele Gedanken, das macht wirklich Mut“, so Meier. Viele helfende Familien hätten auch finanzielle Hilfe der Stadt vorerst abgelehnt und gesagt, die Menschen aus der Ukraine seien ihre Gäste und sie wollen für sie sorgen. „Das ist absolut tröstlich. Viele Tauchaer wollen aus ihrer Ohnmacht raus und haben sehr viel Motivation und den Willen, etwas zu tun. Das Ganze wird aber ein Marathonlauf“, so der Bürgermeister.

Spendenkonto:
Stadt Taucha
IBAN: DE77 8605 5592 1128 9028 65
BIC: WELADE8LXXX
Zweck: „Ukraine – Nachbarschaftshilfe Taucha“ 11.13.01.00 / 501102
Spendenquittungen können ausgestellt werden.

Viele Tauchaer seien in den vergangenen Tagen über sich hinaus gewachsen. Jetzt gehe es darum, aus den vergangenen Tagen zu lernen. Die bislang noch per Hand geführten Listen der Helfer und Hilfsangebote sollen digitalisiert werden. Und auch Tobias Meier selbst müsse sich nach diesem Wochenende etwas rausnehmen. „Vieles lief über mein Handy und meine Mailadresse. Das geht nicht ewig so weiter. Der erste Anruf heute war um 4.01 Uhr“, sagt er.

Eine nochmalige Aktion wie jetzt am Wochenende sei nicht ausgeschlossen. Dann aber konzertiert und besser abgestimmt auf den tatsächlichen Bedarf.

Benefizkonzert am 12. März

Am Sonnabend, den 12. März, gibt es in der St. Moritz-Kirche ein Benefizkonzert. Der Tauchaer Marcus Drabon wird mit seinem Cello und seiner Loop-Station bekannte Songs covern und auch Eigenkompositionen darbieten. Sängerinnen des Tauchaer Frauenchores „Die Chorifeen“ tragen einige Lieder bei und die 14-jährige Alina, ein junges Tauchaer Gesangstalent, wird mit einigen Liedern zu hören sein.

Sonnabend, 12.3., 18 Uhr
St.-Moritz-Kirche Taucha
Die Veranstaltung findet unter 3G-Regeln statt (bitte Nachweis vorzeigen), Pflicht zum Tragen einer OP-Maske
Eintritt: frei. Es wird eine Spende für die Unterstützung der Tauchaer Ukraine-Flüchtlinge gesammelt.

Fotos: Stadtverwaltung Taucha

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Veröffentlicht am 6. März 2022 um 20:54 Uhr.
Letzte Bearbeitung: 9. März 2022 um 21:44 Uhr.

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