90 Jahre Bäckerei Mohnhaupt: Morgens um halb drei redet niemand | Taucha kompakt

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Veröffentlicht am 27.08.2026 09:15

90 Jahre Bäckerei Mohnhaupt: Morgens um halb drei redet niemand

Nancy, Jenny, Paula und Thomas Mohnhaupt (v.l.) sind Teil einer 90-jährigen Unternehmergeschichte. (Foto: Daniel Große)
Nancy, Jenny, Paula und Thomas Mohnhaupt (v.l.) sind Teil einer 90-jährigen Unternehmergeschichte. (Foto: Daniel Große)
Nancy, Jenny, Paula und Thomas Mohnhaupt (v.l.) sind Teil einer 90-jährigen Unternehmergeschichte. (Foto: Daniel Große)

Um 2.30 Uhr morgens wird in der Kriekauer Straße schon gearbeitet. Gesprochen wird zu dieser Zeit allerdings noch nicht. „Keiner sagt ein Wort. Jeder weiß, was zu tun ist“, erzählt Chefin Nancy Meyer und lacht. Reden kann man später noch. Bis 6 Uhr muss erst einmal alles fertig sein, was in den beiden Läden der Bäckerei Mohnhaupt verkauft werden soll.

Brot, Brötchen und andere Backwaren entstehen in routinierten Abläufen. Jeder Handgriff sitzt. Erst wenn die wichtigsten Arbeiten erledigt sind, wird es etwas entspannter. „Ab sechs kommen dann die Sachen, für die man mehr Zeit hat. Kekse und solche Dinge.“ Erst dann wird auch das Radio eingeschaltet. Und gesprochen.

Vielleicht beschreibt kaum etwas besser, warum es die Bäckerei Mohnhaupt am 1. September seit genau 90 Jahren gibt: Jeder weiß, was zu tun ist. Und das seit inzwischen fünf Generationen.

Angefangen hat alles mit Max Mohnhaupt

Im Jahr 1936 begann die Geschichte des Familienbetriebes. Max Mohnhaupt, der Großvater von Thomas Mohnhaupt, baute das Haus in der Kriekauer Straße in Plösitz und legte damit den Grundstein für eine Bäckerei, die auch neun Jahrzehnte später noch immer genau hier produziert.

Heute ist Nancy Meyer die Inhaberin. Ihr Vater Thomas Mohnhaupt, inzwischen 69 Jahre alt und Vertreter der dritten Generation, hat sich trotzdem noch nicht vollständig aus der Backstube verabschiedet. Stundenweise arbeitet er weiterhin mit. Seine Passion: Die Erdbeerschnitten. „Die macht er am Liebsten selbst, das darf ihm niemand wegnehmen“, lacht Nancy.

Dass der Familienbetrieb nun tatsächlich seinen 90. Geburtstag feiern kann, macht ihn stolz. „Es gibt nicht mehr so viele Traditionsbetriebe“, sagt er. Und bei den Mohnhaupts sieht es sogar danach aus, als könnte die Geschichte noch ziemlich lange weitergehen.

Die fünfte Generation steht schon in der Backstube

Paula Meyer ist 20 Jahre alt, Nancys Tochter und damit die fünfte Generation der Familie. Im vergangenen Jahr hat sie ihre Ausbildung zur Bäckerin erfolgreich abgeschlossen. Dass sie einmal einen völlig anderen Beruf ergreifen könnte, war für sie offenbar nie eine besonders realistische Vorstellung. „Ich kenne es nicht anders und wollte auch nie was anderes“, sagt sie.

Ein ruhiger Bürojob? Nichts für Paula.

Am liebsten bäckt sie Brot und Brötchen. Bei einer anderen Disziplin hält sich die Begeisterung dagegen in Grenzen. „Torten mag ich nicht so, das ist mir zu filigran.“

Ihre Zukunft scheint trotzdem schon ziemlich genau geplant zu sein. Paula will später ihren Meister machen und irgendwann den Betrieb übernehmen. Eigentlich, sagt die Familie, sei das längst abgemacht. Paula zuckt mit den Schultern. „Klar, ich mach das!“
So einfach kann Unternehmensnachfolge manchmal klingen.

Thomas Mohnhaupts Passion: die Erdbeerschnitten. Den Tortenguss bringt er am Liebsten selbst auf, das lässt er sich von Tochter Nancy nicht nehmen. (Foto: Daniel Große)
Thomas Mohnhaupts Passion: die Erdbeerschnitten. Den Tortenguss bringt er am Liebsten selbst auf, das lässt er sich von Tochter Nancy nicht nehmen. (Foto: Daniel Große)
Thomas Mohnhaupts Passion: die Erdbeerschnitten. Den Tortenguss bringt er am Liebsten selbst auf, das lässt er sich von Tochter Nancy nicht nehmen. (Foto: Daniel Große)

„Am Ende wird es doch so gemacht wie immer“

Ganz ohne Diskussionen zwischen den Generationen läuft der Backstubenalltag allerdings nicht. Zwischen Nancy und Paula liegen 20 Jahre – und auch die Ausbildung hat sich verändert. „Man merkt schon, dass man manche Dinge in der Ausbildung heute anders lernt, als wir sie hier machen“, sagt Nancy. Paula bringt also durchaus neue Kenntnisse mit in den Betrieb.

Nur: Theorie und eine seit Jahrzehnten eingespielte Backstube sind zwei verschiedene Dinge „Letztlich kann man nur wenig Neues in den Alltag bringen“, sagen Mutter und Tochter schmunzelnd. „Am Ende wird es doch so gemacht, wie man es immer schon gemacht hat.“
Das ist bei Mohnhaupt allerdings weniger Stillstand als Prinzip. Denn gerade diese Beständigkeit ist Teil des Geschäftsmodells.

Ein einfacher Bäcker – ganz bewusst

Während in Taucha neue Supermärkte entstehen und große Backketten um Kundschaft kämpfen, will Familie Mohnhaupt gar nicht versuchen, jeden Trend mitzumachen. „Wir wuscheln uns durch gegen die großen Ketten und die neuen Einkaufstempel“, sagt Nancy Meyer.
Das klingt bescheidener, als es wohl gemeint ist. Denn die Familie weiß ziemlich genau, warum ihre Kunden kommen. „Wir haben unsere Stammkunden. Die kommen alle zurück, nachdem sie mal was Neues probiert haben.“

Mohnhaupt will deshalb bleiben, was Mohnhaupt seit Jahrzehnten ist: „Ein einfacher Bäcker ohne Experimente. Traditionell – das lieben die Kunden.“

Verkauft wird nicht nur im Stammhaus mit Backstube und Laden in der Kriekauer Straße. Ein zweites Geschäft betreibt die Familie in den Wyn-Passagen in Dewitz. Und auch dort ist die nächste Generation schon eingebunden. Nancys 16-jähriger Sohn Julian Meyer geht noch zur Schule, hilft aber beim Ausliefern der Backwaren. Mit seinem kleinen Motorroller kann er schnell reagieren. Fehlt im Laden in den Wyn-Passagen etwas, ist Julian kurzerhand unterwegs.

Eine echte „Familienbande“

Ohnehin funktioniert der Betrieb nur, weil viele mit anpacken. Nancys Schwester Jenny Mohnhaupt arbeitet im Verkauf. Thomas hilft weiterhin in der Backstube. Paula bäckt. Julian liefert aus. Nancy hält als Inhaberin die Fäden zusammen.

„Wir sind eine Familienbande“, sagt sie. „Wir stehen füreinander ein. Anders geht es nicht.“ Der Vorteil: Man kennt sich. Sehr gut sogar. „Jeder weiß, wie der andere tickt. Meist klappt das.“ Alle schmunzeln.

Mehr Büro, mehr Vorschriften – aber keine Sekretärin

Denn so romantisch ein traditionsreicher Familienbetrieb von außen wirken mag: Das Bäckerhandwerk besteht längst nicht nur aus Mehl, Sauerteig und einem warmen Ofen.

Vor allem in den vergangenen vier Jahren sei der Verwaltungsaufwand deutlich größer geworden, sagt Nancy Meyer. Buchhaltung, Digitalisierung, Hygienevorschriften, Vorgaben der Berufsgenossenschaft und immer neue bürokratische Anforderungen gehören inzwischen selbstverständlich zum Arbeitsalltag.

„Früher war das entspannter.“ Eine Sekretärin gibt es trotzdem nicht. „Das mache alles ich“, sagt Nancy. Neben Backstube, Personal, Verkauf und allem, was sonst noch zum Betrieb gehört.

Nach 35 Jahren kam ein neuer Ofen

Ganz ohne Veränderung geht es bei einem 90 Jahre alten Unternehmen selbstverständlich nicht. Seit dem 1. Juni arbeitet die Bäckerei mit einem neuen Elektroofen. Sein Vorgänger wurde mit Öl betrieben und hatte stolze 35 Jahre auf dem Buckel. Die Investition wurde über das Programm „Ausbau der Kapazität einer bestehenden Betriebsstätte – Europa fördert Sachsen“ unterstützt. Angesichts steigender Ölpreise eine bewusste Entscheidung, sagt Nancy.

Im Zuge der Arbeiten wurde auch die Backstube renoviert. Dafür blieb die Bäckerei eine Woche geschlossen. Trotz der neuen Technik gibt es in der Backstube weiterhin Maschinen aus den 1970er- und 1980er-Jahren. Sie funktionieren noch – und gehören inzwischen genauso zur Geschichte des Betriebes wie die Familie selbst.

90 Jahre – und die Geschichte geht weiter

Am 1. September werden es genau 90 Jahre. Vom Urgroßvater Max über mehrere Generationen bis zu Paula, die morgens um halb drei inzwischen genauso selbstverständlich in der Backstube steht wie ihre Mutter und ihr Großvater.

Vieles hat sich verändert. Die Technik ist moderner geworden. Die Vorschriften sind umfangreicher. Die Konkurrenz ist größer. Und manche Dinge werden in der Berufsschule inzwischen anders gelehrt als früher.

Anderes ist erstaunlich gleich geblieben: Früh aufstehen. Anpacken. Brot und Brötchen backen. Die Familie hält zusammen. Denn die Kunden sollen am Morgen das bekommen, weshalb sie seit vielen Jahren hier einkaufen.

Um 2.30 Uhr braucht man darüber nicht zu reden. Da weiß ohnehin jeder, was zu tun ist.



Daniel Große
Daniel Große
Daniel Große arbeitet seit 2001 als freier Journalist und berichtet hier zu allen Themen, die unsere Region bewegen. Infrastruktur, Blaulicht-Meldungen, Veranstaltungen, Neues aus den Rathäusern und vieles mehr veröffentlicht er hier. Schnell, kompakt und verständlich.

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