Für Marie Hämmerling und Emilia Schmidt begann die Berufsorientierung am Montagmittag nicht im Klassenzimmer, sondern zwischen gedeckten Tischen, Getränken und Kassensystem. Die beiden Schülerinnen der Klasse 7a der Oberschule Taucha besuchten das griechische Restaurant Syrtaki in Taucha und bekamen dort einen ersten praktischen Einblick in die Gastronomie.
Hintergrund des Besuchs ist die Praxisberatung an der Oberschule. Sie setzt noch vor der klassischen Berufsberatung an und soll den Schülern frühzeitig helfen, eigene Stärken, Interessen und mögliche Berufsfelder kennenzulernen. Das Syrtaki ist dafür neuer Kooperationspartner der Schule. Inhaber und Geschäftsführer Dimitrios Mihalaris zeigte den Jugendlichen, welche Aufgaben im Restaurantalltag anfallen und worauf es im Umgang mit Gästen ankommt.
Der 30-Jährige erklärte unter anderem, wie die Kasse funktioniert, wie ein Tisch richtig eingedeckt wird, wie Getränke eingeschenkt werden und wie Gäste aufmerksam und zuvorkommend bedient werden. Für die Schülerinnen war es ein Blick hinter die Kulissen eines Berufsbereichs, den viele zwar aus Sicht der Gäste kennen, dessen Abläufe aber deutlich umfangreicher sind.
„Es war interessant zu sehen, welche Aufgaben es gibt und wie man mit Gästen umgeht“, sagte Emilia Schmidt nach dem Einblick. Auch Marie Hämmerling nahm vor allem den Perspektivwechsel mit: „Man sieht hinter die Kulissen und merkt, was man alles machen muss. Bislang war es nicht so schwer.
Begleitet wird die Praxisberatung an der Oberschule von Zsuzsanna Kenéz. Sie ist – wie ihre Kollegin Manuela Merbach – beim Verein Christliches Jugenddorfwerk Deutschland (CJD) angestellt und arbeitet an der Schule daran, Schüler frühzeitig mit Ausbildungsbetrieben in Kontakt zu bringen. Ziel ist es, nicht erst kurz vor dem Schulabschluss über Berufe zu sprechen, sondern bereits vorher praktische Erfahrungen und realistische Eindrücke zu ermöglichen.
Ein Baustein dafür ist die Potenzialanalyse des CJD. Dabei entsteht ein Stärkenprofil, das anschließend mit den Schülern besprochen wird. Es geht darum, welche Interessen vorhanden sind, welche Fähigkeiten dazu passen und ob es bereits erste berufliche Vorstellungen gibt. „Wir arbeiten stärkenorientiert“, beschreibt Kenéz den Ansatz.
Der Besuch im Syrtaki ist Teil eines größeren Praxisangebots. Bereits im Februar gab es einen Schnuppertag, bei dem sechs Unternehmen beteiligt waren. Die Schüler wurden in Gruppen aufgeteilt und lernten verschiedene Betriebe und Berufe kennen. Marie Hämmerling war dabei unter anderem im St. Georg-Krankenhaus Leipzig und lernte dort unter anderem, wie man den Puls misst. Weitere Stationen waren etwa die Oper Leipzig, wo der Beruf des Veranstaltungstechnikers vorgestellt wurde, sowie Profiroll in Bad Düben und Bitzer in Schkeuditz. Beim nächsten Besuch in der Oper soll es in die Theaterwerkstatt gehen.
Der nächste Praxistag ist für Juli, in der letzten Schulwoche, vorgesehen. Im Mai folgt außerdem wieder die Youzubi-Messe an der Oberschule. Die Ausbildungsmesse bringt Unternehmen und Jugendliche direkt in der Schule zusammen und ergänzt damit die laufende Praxisberatung. Bei der Messe geht es nicht nur um Informationen, sondern auch um praktische Aufgaben und direkte Gespräche mit Betrieben.
Für die Oberschule Taucha entsteht damit Schritt für Schritt ein Netzwerk aus Partnern, das den Schülern verschiedene Berufswelten öffnet. Dass nun auch ein Restaurant aus der Stadt dazugehört, passt zum praktischen Ansatz der Berufsorientierung: Die Jugendlichen sollen nicht nur über Berufe lesen, sondern erleben, wie Arbeit im Alltag tatsächlich aussieht.