Wenn an diesem Wochenende beim Tauchscher auf Instagram oder Facebook Videos von der Festwiese, vom Rummel oder vom Feiern in der Innenstadt auftauchen, könnte darunter eine Stimme zu hören sein, die aus Taucha selbst kommt. Felix Wittke von Songstory hat eigens für das Stadtfest den Song „Das ist Taucha“ geschrieben, komponiert und eingesungen. Ein Lied über eine Stadt, in der für ihn vieles zusammenkommt: Natur, Gemeinschaft, Liebe – und natürlich das Feiern.
„Der Song ist aus dem Gefühl und der Liebe zu dieser Stadt und den Menschen entstanden, die diese Region zu dem machen, was sie ist“, sagt der 39-Jährige. „Vor allem aber wird der Zusammenhalt beim Tauchscher deutlich spürbar, weil hier viele Menschen an einem Strang ziehen“, meint Felix.
Bei Taucha kompakt soll „Das ist Taucha“ deshalb unter anderem als Musik für Reels vom Stadtfest zum Einsatz kommen. Auch bei der Stadt Taucha ist man bereits auf das Lied aufmerksam geworden und interessiert sich dafür.
Für Felix ist es allerdings nicht das erste Mal, dass er Erlebnisse, Gefühle und persönliche Geschichten in Musik verwandelt. Mit seinem Unternehmen songstory.de schreibt, komponiert und singt er individuelle Songs für andere Menschen – etwa für Hochzeiten, Geburtstage oder besondere Veranstaltungen.
Dass Musik einmal einen so großen Teil seines Lebens ausmachen würde, zeichnete sich früh ab. Bereits mit sechs Jahren brachte sich Wittke selbst das Klavierspielen bei. Unterricht hatte er nicht. Er probierte aus, hörte genau hin und blieb dran.
Musik war immer meine Triebfeder
Während der Schulzeit folgten zahlreiche Auftritte bei Talentfesten und Abibällen. Mit 16 Jahren wurde er Leadsänger der Schulband.
Nur mit dem Singen allein war es für ihn allerdings nicht getan. Auf der Bühne stellte sich bald ein ganz praktisches Problem: „Ich wusste nie, was ich mit meinen Händen machen soll.“ Also brachte er sich kurzerhand auch noch Gitarre bei.
Aus der Schulband wurde eine Formation, die auch nach dem Abitur weiterbestand. Es folgten zahlreiche Auftritte, bis Studium, Beruf und Umzüge die Mitglieder schließlich in unterschiedliche Richtungen führten. Viele verließen Leipzig, die gemeinsame Bandzeit endete.
Felix machte zunächst weiter Musik, allerdings deutlich zurückgezogener. Er spielte für sich selbst und gelegentlich auf Hochzeiten von Freunden. Beruflich schlug er einen ganz anderen Weg ein: Er lernte IT-Systemelektroniker.
Fast zehn Jahre lang blieb die Musik damit vor allem Leidenschaft und Begleiter im Hintergrund. Doch bei Feiern wurde Felix immer wieder gebeten, etwas Besonderes beizusteuern. Freunde oder Familienmitglieder wollten persönliche Lieder für Brautpaare oder Geburtstagskinder. So begann er, deren Geschichten in eigene Texte und Melodien zu verwandeln.
2017 entschied er, personalisierte Songs nicht nur für Bekannte zu schreiben, sondern deutschlandweit anzubieten. Nicht alle in seinem Umfeld hielten das für einen guten Plan. Auch aus der Familie und von seiner damaligen Partnerin habe es deutlichen Gegenwind gegeben, erinnert sich Felix.
Er machte trotzdem weiter.
Und die Idee funktionierte. Das Geschäft mit individuell geschriebenen Liedern entwickelte sich nach seinen Angaben sehr erfolgreich. Kunden erzählten ihm ihre Geschichte, Felix machte daraus einen Song.
Dann veränderte sich der Markt. Mit dem Aufkommen von KI-Anwendungen wurde es plötzlich möglich, innerhalb kürzester Zeit Texte und teilweise komplette Musikstücke automatisiert erzeugen zu lassen.
Für jemanden, dessen Angebot gerade vom Persönlichen und Handgemachten lebt, blieb das nicht ohne Folgen.
Das Menschgemachte sei dadurch stärker in den Hintergrund gerückt, sagt der Musiker. Sein bisheriges Geschäftsmodell wurde ausgebremst.
Ganz von der Musik verabschiedete er sich trotzdem nicht. Im Gegenteil. Mit Unterstützung seiner neuen Partnerin begann er wieder verstärkt auf das zu setzen, was künstliche Intelligenz nur schwer ersetzen kann: den persönlichen Auftritt vor Menschen.
Seit einigen Jahren steht Felix Wittke wieder regelmäßig auf Bühnen rund um Leipzig. Auf Hochzeiten, privaten Feiern und Veranstaltungen singt er bekannte Titel, verbindet die Auftritte aber weiterhin mit seiner eigentlichen Spezialität: individuellen Songs, die eigens für ein Brautpaar, eine Familie oder ein Event entstehen.
Genau darin liegt auch die Idee hinter songstory.de. Felix möchte nicht einfach einen beliebigen Song liefern, in den zwei Namen eingesetzt werden. Im Mittelpunkt soll die Geschichte der Menschen stehen, für die das Lied bestimmt ist.
Er lässt sich dafür erzählen, was sie miteinander verbindet, welche gemeinsamen Erinnerungen es gibt und welche Momente unbedingt vorkommen sollen. Daraus entwickelt er Text und Musik und singt das fertige Stück selbst ein.
Sein Anspruch beschreibt er so: Er wolle einen Song schaffen, den Menschen mit ihrem Partner, ihren Freunden oder ihrer Familie teilen können – und der bei ihnen ein tiefes Gefühl von Zusammenhalt auslöst.
Für den Tauchscher hat Felix dieses Prinzip nun auf eine ganze Stadt übertragen.
„Das ist Taucha“ erzählt nicht von einem einzelnen Paar oder einer Familie, sondern von dem Lebensgefühl, das der Tauchaer mit seiner Heimat verbindet. Von Menschen, die gemeinsam feiern, von Natur und Verbundenheit und von einem Stadtfest, das für drei Tage zeigt, wie viele Vereine, Ehrenamtliche, Unternehmen und Einwohner zusammenwirken können.
Damit ist der Song gewissermaßen ebenfalls eine personalisierte Auftragsarbeit – nur diesmal für rund 16.000 Tauchaer.