Wer gestern zwischen kurz vor 7 Uhr und Mittag an der Bürgerruhe vorbeikam, konnte dort eine kleine, bewusst provisorische Installation entdecken. Zwischen Pflaster und Steinflächen stand für einige Stunden eine Banner mit der Aufschrift „Pflanzen statt Pflaster”. Dahinter steckte eine gemeinsame Aktion der Klima-Initiative Taucha und von Bündnis 90/Die Grünen Taucha. Die Botschaft: Wo heute unnötig viel Fläche versiegelt ist, könnten künftig mehr Grün, Schatten und Versickerung entstehen.
Nach Angaben von Fridtjof Erbs von den Tauchaer Grünen war die Aktion schon länger geplant. Hintergrund sei der große Kreuzungsumbau an der Bürgerruhe im Jahr 2022. Damals sei aus Sicht der Initiatoren eine Chance vertan worden, die Fläche stärker zu entsiegeln und grüner zu gestalten. Vorschläge aus der Bürgerschaft seien seinerzeit mit Verweis auf den Bund als Bauherrn de facto nicht ermöglicht worden, so Erbs.
Gerade die vergangenen Hitzetage hätten noch einmal gezeigt, wie dringend die Stadt jede grüne und im besten Fall schattige Stelle brauche. „Wir wollten darauf hinweisen, dass Entsiegelung hier nicht nur optisch etwas verändern würde, sondern auch gut zu Tauchas Ambitionen als Schwammstadt passen könnte“, sagt Erbs. Eine entsiegelte Fläche könne Regenwasser besser aufnehmen, statt es nur oberflächlich abfließen zu lassen. Auch die kleine von der Verwaltung angelegte Pflanzinsel und der grüne Blumenkübel würden sich, so Erbs weiter, „in einer nicht ganz so steinigen Umgebung sicher wohler fühlen“.
Die Aktion an der Bürgerruhe soll kein Einzelfall bleiben. Laut Erbs ist geplant, in nächster Zeit auch an anderen aus Sicht der Initiatoren unnötig versiegelten Stellen im Stadtgebiet auf das Thema aufmerksam zu machen.
Als Vorbild nennen die Grünen und die Klima-Initiative die bundesweite Initiative „Abpflastern“. Der Wettbewerb wurde von der Hochschule für Gesellschaftsgestaltung in Koblenz initiiert und ruft Kommunen, Bürger, Vereine und Unternehmen dazu auf, versiegelte Flächen aufzubrechen, zu begrünen und die entsiegelten Quadratmeter zu sammeln. Die zweite Ausgabe läuft bis zum 31. Oktober 2026. Ziel ist es, mehr Flächen für Wasseraufnahme, Kühlung und Artenvielfalt zu schaffen.
Aus Sicht der Initiatoren wäre die offizielle Beteiligung der Stadtverwaltung an der Initiative Abpflastern ein naheliegender Schritt. Die Aktion an der Bürgerruhe sollte dafür offenbar ein erster sichtbarer Anstoß sein: klein im Umfang und der Frage an die Stadtgesellschaft, wie viel Grau sich Taucha künftig noch leisten will.