Im Rösl Gewerbepark am Pönitzer Dreieck gibt es einen Neuzugang. Becker Umweltdienste hat dort seinen neuen Firmensitz bezogen. Perspektivisch will das Unternehmen am Standort auch einen Wertstoffhof aufbauen. Das Angebot hängt allerdings noch von ausstehenden Genehmigungen ab. Zur symbolischen Übergabe am Donnerstag schaute auch Bürgermeister Tobias Meier vorbei.
Interessant ist das Unternehmen nach eigener Darstellung, weil Becker nicht einfach „Müll abholt“. Das Unternehmen sortiert gemischt gesammelte Abfälle, trennt Wertstoffe und Mineralik heraus und führt die gewonnenen Rohstoffe passenden Partnern zu. Dazu kommen Leistungen wie Gefahrstoffentsorgung, Aktenvernichtung sowie Havarie- und Industrieservice. Geschäftsführer Felix Wagner nennt als praktisches Beispiel auch Einsätze wie die Beseitigung von Ölspuren. Bei Havariefällen übernehme Becker zudem Aufgaben wie den Umgang mit kontaminiertem Boden. Als Beispiel erwähnte Wagner den Erdaustausch nach dem Bundeswehr-Hubschrauberabsturz bei Grimma im vergangenen Jahr.
Ein Thema, das dabei immer wieder eine Rolle spielt, sind Störstoffe wie Batterien und Akkus. Die könnten Brände in Entsorgungsanlagen auslösen. Becker will deshalb technologisch und manuell so viel wie möglich aussortieren, bevor Material ins Recycling geht.
Vorher saß Becker im Leipziger Industriegebiet Seehausen, musste das Gelände dort aber räumen. Der neue Investor habe für das Unternehmen keinen Platz mehr vorgesehen, sagte Wagner. Taucha sei nun eine Lösung, weil Becker für Industrie- und Gewerbekunden ein geeignetes und genehmigungsfähiges Grundstück braucht. Entsorgungsunternehmen seien auf vielen Flächen grundsätzlich ausgeschlossen.
Der Kontakt zur Firmengruppe Rösl bestand schon lange. Franz Rösl, Geschäftsführer der Firmengruppe, sagt, Becker sei seit über 25 Jahren Kunde im Rösl-Kompostwerk. Als klar wurde, dass Becker einen neuen Standort sucht, entschied sich Rösl sogar zum Verkauf des Geländes. Das sei eigentlich nicht der Regelfall, aber wichtig sei ihm, „gute Nachbarn“ zu haben. Monika Rösl, kaufmännische Geschäftsführerin, sprach bei der Übergabe von einer guten Perspektive für den Standort.
Becker Umweltdienste gehört zur Jacob Becker Gruppe, einem Familienunternehmen mit einer ziemlich skurrilen Historie. Die Wurzeln reichen bis 1898 in die Pfalz zurück. Damals wurde in Kaiserslautern mit Pferdefuhrwerken der Unrat von den Straßen geschafft. Becker ist seit 1990 in Sachsen aktiv und versteht sich als Flächenentsorger mit 17 Standorten im Freistaat und angrenzenden Bundesländern.
Zum Einstand gab es auch ein sichtbares Zeichen: Die Firmengruppe Rösl überreichte Becker einen Freundschaftsbaum, eine japanische Zierkirsche. Sie soll in Kürze durch beide Unternehmen gepflanzt werden. Bürgermeister Tobias Meier begrüßte die Ansiedlung und betonte, dass es keine reine Logistikansiedlung sei. Dafür gebe es in der Stadt auch nicht die Flächen. Mehrwert entstehe, wenn Unternehmen zusammenarbeiten und sich gegenseitig unterstützen.
Der Rösl Gewerbepark wird seit 2006 von der Firmengruppe Rösl entwickelt und betrieben. Rund 90 Unternehmen sind dort ansässig. Einzelne Flächen sind nach Angaben des Betreibers noch frei, darunter kleinere Büros und eine größere Lagerhalle. Ein Wachschutz ist rund um die Uhr vor Ort.