Blau und Gelb an Türen und Fliesen, sichtbares Holz an den Wänden und offen geführte Lüftungstechnik: Der Erweiterungsbau im Sport- und Freizeitzentrum an der Kriekauer Straße ist bereit für seine Nutzer. Am 1. Oktober wird das neue Gebäude auf der „Krieke“ mit geladenen Gästen offiziell eröffnet. Taucha kompakt hat sich vorab mit Gunnar Simon, Geschäftsführer der WOTa sowie der SG Taucha 99, im Haus umgesehen.
„Haus der Vereine“ nennt Simon den Neubau, der auf dem Gelände künftig als „Haus 1“ geführt wird. Auf rund 840 Quadratmetern Nutzfläche bietet er Umkleiden, Duschen, Sanitäranlagen, Büros und Gemeinschaftsräume. Die SG Taucha 99, der Leichtathletik-Club Taucha und die TSG 1861 Taucha erhalten damit mehr Platz für ihren Trainings- und Wettkampfbetrieb sowie die Vereinsarbeit. Hinzu kommen der Schul- und Freizeitsport.
Der Bedarf ist groß: Das bisherige Vereinsgebäude ist veraltet und angesichts der gestiegenen Nutzerzahlen zu klein. Schon während der Bauphase hatten die Vereine auf fehlende Umkleiden, Sanitäranlagen und geeignete Vereinsräume hingewiesen. Beim Richtfest Anfang April schilderte etwa LC-Präsident Uwe Kleine, dass seinem Verein weder sanitäre Anlagen noch Umkleiden zur Verfügung stünden. Auch das Vereinsbüro sollte aus der Jubisch-Halle auf die Krieke umziehen.
Bauherr des Erweiterungsbaus ist die GBV aus dem WOTa-Unternehmensverbund. Finanziert wird das Vorhaben mithilfe der Städtebauförderung im Programm „Lebendige Zentren“. Bei den Kosten zeichnet sich nach Simons Angaben eine Unterschreitung des geplanten Budgets ab. „Geplant waren 4,5 Millionen Euro, wir kommen bei 4,3 Millionen Euro raus“, sagt er.
Beim Rundgang wird deutlich, wie viele Anforderungen das neue Haus erfüllen soll. „Auf der Seite, die zur Straße zugewandt ist, haben wir Sozialräume, Umkleidekabinen und Duschen. Auf der anderen Seite sind Büros und Verwaltungsräume“, erläutert Simon. Die großen Kabinen bieten Platz für Schulklassen und Fußballmannschaften. Für die Großfeldteams stehen etwa 30 Quadratmeter große Umkleiden zur Verfügung. Hinzu kommen kleinere Kabinen, auch für Kleinfeldmannschaften. WCs und Duschen gehören jeweils dazu. Ein weiterer Raum dient sowohl als Schiedsrichterkabine als auch als Wettkampfbüro.
Viele Details orientieren sich am täglichen Betrieb einer Sportanlage. Es gibt einen Raum mit Waschmaschine und Trockner sowie einen Physio- und Notfallraum. Dort können Trainer ihre Wertsachen in Spinden einschließen. Auch für den Platzwart und die zentrale Geschäftsstelle verbessern sich die Arbeitsbedingungen.
Die Sanitärbereiche sind so angeordnet, dass sie unabhängig vom übrigen Haus genutzt werden können. „Bei Schulunterricht oder Schulveranstaltungen kann man von außen hineinkommen. Der Zugang zum Haus selbst ist dann geschlossen“, erklärt Simon. Bei größeren Veranstaltungen kann ein zusätzlicher Bereich mit weiteren Waschbecken geöffnet werden. Davon profitieren auch die Zuschauer bei Wettkämpfen und Fußballspielen.
Blau und Gelb ziehen sich durch die Gestaltung der Türen und Fliesen. Die Farben stehen sowohl für die Stadt als auch für die SG Taucha 99. Zugleich bleibt die Bauweise im Inneren ablesbar: Der Neubau entstand als Holzhybridkonstruktion, bei der Holz- und Betonelemente kombiniert werden. Sichtbare Holzflächen und die offen geführten Leitungen der Be- und Entlüftungsanlage prägen die Räume. In den Fluren ist die Lüftungstechnik dagegen nicht sichtbar. Beheizt wird das Haus über eine Fußbodenheizung.
Zwei nahezu identische Treppenhäuser erschließen das Gebäude. Ein kleiner Aufzug ermöglicht bei Bedarf den Zugang zum ersten Obergeschoss. Er wird per Schlüssel freigeschaltet. Was außen zunächst wie ein Balkon wirkt, ist dagegen keiner: Das vorspringende Bauteil lockert die Fassade auf und schützt zugleich den Eingangsbereich vor Regen.
Ein zentraler Treffpunkt soll der große Vereinsraum werden. Durch eine Panoramascheibe fällt der Blick direkt auf das Spielfeld. Die Vereine können hier zusammensitzen und sich austauschen. „Wie bei öffentlichen Sportstätten üblich, haben wir als GBV das Interieur bezahlt und regionale Firmen eingebunden“, sagt Simon. Die Küche stammt von Küchen Weidner. Jeder Verein erhält außerdem ein Büro für seine Trainer. Den Fitnessraum statten die drei Vereine selbst aus.
Weitere Möglichkeiten bietet der Gymnastikraum. Wie dieser künftig im Einzelnen belegt wird, steht zum Nutzungsbeginn noch nicht abschließend fest. „Wir wollen natürlich die bestmögliche Nutzung für die Vereine“, betont Simon. Denkbar wäre beispielsweise ein Kindersportangebot. Eine Grenze sei allerdings gesetzt: „Ausschließen müssen wir eine kommerzielle Nutzung aufgrund der Städtebauförderung.“
Zum Konzept gehören auch Maßnahmen für einen sparsameren Umgang mit Ressourcen. In den Toiletten werden Papierhandtücher und Toilettenpapier über Einzelblattspender ausgegeben, um Verschwendung vorzubeugen. Rund um das Haus wurde stellenweise vorhandenes Pflaster wiederverwendet. Bereits während der Bauphase wurde zudem eine Photovoltaikanlage auf dem Flachdach installiert.
Hinter dem Gebäude hat der Boule-Platz wieder seinen Platz gefunden. Die bisherige Anlage musste dem Neubau weichen und wurde nun neu angelegt. Der Freundeskreis Taucha Chadrac/Espaly nutzt sie nach Simons Angaben etwa sechsmal im Jahr.
Ein weiteres Vorhaben soll 2027 folgen. Weil Parkplätze vor allem bei größeren Fußballspielen knapp sind, ist eine Erweiterung vorgesehen. „Wir wollen Stellplätze auf der Fläche der ehemaligen Skateranlage errichten. Etwa 30 Stellplätze passen dort hin“, kündigt Simon an.