Das einstige Möbelhaus Kraft in Taucha öffnete heute inoffiziell neu als Möbel Höffner. Die Umflaggung hat sich die Krieger-Gruppe 25 Millionen kosten lassen. Das Interesse am Umbau war riesig. Zeitweise gab es ein Verkehrschaos rings um das Gelände und die verkleinerte Parkfläche war zumindest heute viel zu klein für alle Autos der Kunden.
Kurz nach 10.23 Uhr kam am heutigen Vormittag die Baufreigabe, wenig später standen im nahezu fertigen Haus die ersten Verantwortlichen vor Medienvertretern. Schnell war klar: das Einrichtungshaus an der A14 ist nach knapp einem halben Jahr Umbau praktisch ein Neubau geworden.
Bei der Pressekonferenz war auch Kurt Krieger anwesend, Unternehmer und Gründer der Möbelkette Höffner. Der 78-Jährige skizzierte seinen Weg nach Mitteldeutschland. Nach der Wende habe er zunächst in Leipzig investieren wollen. Dort habe er jedoch wenig Interesse gespürt. Sein Weg führte ihn deshalb nach Halle und schließlich nach Günthersdorf. Dort sei noch zu DDR-Zeiten die Genehmigung für ein Höffner-Haus erteilt worden. 1991 wurde in Günthersdorf eröffnet. Heute befinden sich dort nach Kriegers Angaben außer dem Möbelhaus auch die Internet- und Kommissionslager. Der Standort werde aktuell ausgebaut. Dafür flössen weitere 50 Millionen Euro. Rund 1000 Menschen arbeiteten dort für das Unternehmen.
Für den Standort Taucha habe man sich bewusst entschieden, obwohl das alte Haus „in die Jahre gekommen“ gewesen sei. „Natürlich hätten wir das olle Haus hier auch schließen können, aber das wäre nicht so schön“, sagte Krieger. Stattdessen habe Höffner investiert. Insgesamt seien rund 25 Millionen Euro in den Umbau und Ausbau geflossen. Das Geld steckt in Lüftung, Elektro, Böden, Decken, Dach, neue Fassade und Außenanlagen, so Krieger.
Aus Sicht des Unternehmens ist das Ergebnis ein vollständig modernisiertes Einrichtungszentrum mit vier Etagen und gut 30.000 Quadratmetern Verkaufsfläche. Das Haus soll mit optimierter Wegeführung, einem überarbeiteten Sortiment und moderner Präsentation stärker auf Kundenbedürfnisse zugeschnitten sein. Prägendes Markenzeichen ist ein weithin sichtbares, rotes Portal. Für die Montage seien zwei Kräne mit jeweils 500 Tonnen Tragkraft nötig gewesen.
Joachim Hoffmann, Geschäftsführer von Höffner, betonte, wer das neue Haus mit dem typischen roten Tor sehe, werde kaum glauben, dass dort noch vor Kurzem das alte Möbel-Kraft-Haus stand. Hausleiter Bodo von Derschau verwies auf die Herausforderungen des Winters. Kälte, Schnee, Eisglätte und sogar Stromausfälle hätten die Arbeiten erschwert. Viele Gewerke hätten zeitweise parallel arbeiten müssen, um den Termin zu halten.
Bei der Führung durch das Gebäude zeigte Sebastian Lüders aus der Vertriebsleitung die Abteilungen und mehrere Neuerungen. In der Küchenwelt setzt Höffner nach eigenen Angaben auf 3D-Planung, Beratung und Vermessung. Dazu kommt ein Kompetenzcenter, in dem Kunden Spülen, Fronten, Arbeitsplatten und Armaturen vergleichen können. Für Aufbau und Montage will Höffner Fachkräfte gewinnen und ausbilden. Krieger sagte, man bilde dafür auch Tischler aus.
Im Erdgeschoss ist ein neues Ausstellungskonzept umgesetzt. Dort finden Kunden Haushaltswaren, Geschenkartikel, Bettwaren, Gardinen, Lampen und Elektroartikel. Ergänzt wird das Sortiment durch eine Boutique-Abteilung mit vielen Geschenkideen. Krieger warb zugleich mit günstigen Preisen bei Kochtöpfen, Pfannen und Textilien wie Bettwäsche und Bettdecken.
Neu ist außerdem eine Dauer-Gartenmöbelausstellung in der ersten Etage, die ganzjährig Inspiration für Balkon, Terrasse und Garten bieten soll. Ein Outlet mit Auslaufmodellen und Einzelstücken ist ebenfalls Teil des Konzepts. Lüders verwies zudem auf einen „Markt“-Bereich rund ums Möbelstück. Dieses Konzept sei in den vergangenen zwei Jahren entwickelt und in Dresden bereits erprobt worden. In Taucha sei es nun in der finalen Form umgesetzt.
Ein Punkt, den Höffner in einer Pressemitteilung besonders herausstellt, ist die Eigenproduktion. Unweit des Standorts werden nach Unternehmensangaben im Höffner-Möbelwerk Möbel millimetergenau gefertigt und auch für komplizierte Raumsituationen geplant. Auch Marken spielen im Haus eine Rolle. Genannt wurden unter anderem Jette Home. Zudem hieß es, die Küchenmarke Alno gebe es nur noch bei Höffner.
Der Außenbereich wurde ebenfalls überarbeitet. Laut Höffner stehen nun 400 Parkplätze zur Verfügung. Dazu kommen acht E-Ladestationen. Durch die Neugestaltung seien zusätzliche Grünflächen entstanden. In der Praxis zeigte sich am heutigen Vormittag aber auch die Kehrseite des Andranges. Zeitweise kam es rund um das Gelände zu Verkehrschaos. Die Parkplätze waren schnell voll. Für die inoffizielle Neueröffnung war der verkleinerte Parkplatz zumindest heute zu klein.
Personell wächst der Standort deutlich. Die Mitarbeiterzahl sei von 45 auf 100 gestiegen, teilte das Unternehmen mit. Die neuen Mitarbeiter kommen demnach aus der Region, wurden über die hauseigene Akademie qualifiziert und sammelten praktische Erfahrungen in anderen Häusern. Bodo von Derschau ist als Hausleiter für das Team verantwortlich.
Tauchas Bürgermeister Tobias Meier ordnete die Wiedereröffnung als wichtiges Signal ein. Höffner sei ein Anker für wirtschaftliche Stabilität und den Handel, sagte Meier. Viele Mitarbeiter arbeiteten seit Jahrzehnten am Standort, teils noch aus Zeiten von Möbel Walter und Möbel Kraft. Wichtig sei, dass sich Kurt Krieger klar zum Standort bekannt habe. Ein leerstehender Bau dieser Größe wäre schwer vorstellbar. Meier bezeichnete Höffner zudem als verlässlichen Wirtschaftspartner und auch als wichtigen Gewerbesteuerzahler.
Auf Fragen zur Lage großer Handelsstandorte ging Krieger offensiv ein. Große Einkaufszentren seien keineswegs „vorbei“, sagte er. Die von seiner Gruppe betriebenen Center liefen gut. Technischen Leerstand von etwa 300 Quadratmetern gebe es zwar immer. Häufig lägen Probleme aber in der Anfangsphase, etwa an zu hohen Mieten oder falschen Standorten. Den Möbelhandel treffe der Strukturwandel dennoch. Krieger sprach von 25 Prozent Umsatzverlust im Handel. Entscheidend seien am Ende Beratung und Vielfalt.
Die Zukunft der Marke Möbel Kraft ließ Kurt Krieger offen. Seit 23. Februar ist das Kraft-Haus in Halle-Peißen geschlossen. Es werde umgebaut, heißt es auf der Website. Laut einem Medienbericht werde aber auch dieser Kraft zu einem Höffner, zudem würde ein Sconto-Markt entstehen. Damit gebe es nur noch in Berlin, Bad Seegeberg und Buchholz insgesamt drei Möbel Kraft. Der Markt in Elxlebe bei Erfurt schließt zum 31. März. Ob die Marke komplett verschwinde, sage Krieger noch nicht. „Rufen Sie mich an meinem Geburtstag, dem 2. April an”, scherzte er.
Auch politische Fragen kamen auf. Das Redaktionsnetzwerk Deutschland hatte recherchiert, dass die Krieger-Gruppe 18.000 Euro an die AfD gespendet haben soll. Bastian Raabe, Journalist der Leipziger Volkszeitung, fragte nach den Gründen. Krieger sagte dazu, über das Warum äußere man sich grundsätzlich nicht. Vor Wahlen gebe es immer Anfragen. Das habe nichts mit einer politischen Einstellung zu tun. Das Unternehmen sehe sich politisch neutral, zudem gehöre die Firma inzwischen seiner Tochter. Schlussfolgerungen über eine „Geisteshaltung“ des Unternehmens wies er zurück.
Neben dem Möbelhaus könnte Taucha noch in diesem Jahr eine weitere, bekannte Adresse bekommen. Krieger kündigte an, auf dem Gelände zusätzlich ein Restaurant bauen zu wollen. Als Vorbild nannte er Konzepte wie „60 Seconds to Napoli“ oder „L’Osteria“. Mit beiden Ketten habe er bereits gesprochen. Es gebe Interesse. Wer den Zuschlag erhalte, stehe noch nicht fest.
Für die offiziellen Eröffnungstage kündigt Höffner ein umfangreiches Programm an. Geplant sind unter anderem Aktionen wie Glücksrad und „Cashbox“, außerdem DJ, Showkochen, KI-Fotobox und Kinderprogramm. Auch Sonderkonditionen werden beworben, etwa Rabatte für Kundenkarteninhaber sowie Aktionspreise im Küchenbereich.