Die personelle Weiche für den neuen Fachbereich Bürgerdienste der Stadt Taucha ist gestellt: René Matschewski soll zum 1. Januar 2027 dessen Leitung übernehmen. Der 41-Jährige aus Kletzen bei Krostitz wurde am Donnerstagabend im Stadtrat vorgestellt. Anschließend stimmte das Gremium über die Besetzung ab. 16 Stadträte votierten dafür, vier enthielten sich, Gegenstimmen gab es nicht.
Die Stelle war vom 30. Juli bis 31. August öffentlich ausgeschrieben worden. Nach Angaben aus der Sitzungsvorlage gingen 17 Bewerbungen ein, fünf Bewerber wurden zu Vorstellungsgesprächen eingeladen. Daran waren Vertreter der Verwaltung, des Personalrates und der Stadtratsfraktionen beteiligt. Die Verwaltung bewertete Matschewski nach Eignung, Befähigung und fachlicher Leistung als geeignetsten Bewerber.
Die Besetzung steht am Ende eines längeren Umbauprozesses innerhalb der Stadtverwaltung. Auslöser dafür war auch die öffentliche Diskussion rund um das Bußgeldverfahren gegen den Feuerwehrmann Ray Lange. Der Fall hatte weit über Taucha hinaus für Aufmerksamkeit gesorgt und Fragen zu internen Abläufen, Zuständigkeiten und zum Umgang mit der Freiwilligen Feuerwehr aufgeworfen.
Bereits im März hatte Bürgermeister Tobias Meier den Bereich Brandschutz, Freiwillige Feuerwehr sowie Zivil- und Katastrophenschutz aus dem Fachbereich Öffentliche Sicherheit und Soziales herausgelöst und direkt seinem Bereich zugeordnet. Die Stadt begründete diesen Schritt damals mit dem Ziel, die Abstimmung zwischen Verwaltung und Feuerwehr enger zu gestalten und eine unmittelbare Ansprechbarkeit auf Leitungsebene sicherzustellen.
Später kündigte Meier eine umfassendere Neuordnung an. Der bisherige Fachbereich Öffentliche Sicherheit und Soziales soll zum 1. Januar 2027 im neuen Fachbereich Bürgerdienste aufgehen. Dort werden unter anderem Einwohnermeldeamt, Gewerbeamt, Bürgerbüro, Standesamt, Straßenverkehrsbehörde, Bußgeldstelle, Gemeindevollzugsdienst sowie Brandschutz, Feuerwehr und Katastrophenschutz gebündelt. Der bisherige Fachbereichsleiter Jens Rühling tritt zum 30. Juni 2027 in den Ruhestand. Die Stadt entschied deshalb, die neue Leitung bereits zum Jahresbeginn 2027 zu besetzen.
Meier hatte bei der Vorstellung der neuen Struktur eingeräumt, dass der Fall Lange Verbesserungsbedarf sichtbar gemacht habe. Einzelne Fachverfahren und interne Abläufe müssten verbessert werden. Die Stadt wolle Zuständigkeiten klarer bündeln, Prozesse genauer beschreiben und digitale Arbeitsabläufe weiterentwickeln.
René Matschewski stellte seinen beruflichen Weg im Stadtrat selbst vor. Nach seiner Ausbildung wurde er zum Wehrdienst eingezogen und blieb insgesamt zwölf Jahre bei der Bundeswehr. Als Feldjäger war er unter anderem in der Dienstgruppenführung tätig, wurde im Personenschutz ausgebildet und arbeitete als Ausbilder für waffenlose Selbstverteidigung. Auch an Auslandseinsätzen nahm er teil.
Nach seiner Zeit bei der Bundeswehr wollte Matschewski seine Erfahrungen im Bereich Sicherheit und Ordnung in eine zivile Tätigkeit übertragen. Er bewarb sich bei der Stadt Delitzsch, absolvierte dort die Ausbildung zum Verwaltungsfachangestellten und anschließend eine Weiterbildung zum Verwaltungsfachwirt.
In Delitzsch baute er später nach eigenen Angaben das Sachgebiet Bußgeldstelle, Vollzugsdienst und Bürgerbüro mit auf. Dieses leitet er bis heute und trägt dort fachliche Verantwortung für zehn Mitarbeiter. Im Stadtrat berichtete er, in diesem Bereich verschiedene Standards eingeführt und das Sachgebiet rechtssicher aufgebaut zu haben.
Auch bei besonderen Sicherheitslagen sammelte Matschewski Erfahrungen. Beim Besuch des Bundespräsidenten in Delitzsch sei er für Fragen der Sicherheit und Ordnung zuständig gewesen und habe die Vorbereitung und Durchführung begleitet.
Mit 40 Jahren habe er sich die Frage gestellt, ob er auf seiner bisherigen Stelle bleiben oder mehr Verantwortung übernehmen wolle, sagte Matschewski bei seiner Vorstellung. Gemeinsam mit seiner Familie habe er sich für den nächsten beruflichen Schritt entschieden. Wichtig sei ihm gewesen, im Landkreis Nordsachsen zu bleiben. Er verfüge bereits über gute Kontakte unter anderem zum Landratsamt, zur DEKRA und zum Amtsgericht Eilenburg. Die Ausschreibung in Taucha sei deshalb für ihn zur passenden Gelegenheit gekommen.
Für den neuen Fachbereich formulierte Matschewski im Stadtrat bereits ein klares Ziel. Er wolle einen Bereich schaffen „mit klaren Strukturen, klaren Zuständigkeiten“, in dem die Mitarbeiter gern arbeiten und auch die Bürger einen Mehrwert erkennen könnten. Er freue sich auf Taucha und auf die Zusammenarbeit.
Matschewski ist 41 Jahre alt, lebt mit seiner Familie in Kletzen bei Krostitz und hat zwei Töchter. Als Ausgleich nannte er Gartenarbeit, Fitness und Fahrradfahren.
Im Rahmen des Tagesordnungspunkts „Anfragen der Stadträte” meldete sich Stadtrat Klaus Hofmann von der AfD zu Wort. Seine Fraktion hatte sich bei der Wahl enthalten. Hofmann betonte, dies habe sich nicht gegen René Matschewski gerichtet. „Das richtete sich gegen das Verfahren. Wir hätten gern alle Bewerber kennengelernt“, sagte er. Das Auswahlverfahren sei aus seiner Sicht nicht „sauber“ gelaufen.
Bürgermeister Tobias Meier wies die Kritik zurück. Alle Fraktionen seien in das Verfahren einbezogen worden, auch im Ältestenrat sei das Vorgehen besprochen worden. Für künftige Auswahlverfahren könne man dennoch prüfen, ob es Möglichkeiten zur Prozessoptimierung gebe.
Aus anderen Fraktionen war anschließend zu hören, dass die AfD dem vereinbarten Auswahlverfahren zuvor selbst zugestimmt habe. Zudem habe die Fraktion einen Vertreter in die Auswahlrunde entsandt, der das Verfahren und die daraus hervorgegangene Entscheidung im vorangegangenen Ausschuss ohne Widerspruch mitgetragen habe.
Mit der Entscheidung ist die Führung des neuen Fachbereichs damit bereits mehrere Monate vor dessen Start geklärt. Für die Bürger soll sich ab Januar vor allem die Verwaltungsstruktur ändern: Zahlreiche Dienstleistungen, die bislang über verschiedene Bereiche des Fachbereichs Öffentliche Sicherheit und Soziales organisiert werden, sollen künftig unter dem Dach der Bürgerdienste gebündelt werden. Die Stadt erhofft sich damit, Verwaltungsabläufe klarer und bürgerfreundlicher zu gestalten.
Für René Matschewski beginnt damit zum Jahreswechsel eine Aufgabe, die über die reine Leitung eines Verwaltungsbereichs hinausgeht. Der neue Fachbereich entsteht nach einer Phase, in der insbesondere Abläufe bei Ordnungsamt und Feuerwehr stark öffentlich diskutiert wurden. Sein eigener Anspruch für den Start fällt entsprechend knapp aus: klare Strukturen, klare Zuständigkeiten und ein Fachbereich, dessen Arbeit auch für die Bürger sichtbar einen Nutzen bringt.