Nach dem Ende der Verkehrsversuche an der Regenbogenschule und an der Grundschule Am Park war es öffentlich ruhiger um das Thema Schulwegsicherheit geworden. Der Eindruck eines Stillstands täuscht jedoch. Während die Klima-Initiative Taucha mit einer Petition erneut Druck für Zebrastreifen in Schulnähe macht, laufen im Hintergrund schon länger Gespräche zwischen Stadtverwaltung, Schulen, Elternvertretern und Fördervereinen. An der Grundschule Am Park soll nun eine erste dauerhafter Lösung umgesetzt werden.
Die Petition der Klima-Initiative Taucha richtet sich an Stadtverwaltung und Stadtrat. Gefordert werden insbesondere Fußgängerüberwege. Als problematische Stellen nennt die Initiative unter anderem die Glockentiefe an der B87, den Bereich Klebendorfer Straße/Rudolf-Breitscheid-Straße an der Regenbogenschule und Oberschule sowie die Geschwister-Scholl-Straße/Marktstraße. „Wir wollen das Thema nochmals in das Bewusstsein der Stadtverwaltung und Stadträte holen“, sagt Cathleen Stiehler von der Klima-Initiative Taucha.
Die Initiative verweist dabei auf die geänderte Straßenverkehrsordnung und die neue Verwaltungsvorschrift zur StVO. Diese erleichtern nach Einschätzung von Fachverbänden die Anordnung von Fußgängerüberwegen und Tempo-30-Regelungen an sensiblen Stellen. Für Fußgängerüberwege ist demnach nicht mehr in jedem Fall eine qualifizierte Gefahrenlage erforderlich. Sie können stärker als Instrument der Fußverkehrsförderung und Schulwegsicherung betrachtet werden. Ganz einfach ist die Umsetzung dennoch nicht. Barrierefreiheit, Beleuchtung, Lage, Sichtbeziehungen, Haltestellen und die Zuständigkeit des jeweiligen Straßenbaulastträgers bleiben entscheidende Punkte.
Helge Zacharias, Fachbereichsleiter Bauwesen im Rathaus, verweist auf die Zuständigkeiten: „In der Petition werden Straßen aufgelistet, die gar nicht in unserem Bereich liegen“, sagt Helge Zacharias, Leiter des Fachbereichs Bauwesen im Rathaus. Für mögliche Maßnahmen an der B 87 gebe es aber bereits Gespräche. Planer des Landesamtes für Straßenbau und Verkehr sollten sich mit dem Thema beschäftigen. Ein solcher Prozess sei allerdings langwierig, definitiv befinde man sich aber in Gesprächen und Lösungsansätzen, so Zacharias.
An der Grundschule Am Park ist die Stadt nach Darstellung von Zacharias bereits deutlich weiter. Dort hatte es im Herbst einen Verkehrsversuch an der Zufahrt zur Festwiese gegeben. Ein Teil der Einfahrt war als provisorischer Fußweg abgesperrt worden. Gleichzeitig wurde die Verkehrsführung auf dem Parkplatz verändert, sodass Fahrzeuge nicht mehr an derselben Stelle ein- und ausfahren sollten. Ziel war es, Begegnungsverkehr mit Autos und Schulkindern zu vermeiden.
Diese Grundidee soll nun baulich verstetigt werden. „Wir werden einen Kreisverkehr einführen“, sagt Zacharias. Gemeint ist keine Kreisverkehrsanlage im klassischen Sinn, sondern eine Einbahn-ähnliche Verkehrsführung auf dem Parkplatzbereich: Die Zufahrt bleibt an der bisherigen Stelle bestehen, herausgefahren wird künftig über den kleineren Parkplatz an der Straße. Zudem soll der Fußweg entlang der Einfahrt fest gebaut werden. Die Einfahrt werde dadurch schmaler, allerdings nicht ganz so stark wie während des Modellversuchs. „Wir gehen davon aus, dass man das dann besser sieht, weil ja auch ein Bordstein realisiert wird“, so Zacharias. Die Eltern erhofften sich davon eine Verkehrsberuhigung.
Umgesetzt werden soll die Maßnahme nach Angaben der Verwaltung in den Sommerferien. Die Beauftragungen liefen derzeit.
Für den Förderverein der Grundschule Am Park ist diese Lösung ein „erster erfreulicher Schritt“, wie Susanne Troeger, Vorsitzende des Vereins, gegenüber Taucha kompakt sagt: „Wir hatten am 19. Mai einen weiteren Vor-Ort-Termin mit Bürgermeister Tobias Meier und Mitgliedern der Verwaltung. Darüber waren wir sehr dankbar, weil das ein wichtiges Signal war, dass wir weiter gehört werden“, so Troeger. Besprochen worden sei dort der feste Fußweg sowie eine neue, getrennte Ausfahrt. Dass diese nun nicht kommt, sei schade, aber angesichts der Haushaltssituation nicht zu ändern, so der Förderverein. Mit dem festen Fußweg und der Trennung der Verkehre habe man zunächst einiges erreicht.
Offen bleibt aus Sicht der Eltern weiterhin die Frage eines Fußgängerüberwegs. Der sinnvollste Ort wäre nach Einschätzung Troegers dort, wo die Kinder tatsächlich laufen: auf der direkten Verbindung von der Schule zur Mehrzweckhalle. Allerdings könne auch hier das Problem bestehen, dass die mögliche Querungsstelle zu nah an der Bushaltestelle liegt. ‚
Ein ähnliches Argument spielt auch an der Klebendorfer Straße bei der Regenbogenschule eine Rolle. Dort prüft die Verwaltung weiterhin einen Fußgängerüberweg. Laut Zacharias hängt daran allerdings mehr als das Aufbringen weißer Streifen auf die Fahrbahn plus der nötigen Beleuchtung. „Wir müssten eine Bushaltestelle verlegen. Wenn wir dies tun, muss die dann aber barrierefrei werden. Zudem müsste mindestens ein Baum gefällt werden“, so Helge Zacharias. All das verursacht größere Kosten und macht eine schnelle Lösung schwieriger. Man sei aber in konkreten Gesprächen mit den Elternvertretern und dem Förderverein. Letztlich hänge die Umsetzbarkeit an der Darstellbarkeit im Haushalt.