Tauchaer Möbelrestaurator geht mit Werkstattvideo viral | Taucha kompakt

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Veröffentlicht am 13.05.2026 17:33

Tauchaer Möbelrestaurator geht mit Werkstattvideo viral

Der Tauchaer Falk Breitenborn ging auf Instagram viral - vor allem aufgrund seiner ruhigen Erklärungen an einen Schülerpraktikanten. (Foto: Daniel Große)
Der Tauchaer Falk Breitenborn ging auf Instagram viral - vor allem aufgrund seiner ruhigen Erklärungen an einen Schülerpraktikanten. (Foto: Daniel Große)
Der Tauchaer Falk Breitenborn ging auf Instagram viral - vor allem aufgrund seiner ruhigen Erklärungen an einen Schülerpraktikanten. (Foto: Daniel Große)

Ein kurzer Moment an der Drechselbank, ein Fehler beim Drechseln und eine ruhige Reaktion: Mit einem Video aus seiner Werkstatt hat Falk Breitenborn aus Taucha bei Instagram überraschend ein Millionenpublikum erreicht. Dabei geht es nur auf den ersten Blick um ein Stück Holz. Viele Menschen sehen in dem Reel vor allem ein Beispiel dafür, wie Ausbildung und Handwerk heute funktionieren könnten.

Ein Werkstattvideo des Tauchaer Möbelrestaurators Falk Breitenborn sorgt derzeit auf Instagram für ungewöhnlich große Resonanz. Breitenborn, 59 Jahre alt, ist seit 2008 mit seiner Möbelaufarbeitung „Bei Eder“ selbstständig. In seiner Werkstatt beschäftigt er sich mit Möbelaufbereitung, Restaurierung und bietet Kurse für Jung und Alt. Dass ausgerechnet ein kurzer Ausschnitt aus einem Schülerpraktikum viral gehen würde, hatte er nicht erwartet.

Das Video zeigt Niclas, einen 15-jährigen Tauchaer, während eines einwöchigen Schülerpraktikums. Er steht an der Drechselbank und bearbeitet ein Holzstück. Dann passiert, was beim Lernen passieren kann: Das Röhreneisen wird etwas zu steil angesetzt. Ein größeres Stück Holz bricht heraus. Breitenborn lässt die Maschine stoppen. Statt laut zu werden, erklärt er ruhig, was passiert ist und dass das kein Problem sei. Schließlich sagt er zu Niclas: „Du hast es im Griff, die Maschine nicht!“

Genau dieser Umgangston trifft offenbar einen Nerv.

Das Reel wurde am vergangenen Sonntag gegen 10.30 Uhr veröffentlicht. Gedreht worden war es bereits am Freitag, als Niclas in der Werkstatt war. Breitenborn hatte die Szene zunächst zu Dokumentationszwecken aufgenommen. Dass der veröffentlichte Beitrag eine solche Reichweite entwickelt, sei nicht geplant gewesen.

Am Nachmittag habe er erneut auf Instagram geschaut. Da habe das Video bereits rund 500 Likes gehabt. „Ich habe es gar nicht gefasst“, sagt Breitenborn. Danach sei es weitergelaufen und nicht mehr aufzuhalten gewesen. Er habe zu seiner Frau gesagt: „Hier stimmt doch was nicht.“ Doch die Zahlen stimmten tatsächlich.

Bis heute Mittag kam das Video nach seinen Angaben auf rund 1,3 Millionen Aufrufe, etwa 22.000 Likes, mehr als 1000 Reposts beziehungsweise Teilungen und über 360 Kommentare. Der Instagram-Kanal von „Bei Eder“ wuchs in kurzer Zeit von etwa 250 auf mehr als 900 Abonnenten.

Viele Kommentare drehen sich weniger um den technischen Fehler an der Drehbank als um die Art, wie Breitenborn darauf reagiert. Ein Nutzer schreibt: „‚Du hast es im Griff, die Maschine nicht.‘ Was für ein starker Satz!“ Andere kommentieren: „Wenn das mal so in einer Ausbildung laufen würde“, „Wundervoll, wie du mit ihm umgehst“ oder „So bildet man respektvoll jemanden aus.“

Auffällig oft beziehen sich Nutzer auf eigene Erfahrungen in der Ausbildung. Einige schreiben, sie seien früher angeschrien worden, wenn etwas nicht funktionierte. Andere erinnern an Sätze wie „Lehrjahre sind keine Herrenjahre“. Eine Nutzerin kommentiert: „Mit Angst lernt man nicht gut.“ Wieder andere schreiben, sie hätten bei so einem Ausbilder vielleicht mehr Spaß an ihrer Ausbildung gehabt oder diese womöglich nicht abgebrochen.


„Ich versuche, auf Augenhöhe zu sein“

Falk Breitenborn

Breitenborn selbst reagiert auf viele Kommentare persönlich. Als ihn jemand als guten Lehrmeister bezeichnet, antwortet er: „Danke, den Lehrmeister lasse ich draußen. Ich versuche, auf Augenhöhe zu sein.“ An anderer Stelle schreibt er: „Wenn du die Stärken förderst, dann läuft alles auf der richtigen Spur.“

Damit beschreibt er auch seinen eigenen Ansatz. Er verstehe sich als pragmatischer Mensch, sagt Breitenborn. „Einfach machen“, sei seine Haltung. Schüler kämen in die Werkstatt und fragten, ob sie etwas ausprobieren könnten. Genau daraus sei auch die Situation mit Niclas entstanden.

Für Breitenborn zeigt die Resonanz, dass Interesse am Handwerk wieder auflebt. „Trotz Social Media und Bürojobs“, sagt er. Man müsse antizyklisch denken. Wenn es einer Branche gerade schlecht gehe, könne genau das der richtige Moment sein, einzusteigen. „Denn alles kommt wieder.“ Alte Möbel seien für viele Menschen weiterhin interessant. Und ein Handwerksberuf sei gerade jetzt „Gold wert“.

Das Video löst dabei nicht nur Zustimmung zur Ausbildungskultur aus. Es weckt auch konkretes Interesse am Handwerk selbst. In den Kommentaren fragen Nutzer nach der Maske, nach Handschuhen, nach dem Werkzeug, nach der Haltung des Meißels und danach, warum das Holz an dieser Stelle ausbricht. Andere schreiben, sie hätten spontan Lust bekommen, das Drechseln ebenfalls zu lernen.
Viral gegangen ist also nicht nur ein Missgeschick. Viral gegangen ist ein Moment, in dem ein Fehler nicht als Scheitern behandelt wird, sondern als Teil des Lernens.


„Danke an alle, die so nett und liebevoll kommentieren“

Falk Breitenborn

Für Falk Breitenborn hat der plötzliche Erfolg auch eine praktische Seite. Seit Sonntag komme er kaum noch zum Arbeiten, sagt er. Viele Kommentare wolle er trotzdem beantworten. „Danke an alle Follower, danke an alle, die so nett und liebevoll kommentieren“, sagt er. Er nehme sich gern die Zeit dafür. Zugleich lerne er gerade selbst viel über Social Media. „Wenn ich euch also mit dem Video etwas geben konnte, dann gebt ihr mir auch viel zurück.“

Wer durch das Video selbst Lust bekommen hat, Holz und Werkzeug auszuprobieren, kann das bei Breitenborn auch außerhalb eines Schülerpraktikums tun. Er bietet 1:1 Kurse für jedes Alter an. Besonders beliebt seien die Kinderkurse im Handwerken mit Holz, ab acht Jahren und ganz besonders für Kindergeburtstage. Die Kurse gestaltet er individuell. Am Ende soll jedes Kind etwas Eigenes mit nach Hause nehmen.



Daniel Große
Daniel Große
Daniel Große arbeitet seit 2001 als freier Journalist und berichtet hier zu allen Themen, die unsere Region bewegen. Infrastruktur, Blaulicht-Meldungen, Veranstaltungen, Neues aus den Rathäusern und vieles mehr veröffentlicht er hier. Schnell, kompakt und verständlich.

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