Traditionelle Holzbaukunst fasziniert Zimmerermeister: Handwerker besichtigen Tempelbaustelle in Taucha | Taucha kompakt

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Veröffentlicht am 11.08.2026 16:38

Traditionelle Holzbaukunst fasziniert Zimmerermeister: Handwerker besichtigen Tempelbaustelle in Taucha

Quang Vinh Dao (links) erklärt den Handwerkern den Bau des Holztempels. (Foto: Daniel Große)
Quang Vinh Dao (links) erklärt den Handwerkern den Bau des Holztempels. (Foto: Daniel Große)
Quang Vinh Dao (links) erklärt den Handwerkern den Bau des Holztempels. (Foto: Daniel Große)

Der vietnamesische Tempel in Taucha ist nicht nur ein außergewöhnliches religiöses und kulturelles Projekt. Auch für Fachleute aus dem Holzbau hat die Baustelle einiges zu bieten. Auf Einladung der Handwerkskammer zu Leipzig haben Zimmerermeister und weitere Fachleute aus der Region am Dienstag den Chân Tịnh Thiền Viện am Tauchaer Bahnhof besichtigt. Dabei ging es vor allem um eine Bauweise, die selbst erfahrene Handwerker so noch nicht gesehen haben.

Die Handwerkskammer hatte zu einem fachlichen Blick hinter die Kulissen eingeladen und vor ab bereits informiert, dass der Tempel vollständig im Handabbund gefertigt wurde und ohne Metallverbinder auskommt. Stattdessen greifen traditionelle Holzverbindungen ineinander. Architekt Marco Stelzel führte gemeinsam mit Projektleiter Quang Vinh Dao die Teilnehmer über die Baustelle und erläuterte sowohl die Konstruktion als auch die ungewöhnliche Geschichte des Projekts.

Jahrhundertealtes Wissen statt computergesteuerter Fertigung

Das Tragwerk wurde von vietnamesischen Holzkunsthandwerkern in Vietnam vorgefertigt und 2018 in neun Seecontainern nach Taucha gebracht. Rund 300 Kubikmeter Rote Lärche standen nach Angaben Stelzels für das Projekt zur Verfügung. Das Holz stammt ursprünglich aus Kanada und lagerte vor der Verarbeitung über längere Zeit in Vietnam.

Die kunstvollen Verzierungen begegnen den Besuchern der Tempelbaustelle an vielen Stellen. (Foto: Daniel Große)
Die kunstvollen Verzierungen begegnen den Besuchern der Tempelbaustelle an vielen Stellen. (Foto: Daniel Große)
Die kunstvollen Verzierungen begegnen den Besuchern der Tempelbaustelle an vielen Stellen. (Foto: Daniel Große)

Das Besondere: Die Bauteile wurden noch vollständig von Hand abgebunden. Nach Angaben bei der Baustellenführung handelt es sich um den letzten Tempel dieser Art, dessen Tragwerk in Vietnam auf diese Weise gefertigt wurde. Inzwischen erfolge die Herstellung auch dort maschinell.

Selbst die Bezeichnung der vietnamesischen Fachleute unterscheidet sich vom deutschen Handwerkssystem. Der Leiter der Arbeiten ist kein Zimmerermeister nach deutschem Verständnis, sondern versteht sich als Handwerkskünstler. Die Bezeichnung verweist auf eine über Generationen weitergegebene traditionelle Handwerkskunst.

Auch konstruktiv ist das Gebäude etwas komplett anderes als das, was die Besucher aus ihrem Berufsalltag kennen. Das Tragwerk ist leicht nach innen geneigt. Die Konstruktion arbeitet mit passgenauen Zapfen-, Versatz- und Steckverbindungen. Das Gebäude trägt sich wesentlich über seine Konstruktion und Eigenlast.

„Ich könnte das sicher nicht“

Entsprechend groß war das Interesse der Zimmerermeister. Stefan Wegner von Holzbau und Restaurierung Leipzig zeigte sich beeindruckt. „Das ist das erste Mal, dass ich als Zimmerermeister so etwas sehe. Ich könnte das sicher nicht“, sagte er. Steckverbindungen gebe es selbstverständlich auch im deutschen und europäischen Holzbau. „Aber hier ist es teilweise schon sehr filigran und besonders. Es ist sehr interessant, so etwas während des Baus sehen zu können.“

Anhand Fotos auf dem Mobiltelefon erklärt Marco Stelzel den Handwerkern, was auf dem Gelände noch folgt. (Foto: Daniel Große)
Anhand Fotos auf dem Mobiltelefon erklärt Marco Stelzel den Handwerkern, was auf dem Gelände noch folgt. (Foto: Daniel Große)
Anhand Fotos auf dem Mobiltelefon erklärt Marco Stelzel den Handwerkern, was auf dem Gelände noch folgt. (Foto: Daniel Große)

Ähnlich ging es Jörg Wiesemann, Zimmerermeister bei ABR proligna aus Leipzig. Sein Unternehmen arbeitet unter anderem an der Restaurierung historischer Türme und ist daher mit traditionellem Handwerk vertraut. Dennoch sei die vietnamesische Bauweise sehr besonders. „Faszinierend im Vergleich zu unserer Zimmermannskunst. Die bringen hier eine Erfahrung und Kompetenz mit, das ist schon Wahnsinn“, sagte Wiesemann. Durch seine Arbeit habe er regelmäßig mit historischen Konstruktionen zu tun, „aber das hier ist noch einmal komplett anders“.

Parallelen zum Fachwerk – und doch ganz anders

Marcos Schenscher, Zimmerermeister bei den Blockhausbauern aus Eilenburg, entdeckte durchaus Parallelen zu heimischen Techniken. Auch Blockhäuser würden mit traditionellen Holzverbindungen errichtet. Im Fachwerkbau seien beispielsweise Schwalbenschwanzverbindungen bekannt, wie sie in ähnlicher Form auch am Tempel zu finden sind. Die Ausführung in Taucha gehe jedoch weit darüber hinaus. „Hier ist alles sehr künstlerisch“, sagte Schenscher. Gerade der enorme Arbeitsaufwand unterscheide die Herstellung vom heutigen Holzbau in Deutschland. „So viel Zeit haben wir in Deutschland nicht.“ Besonders beeindruckten ihn die kunstvollen Verzierungen der einzelnen Bauteile.

Quang Vinh Dao und erklärte bereitwillig, wie die „Steckverbindungen” letztlich das ganze Gebäude halten. (Foto: Daniel Große)
Quang Vinh Dao und erklärte bereitwillig, wie die „Steckverbindungen” letztlich das ganze Gebäude halten. (Foto: Daniel Große)
Quang Vinh Dao und erklärte bereitwillig, wie die „Steckverbindungen” letztlich das ganze Gebäude halten. (Foto: Daniel Große)

Peer Schnoy von Schnoy Holzbau aus Taucha sprach von einer „handwerklichen Meisterleistung“. Er selbst habe bereits Tempel in Asien gesehen, unter anderem auf Koh Samui in Thailand. Die Baustellenbesichtigung in der eigenen Stadt sei dennoch etwas Besonderes. „Der Termin ist wunderbar, weil man jetzt sieht, wie die Holzverbindungen funktionieren.“ Faszinierend sei für ihn insbesondere das konstruktive Prinzip. Die Holzkonstruktion trage sich durch ihr Zusammenspiel und die Eigenlast selbst. Auch für Taucha sieht Schnoy das Projekt positiv: „Das ist eine absolute Bereicherung. Es ist ein Geschenk, und so sollte man es auch betrachten – mit Anstand und Würde.“

Auch für den Denkmalschutz interessant

Nicht nur Zimmerer nutzten die Gelegenheit zur Besichtigung. Sophie Thorak vom Denkmalnetz Sachsen, das Eigentümer unter anderem zu Denkmalpflege, Denkmalschutz, Anträgen und Fördermöglichkeiten berät, wollte bewusst „über den Tellerrand“ schauen. „Ich fand das einmalig und dachte: Das schaue ich mir an“, sagte sie. Die vietnamesische Kultur sei in Deutschland zwar keineswegs unbekannt, ein Bauwerk wie dieses jedoch außergewöhnlich. Ebenso wie andere Teilnehmer meinte sie, der Tempel sei für Taucha und die Region eine „absolute Bereicherung.”

Von der Idee 2013 bis zur Baustelle 2026

Dass Fachleute heute durch den weit fortgeschrittenen Holzbau gehen können, war lange alles andere als sicher. Die Grundidee für den Tempel Chân Tịnh Thiền Viện entstand 2013 gemeinsam zwischen dem Ehrwürdigen Thích Minh Tuệ, Abt der Vạn-Niên-Pagode in Hanoi, und Quang Vinh Dao. Für das Projekt wurden in Vietnam rund drei Millionen Euro eingeworben. Die Finanzierung erfolgt durch die buddhistische Gemeinschaft, Gläubige und Unterstützer, öffentliche Fördermittel werden laut Projektunterlagen nicht eingesetzt.

2017 fand in Taucha die Grundsteinlegung statt. Bereits ab 2014 hatten 20 traditionelle Kunsthandwerker in Vietnam drei Jahre lang an der Vorfertigung der Holzelemente gearbeitet. 2018 wurden diese nach Deutschland gebracht.

Danach kam das Projekt über Jahre kaum sichtbar voran. Ein wesentliches Problem war die Einreise der vietnamesischen Spezialisten. Für den ungewöhnlichen Fall, dass Fachleute aus Vietnam nach Deutschland kommen, um ein nicht gewerblich betriebenes Tempelprojekt als Geschenk aufzubauen, musste zunächst eine aufenthaltsrechtliche Lösung gefunden werden. Stelzel berichtete den Teilnehmern bei der Besichtigung noch einmal von dem langen Weg durch Behörden und von zahlreichen Auflagen.

Schließlich gelang gemeinsam mit den beteiligten Behörden eine Lösung. Vier der ursprünglich an der Vorfertigung beteiligten Kunsthandwerker sind seit Juni in Taucha und montieren das Bauwerk. Die offizielle Montage begann am 10. Juni.

Nach dem Tempel ist noch nicht Schluss

Mit dem Hauptgebäude ist das Projekt am Bahnhof allerdings noch nicht beendet. Im ersten Bauabschnitt sollen neben der eigentlichen Pagode auch das Haupttor, ein Zaun sowie 16 Räume für Teezeremonien und traditionelle vietnamesische Teekultur entstehen. Das Eingangstor wird dem Khuê Văn Các nachempfunden, einem Pavillon im Literaturtempel Văn Miếu und offiziellen Symbol der vietnamesischen Hauptstadt Hanoi.

Darüber hinaus sind weitere Gebäude und Außenanlagen vorgesehen. Auch das benachbarte Bahnhofsgebäude soll perspektivisch in das Gesamtkonzept einbezogen werden. Nach den bisherigen Planungen soll dort unter anderem eine vegane Gaststätte entstehen. Die Pagode selbst soll künftig nicht nur Buddhisten als religiöser Ort dienen, sondern allen Interessierten offenstehen und zu einem Zentrum für die Begegnung zwischen vietnamesischer und deutscher Kultur werden.

Die Projektunterlagen sehen den Abschluss des ersten Bauabschnitts für Ende 2026 vor. Für die vollständige Anlage wird derzeit das Jahr 2028 genannt.

Dass das Projekt schon während der Bauphase Menschen zusammenbringt, zeigte die Besichtigung der Handwerkskammer auf eine ganz eigene Weise: Deutsche Zimmerer, die selbst täglich mit Holz arbeiten und teilweise jahrzehntelange Erfahrung mit traditionellen Konstruktionen besitzen, standen vor Verbindungen und Techniken, die ihnen zwar in ihren Grundprinzipien bekannt vorkamen – deren Ausführung sie aber dennoch staunen ließ.



Daniel Große
Daniel Große
Daniel Große arbeitet seit 2001 als freier Journalist und berichtet hier zu allen Themen, die unsere Region bewegen. Infrastruktur, Blaulicht-Meldungen, Veranstaltungen, Neues aus den Rathäusern und vieles mehr veröffentlicht er hier. Schnell, kompakt und verständlich.

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