Vergissmeinnicht in der Badergasse: DRK-Tagespflege setzt in Taucha ein Zeichen für Menschen mit Demenz | Taucha kompakt

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Veröffentlicht am 19.03.2026 12:17 | 9 mal gelesen

Vergissmeinnicht in der Badergasse: DRK-Tagespflege setzt in Taucha ein Zeichen für Menschen mit Demenz

An der Badergasse wurden heute Vergissmeinnicht gepflanzt. (Foto: Daniel Große)
An der Badergasse wurden heute Vergissmeinnicht gepflanzt. (Foto: Daniel Große)
An der Badergasse wurden heute Vergissmeinnicht gepflanzt. (Foto: Daniel Große)

Mit einer Pflanzaktion am Donnerstag hat die DRK-Tagespflege „Marie Simon“ in Taucha auf Menschen mit Demenz aufmerksam gemacht. Anlass war der sachsenweite Aktionstag „VERGISS?MEIN!NICHT“, der jedes Jahr am 19. März begangen wird. Seit 2023 werden dabei in ganz Sachsen Vergissmeinnicht gepflanzt, um sichtbar zu machen, dass Menschen mit Demenz Teil der Gesellschaft sind und nicht vergessen werden dürfen. Initiiert wurde die Aktion von der Landesinitiative Demenz Sachsen e. V., die dafür auch Logo und Infotafel entwickelt hat.

Das neu angelegte Beet befindet sich an der Badergasse, kurz vor dem Eingang zum Park. Dort kamen am Donnerstag Tagesgäste sowie Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Tagespflege zusammen, um die Pflanzen in die Erde zu setzen. Angestoßen wurde das Projekt von Birte Grüneisen von der Tagespflege „Marie Simon“. Der Ort sei bewusst gewählt worden, weil er auf einer regelmäßigen Spazierroute der Einrichtung liege und damit im Alltag immer wieder sichtbar werde. Ziel ist es, dem Thema Demenz im öffentlichen Raum mehr Präsenz zu geben.

Ein Infoschild am Beet gibt Auskunft über Menschen mit Demenz. (Foto: Daniel Große)
Ein Infoschild am Beet gibt Auskunft über Menschen mit Demenz. (Foto: Daniel Große)
Ein Infoschild am Beet gibt Auskunft über Menschen mit Demenz. (Foto: Daniel Große)

Unterstützung gab es aus mehreren Richtungen. Der Bauhof der Stadt Taucha hatte das Beet vorbereitet, nachdem Birte Grüneisen dazu mit Bauhofleiter Marco Haferburg gesprochen hatte. Das Garten-Center Dehner beriet bei der Auswahl der Pflanzen, das Kaffeehaus Kraus spendierte Kuchen. Vorab war die Aktion zudem mit Tauchaern sowie Angehörigen der Tagespflegegäste besprochen worden. Künftig soll das Beet auch regelmäßig gemeinsam mit den Tagesgästen gepflegt werden.

Die Pflanzaktion stieß nach Angaben vor Ort auf großen Zuspruch. Mehrere Bürger, die an dem Beet vorbeikamen, blieben stehen und suchten das Gespräch. Genau darum geht es auch der sachsenweiten Initiative: Demenz soll nicht an den Rand gedrängt werden, sondern als Thema mitten in der Gesellschaft sichtbar sein. Auf dem Schild am Beet steht deshalb in großen Buchstaben: „Menschen mit Demenz sind Teil unserer Gesellschaft.“ Daneben heißt es: „Menschen mit Demenz nicht vergessen.“ Die Botschaft ist klar. Wer betroffen ist oder Angehörige begleitet, soll sehen, dass er nicht allein ist.

Die Landesinitiative Demenz Sachsen verweist im Rahmen des Aktionstags darauf, dass in Sachsen schätzungsweise 103.000 Menschen mit Demenz leben. Viele von ihnen könnten noch lange ein selbstbestimmtes Leben führen, wenn passende Unterstützung, Informationen und demenzfreundliche Strukturen vorhanden seien. Genau dafür wolle die Aktion sensibilisieren.

Das Beet befindet sich zwischen Badergasse und Eingang zum Spielplatz am Schöppenteich-Park. (Foto: Daniel Große)
Das Beet befindet sich zwischen Badergasse und Eingang zum Spielplatz am Schöppenteich-Park. (Foto: Daniel Große)
Das Beet befindet sich zwischen Badergasse und Eingang zum Spielplatz am Schöppenteich-Park. (Foto: Daniel Große)

Auch bundesweit zeigt sich, wie relevant das Thema längst ist. In Deutschland leben nach aktuellen Schätzungen der Deutschen Alzheimer-Gesellschaft rund 1,8 Millionen Menschen mit Demenz. Wegen des demografischen Wandels wird die Zahl der Betroffenen in den kommenden Jahren weiter steigen. Fachverbände verweisen deshalb seit längerem darauf, dass neben medizinischer Versorgung auch alltagsnahe Hilfen, Beratung, Pflege und soziale Unterstützungsangebote gestärkt werden müssen.

Fakten kompakt

Demenz in Deutschland

In Deutschland leben derzeit rund 1,8 Millionen Menschen mit Demenz. Die häufigste Ursache ist die Alzheimer-Krankheit. Pro Jahr kommen nach Angaben der Deutschen Alzheimer Gesellschaft mehr als 400.000 Neuerkrankungen hinzu.

Der demografische Wandel verschärft die Entwicklung. Deutschland altert weiter, die Zahl hochbetagter Menschen steigt. Damit wächst auch das Risiko, dass künftig mehr Menschen an Demenz erkranken. Fachleute gehen davon aus, dass die Zahl der Betroffenen ohne medizinischen Durchbruch in Prävention oder Therapie bis 2050 deutlich steigen wird.

Schon heute wird ein großer Teil der Versorgung im häuslichen Umfeld geleistet. Nach Angaben der Deutschen Alzheimer Gesellschaft werden etwa zwei Drittel der Erkrankten von Angehörigen betreut und gepflegt. Verbände sehen deshalb nicht nur das Gesundheitssystem, sondern auch Kommunen, Nachbarschaften und soziale Einrichtungen in der Pflicht, demenzfreundliche Strukturen auszubauen.


    Daniel Große
    Daniel Große
    Daniel Große arbeitet seit 2001 als freier Journalist und berichtet hier zu allen Themen, die unsere Region bewegen. Infrastruktur, Blaulicht-Meldungen, Veranstaltungen, Neues aus den Rathäusern und vieles mehr veröffentlicht er hier. Schnell, kompakt und verständlich.

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