Es war ein Nachmittag der großen Emotionen, der tiefsinnigen Gedanken und der überraschenden Rekorde. Als am gestrigen Sonntag, dem 15. März 2026, pünktlich um 15:00 Uhr die Türen der Grundschule Am Park zur 21. Literaturgala der Stadt Taucha öffneten, lag eine knisternde Spannung in der Luft. Rund 80 erwartungsvolle Gäste, darunter etwa ein Viertel von weit außerhalb der Stadtgrenzen angereist, hatten sich unter der Schirmherrschaft von Bürgermeister Tobias Meier versammelt, um die Macht des geschriebenen Wortes zu feiern.
Und zu feiern gab es wahrlich genug: Mit sage und schreibe 242 Einreichungen erlebte der renommierte Literaturwettbewerb eine geradezu explosionsartige Resonanz – ein krasser und überaus erfreulicher Gegensatz zu den 45 Beiträgen des Vorjahres.
Bereits seit 2004 bietet die Stadt Taucha Amateur- und Nachwuchsschriftstellern eine wertvolle Plattform, die im gesamten Landkreis Nordsachsen einzigartig ist. Durch den Nachmittag führte Moderatorin Kerstin Twarog, während die Band „Seelenherz“ – bestehend aus der ausdrucksstarken Sängerin Konstanze Gerlach und dem versierten Gitarristen Frank Walter – zwischen den einzelnen Preisvergaben mit berührendem Soulpop für einen stimmungsvollen, musikalischen Rahmen sorgte.
Die siebenköpfige Jury, bestehend aus Steffi Bayer, Reinhard Müller, Daniela Vormbaum, Ute Voigtländer, Niclas Dux, Simone Arth sowie Michael Winter, hatte in den vergangenen Wochen keine leichte Aufgabe. Aus den Einreichungen der Hobbyautoren aus Deutschland, der Schweiz und Österreich galt es, die funkelndsten literarischen Perlen herauszufischen.
Besonders erfreulich war in diesem Jahr die immense Beteiligung der jüngsten Wortakrobaten. Ganze 50 Beiträge stammten aus der Feder von Kindern, davon allein 15 in der Altersgruppe der Sechs- bis Zehnjährigen – so viele wie noch nie zuvor in der Geschichte des Wettbewerbs. Unter dem dankbaren Motto „Haustier“ entstanden herrlich unterschiedliche, fantasievolle Werke. Die Jury legte hierbei bewusst kindgerechte Maßstäbe an und achtete sensibel auf vermittelte Botschaften, Ausdrucksweise und Gefühle. Die Tauchaer Nachwuchstalente dominierten diese Kategorie und waren zur Preisverleihung vollzählig erschienen, um stolz ihre Urkunden entgegenzunehmen. Henry Karl Scharschmidt, neun Jahre, sicherte sich den dritten Platz, dicht gefolgt von der zehnjährigen Emily Schwerwat auf Rang zwei. Den strahlenden ersten Platz eroberte die erst neunjährige Alicia Schilling.
Für die älteren Teilnehmer ab 11 Jahren lautete das anspruchsvolle und vielschichtige Motto „Was wäre wenn?“. Die Jugendlichen bis 14 Jahre setzten sich laut Jury äußerst differenziert mit dieser philosophischen Fragestellung auseinander und brachten erstaunlich reife Leistungen hervor.
Auch hier blieben die Auszeichnungen fest in Tauchaer Hand: Lacey Fischer (3. Platz) überzeugte mit einer einfühlsamen Geschichte über das Beobachten von Fahrgästen in einer Bahn und der Frage „Was wäre, wenn ich eine andere Person wäre?“. Lena Eck (2. Platz) widmete sich sehr ernsthaft und authentisch der hochaktuellen Vorstellung einer Welt ohne Handys. Den ersten Platz sicherte sich Maja Bigott mit einer überlegten und zum Nachdenken anregenden Erzählung über ein Szenario, in dem es plötzlich keinen Strom mehr gibt. Alle drei Preisträgerinnen nahmen ihre Ehrungen persönlich entgegen.
In der Kategorie der Jugendlichen bis 17 Jahre zeigte sich die überregionale Strahlkraft des Wettbewerbs. Den dritten Platz belegte die Karlsruherin Rebecca Vollmer, die in Abwesenheit geehrt wurde, mit einem Gedicht, das zu der pragmatischen Erkenntnis gelangt: „Am Ende sind die Dinge aber, wie sie sind.“ Die Tauchaerin Johanna Braun sicherte sich mit einer Geschichte über die Last des leeren weißen Blattes und die Suche nach dem perfekten ersten Satz den zweiten Platz – mit der treffenden Konklusion, dass dieser erste Satz nicht perfekt, sondern vor allem richtig sein müsse. Johanna ist eine echte „Wiederholungstäterin” - und auch erneute Gewinnerin, denn sie war bereits beim 20. Literaturwettbewerb erfolgreich. Dort belegte sie ebenfalls den 2. Platz in der Kategorie Jugendliche bis 17 Jahre – damals mit ihrer Kurzgeschichte „Vertrauen...Missbrauch” zum Motto „Vertrauen”.
Für den emotionalen Höhepunkt dieser Altersklasse sorgte jedoch Clara Sophie Schostok. Die Düsseldorferin, die eigens angereist war, trug ihre tief bewegende Siegergeschichte über den Wunsch nach Frieden und das Schicksal eines kleinen Mädchens im Krankenhaus so ergreifend vor, dass es im Foyer der Grundschule Am Park vollkommen still wurde.
Auch die Erwachsenen stellten sich der Herausforderung des „Was wäre wenn?“. Bei den Kurzgeschichten ging der dritte Preis an Nadine Nothnagel aus Riedstadt (nicht anwesend). Die Tauchaerin Regina Kietz berührte das Publikum auf dem zweiten Platz mit ihrer Geschichte „Was wäre, wenn ich nicht allein wäre“ – einer tiefgründigen Erzählung über Trost, Hoffnung und Zuversicht, in der sich ein Vater nach der Geburt des Kindes absetzt. Erleichtert fügte die Autorin bei der Übergabe hinzu, dass dies zum Glück nicht ihrer eigenen Realität entspreche.
Den fulminanten ersten Platz bei den Erwachsenen-Kurzgeschichten sicherte sich die anwesende Lena Heckel Salomon aus Drensteinfurt bei Münster mit „Existenz im Aggregatzustand“. In wunderschönen Metaphern erzählte sie aus der Perspektive eines Wassertropfens: Als Schneeflocke sei sie vielleicht etwas galanter, aber als Tropfen mache sie Karriere, hieß es etwa. Oder: Tropfen sind Prosa, Schneeflocken sind Geschichten.“ Eine meisterhafte Allegorie auf die stetige Veränderung und die Fähigkeit, sich immer wieder neu zu erfinden.
In der Kategorie der Erwachsenen-Gedichte durfte sich die anwesende Doreen Weber aus Plauen über den dritten Platz freuen. Ihr lyrisches Werk stellte die faszinierende Frage: Wenn die Zeit morgen rückwärts liefe, wen würdest du treffen, wem würdest du danken? Den zweiten Platz belegte Noemi Wörner aus Pfaffenhofen mit Zeilen über Krieg, Frieden, Fehler und Gelassenheit. Den ersten Platz sicherte sich Tanja Schmidt aus Bremerhaven mit ihrem Werk „Im Gegenlicht“ (beide nicht vor Ort).
Als sich der inspirierende Nachmittag dem Ende zuneigte, richtete sich der Blick bereits in die Zukunft. Das Thema für den kommenden 22. Literaturwettbewerb steht zwar noch nicht fest, doch die Gäste nutzten eifrig die Gelegenheit, ihre eigenen kreativen Ideen auf einer bereitgestellten Tafel zu hinterlassen.
Eines ist nach diesem beeindruckenden Rekordjahr jedoch gewiss: Die Liebe zum geschriebenen Wort ist in Taucha lebendiger denn je.