Am Sonntag starb mit Lutz Pohlers ein Tauchaer Original. Der Musiker lebte zwar in Leipzig, war aber vor allem durch sein Wirken in Taucha bekannt und verwurzelt. Hier hatte er zahlreiche Freunde. Taucha kompakt hat einige der Wegbegleiter gesprochen.

Die Nachricht schockierte am Sonntag viele Tauchaer: Lutz Pohlers ist überraschend gestorben, nach kurzer, schwerer Krankheit. Mit gerade mal 54 Jahren. Der Leipziger war KFZ-Sachverständiger, aber viele kannten ihn nur als Musiker. Jahrgang 65, Walter & Pohlers, Schlagerderby oder Dr. Mücke – das musikalische Engagement von „Lutze“, wie ihn viele nannten, war vielseitig.

Einer seiner besten Freunde ist Frank Walter. Wie Lutz Pohlers ist er Jahrgang 1965 – woraus sich der spätere Bandname ableitete. „Lutz war wie ein Bruder für mich. Wir gingen zusammen in die Schule, er war aber eine Klassenstufe tiefer. Mit Thomas Fellow, einem heutigen Professor für Musik, machte er zuerst Musik. Ich stieß später dazu. Die erste Schülerband gründeten wir mit 14 Jahren“, erinnert sich Frank Walter. Im Laufe des Lebens bauten sie ihre musikalische Beziehung weiter aus, vor allem nach der Familiengründung. „Unsere Wege kreuzten sich immer, unsere Familien waren privat eng verbunden. Wir haben zusammen gekocht, gegrillt, sind mit den Kindern unterwegs gewesen, haben Radtouren gemacht“, so Walter. Er habe Lutz Pohlers immer wieder dazu ermutigt, nach Taucha zu ziehen – sogar Wohnungen hatte er sich schon hier angesehen. Zum Umzug kam es aber nie.
Vom Tod seines Freundes erfuhr er am Sonntag über einen anderen Freund. Dass Lutz Pohlers nicht mehr da ist, habe Frank Walter noch nicht verarbeitet: „Das wird wohl eine Weile dauern, das fühlt sich sehr unwirklich an.“

Ebenfalls lange Jahre musikalisch mit Lutz Pohlers unterwegs war Maik Redlich. „Wir standen zuerst im café esprit zusammen auf der Bühne. Ausgerechnet zu ‚Knocking on heavens door‘ – das hat schon eine gewisse Tragik“, sagt Redlich. Später suchten sie einen Schlagzeuge und spielten zusammen als Band „Schlagerderby“. Sechs Jahre dann, dann wurde der Musikstil geändert und die Band in „Dr. Mücke“ benannt. Lutz sei immer fröhlich gewesen, erinnert sich Maik Redlich. „Er hat immer gestrahlt, war immer volle Kanne da. Hat aber auch die Ruhe weg gehabt bei der Probe und die Leute zur Ordnung gerufen. Die nächsten Wochen wolle er es ruhig angehen lassen. Allerdings lebe „Lutzes“ Erbe weiter: Gemeinsam mit Frank Walter hat er das Projekt „Dr. Mücke Bona Parthe“ gegründet – ein Wortspiel aus dem französischen Adelsgeschlecht und dem Fluss, der durch Taucha fließt.

Auch bei Jürgen Rüstau, dem ehemaligen Betreiber des café esprit, löste die Nachricht von Lutz Pohlers Tod große Trauer aus. „Wir kannten uns über den Kunst- und Kulturverein, er war hier Mitglied. Später spielte er im Kabarett ‚Tauchaer Brettl‘ mit. Dadurch entstand ein freundschaftliches Verhältnis“, so Rüstau. Er hoffe, dass alle Freunde und Bekannte darüber hinweg kommen.

Ständiger Gast und zeitweise Teil des Kabaretts war auch Moderator Roman Knoblauch (Radio Leipzig). Er sagt gegenüber Taucha kompakt: „Ich bin geschockt und solche Nachrichten gehen mir sehr, sehr nahe. Ich habe in den letzten Jahren so viele Wegbegleiter, Freunde und Familienangehörige verloren. Ich erinnere mich an unsere gemeinsame Zeit im café esprit und natürlich an unsere legendären Auftritte beim Tauchscher Festumzug. Lutz war ein ganz lieber und bescheidener Mensch.“

Als einer der ersten kondolierte Bürgermeister Tobias Meier am Sonntag in einem Beitrag auf Facebook. Er sagt: „Lutz habe ich in der Anfangszeit des ehemaligen Kunst- & Kulturverein kennengelernt. Ganz unterschiedliche Veranstaltungen organisierten und führten wir zusammen durch. Wie ‚Blaue Stunden‘ mit allerlei Gesprächspartnern und Lesungen oder Ausstellungen mit musikalischer Bereicherung. Bei zig gemeinsamen Kabarett-Auftritten über Jahre hinweg, konnte Lutz mit Witz und als musikalischer Leiter überzeugen. Unvergessen sind seine witzigen Outfits und Kreativität.“ Pohlers Ableben sei „ein großer Verlust für die Kulturszene in Taucha“, fährt Meier fort und fügt hinzu: „Lutz hat so viele Menschen durch seine Art begeistert. Kein Wunder, dass der Schock bei seinen Freunden, Bekannten und Fans tief sitzt. Ich werde ihn vermissen und trauere mit seiner Familie.“

Lutz Pohlers hinterlässt in Taucha also nicht nur musikalisch, sondern auch menschlich eine große Lücke. Taucha kompakt wünscht seiner Frau, seinem Sohn und allen, die ihn kannten, viel Kraft bei der Verarbeitung des Verlustes.

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Veröffentlicht am 12. Mai 2020 um 13:16 Uhr.
Letzte Bearbeitung: 12. Mai 2020 um 13:16 Uhr.
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Seit 2001 arbeitet Daniel Große als freier Journalist. Er fühlt sich in vielen Themengebieten zu Hause. Lokales, Immobilienthemen, Ratgeber- und Verbrauchernachrichten, Medien und Netzwelt sind seine bevorzugten Gebiete. Daniel Große ist Herausgeber von Taucha kompakt.
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