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„Die haben regelrecht Jagd gemacht, das war ein Massaker!“

Chef der Tierklinik Panitzsch erhebt schwere Vorwürfe gegen Halter der Kangals

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Symbolfoto: iStock

Die Attacke der drei Kangals am Sonntag in Dewitz beschäftigt weiter die Stadt. Bei Taucha kompakt meldete sich jetzt Michael Kühn, der Chef der Tierklinik Panitzsch. Er hat alle drei angegriffenen Hunde behandelt, von denen der Welpe bereits am Sonntag eingeschläfert werden musste. Die beiden anderen Hunde kämpfen noch ums Überleben. Kühn fordert eine lückenlose Aufklärung des Falls. Er und sein Team sind entsetzt über die Brutalität der Angriffe.

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„Wir haben hier wirklich schon viel gesehen, aber was am Sonntag über uns hereinbrach, hat allen Mitarbeitern und mir eine Gänsehaut bereitet“, sagt Michael Kühn, Inhaber der Tierklinik Panitzsch. Die drei angegriffenen Hunde seien regelrecht massakriert worden. „Die Kangals sind losgezogen, um zu töten. Die haben Jagd gemacht und drei Hunde zerlegt. Das war ein regelrechtes Massaker“, meint der Fachtierarzt für Klein- und Heimtiere. Die Verletzungen des Welpen waren – wie berichtet – so schwerwiegend, dass er noch am Sonntag eingeschläfert werden musste. „Das Rückgrat war zerbissen, da war nichts mehr zu retten“, berichtet er.

Der Labrador des 14-jährigen Mädchens kam vergleichsweise glimpflich davon. „Ihm haben die Kangals die Bauchwand aufgerissen. Wir haben den Labrador etwa vier Stunden operiert, er wird durchkommen“, schätzt Michael Kühn ein. Wesentlich schlimmer hätte es den Weimaraner getroffen. „Ihm wurde die Luftröhre durchgebissen, weshalb seine Lunge kollabiert ist. Außerdem ist der gesamte Brustkorb aufgerissen. Und wir reden hier von einem 45-Kilo-Tier. Auch ihn haben wir vier Stunden lang operiert. Wenn alles gut verheilt, kommt er durch. Aber sicher ist das nicht“, beschreibt der Tierarzt den Zustand des Hundes. Die Kosten der Operationen liegen bei mehreren Tausend Euro pro Tier, schätzt er.

Die beiden am Sonntag angegriffenen Hunde werden in der Tierklinik Panitzsch behandelt.

Kühn und seine Mitarbeiter hat der Vorfall „echt mitgenommen“, wie er sagt. Der Inhaber der Tierklinik Panitzsch fordert von den Behörden, dass „sie sich lückenlos dem Problem annehmen. Hier darf nichts im Sande verlaufen, das ist keine Bagatelle“, sagt er. Seiner Meinung nach ist das Grundstück nicht geeignet für Kangals. „Die Bauzäune halten die Tiere nicht ab. Die sind gezüchtet worden, um Bären abzuwehren und Wölfe wegzubeißen. Und selbst wenn die Hunde die Zäune als Grenze akzeptieren, haben die Halter und Grundstückseigentümer dafür Sorge zu tragen, dass sie außerhalb ihres Grundstücks sich nicht dermaßen verhalten“, sagt er. In den Hunden stecke ein gewaltiges Aggressionspotenzial. „Den Wesenstest brauchen sie nicht mehr ablegen, sie haben am Sonntag gezeigt, was sie für Wesen sind“, sagt Michael Kühn weiter. Er ist der Ansicht, dass Ordnungsamt und Veterinäramt hier gemeinsam daran arbeiten müssen, dass sich so etwas nicht wiederholt.

Update, 17. März 2021:
Die Stadt Taucha hat inzwischen eine Stellungnahme und Chronik der Ereignisse auf ihrer Website veröffentlicht.

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(3 mal heute gelesen)
Veröffentlicht am 9. März 2021 um 14:40 Uhr.
Letzte Bearbeitung: 17. März 2021 um 12:46 Uhr.


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Daniel Große ist Herausgeber von Taucha kompakt. Er arbeitet seit 2001 als freier Journalist und berichtet hier zu allen Themen, die Taucha bewegen. Infrastruktur, Blaulicht-Meldungen, Veranstaltungen, Neues aus dem Rathaus und vieles mehr veröffentlicht er hier. Schnell, kompakt und verständlich.
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6 Kommentare

  1. Endlich redet hier mal jemand in der Öffentlichkeit Klartext 👍
    Den Wahrheitsgehalt der gestrigen Gegendarstellung des Kangal-Halters werden die zuständigen Behörden entsprechend prüfen.
    Verantwortungslose Hundehalter braucht hier in Taucha jedenfalls niemand noch zusätzlich.

  2. Mir ist auch mal zu Ohren gekommen, dass der Hundehalter aus dem Reichsbürger-Milieu der Stadt stammt. Mit denen tun sich die Behörden ja leider immer wieder schwer.

  3. Da hat sich der Herr Weichhan nicht richtig informiert was er sich da für Hunde ins Haus holt. Hauptsache groß und gefährlich. Außerdem haben sie hier nicht das Aufgabengebiet wie in der Türkei, Griechenland, Bulgarien und Rumänien. Dort sind sie im Gebierge auf sich allein gestellt ohne Futter ( müssen sie sich selber suchen ) und sollen nur die Herden vor Wölfen und Bären beschützen. Wenn die Herden wieder reingeholt werden dann sind sie über dem Winter im Zwinger weil die Besitzer auch nicht mit ihnen klar kommen. Desweiteren ist diese Rasse nicht unbedingt Menschen bezogen.
    Woran liegt der Fehler Herr Weihhan ? Bei Ihnen !
    Um wem tut es mir leid bei diesem Vorfall ?
    Natürlich als erstes um die Leute die das mit ansehen mussten, um den Welpen der eingeschläfert werden musste. um die zwei Hunde die nun in Panitzsch ums Leben kämpfen und auch wenn es blöd klingt um die Kalgas die von einem Besitzer gekeuft oder wie auch immer hierher gebracht wurden, ihrer eigentlichen Arbeit nicht nachkommen können und durch falsche Erziehung zu Waffen wurden. Die können nun am wenigstens´dazu. Sind selber Besitzer eines Schäferhundes und geben immer obacht das er nicht vom Grundstück geht, haben ihn immer im Blickfeld und von der Leine kommt er nur ab wenn kein anderer Hund in der Nähe ist oder Kinder und ihre Familien. So soll man Hunde halten.
    Um wem es mir nicht leid tut ? Herr Weihhan !
    Ich hoffe das ihm ein Hundebesitzerverbot auf erlegt wird so das soetwas schlimmes nicht wieder vorkommt.
    Zum Schluss: ICH LEGE AUCH NICHT DIE HAND FÜR UNSEREN DSH INS FEUER !
    Auch wenn man sich noch soviel Mühe gibt – man weiss nie was im nächsten Moment im Kofp des Hundes vor sich geht. Auch wenns der eigene ist.

  4. Nun wird es für Herrn Rühling, Tauchas Fachbereichsleiter für Öffentliche Ordnung, aber höchste Zeit, ein längst überfälliges Verfahren einzuleiten und klare Kante zu zeigen! Lange genug wurde weggesehen oder gehofft, es wachse Gras über die bisherigen Vorfälle. Selbstverständlich ist das nicht so einfach in seiner Position, wenn man selbst den eigenen Vierbeiner mit einem Elektrohalsband quält und damit tierschutzwidrig hält.

  5. Kangals sind superschwierig in der Handhabung, clever, überaus freiheitsliebend und sehr gute aggressive Kämpfer. Schon ein teures Hobby, wenn es nur Geflügel trifft.

  6. Leider hat man hier viel zu lange gewartet.. allen Behörden mache ich hier schwere Vorwürfe, denn sie wußten von den Problemen. Dem Halter ein lebenslages Hundehalteverbot!!!. Die Kangals, so traurig wie es ist, einschläfern, wie will man das noch mit guten Gewissen in Vermittlung geben…oder lebenslang in Haft im Tierheim?.kann keine gute Lösung sein!…. Es mußten erst Menschen verletzt werden.. Hunde die bis jetzt schon gebisssen udn getötet wurden,sind ja nur Sachgegenstände so wie es scheint..die Vorkommnisse reichten nicht aus .. traurig, traurig!

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