Die Brachfläche an der B87 / Leipziger Straße wird seit Jahrzehnten nicht entwickelt. In diesen Tagen rodete der neue Investor Wincon Immobilien die Randbereiche und den Weg zum Ärztehaus. Mehr ist derzeit nicht möglich.

Autofahrer in Taucha dürften sich gestern und heute gewundert haben. Denn an einigen Straßen hatten sich junge Menschen mit Stühlen und Klemmbrett postiert. Was war da los?

Die Aktion war eine Verkehrszählung des Investors Wincon Immobilien aus Leipzig. Dieser möchte mit seiner Projektgesellschaft KWP Taucha Zentrum GmbH & Co. KG den Bogumilspark entwickeln. Jene Brachfläche inmitten Tauchas an der Leipziger Straße, die seit Jahrzehnten leer steht. In der Stadtratssitzung vom Juli lehnten die Stadträte jedoch überraschend die Auslegung des Bebauungsplanes ab. Mit 13 Nein-, sechs Ja-Stimmen und einer Enthaltung wurde das Vorhaben vorerst abgelehnt. Und das, obwohl vorher in den Ausschüssen kaum Widerstand zu erkennen war, wie etwa SPD-Fraktionsschef Christof Heinzerling sagte. Gegenüber der LVZ sprach er von „Russisch Roulette“ und bat die Mitglieder des Stadtrats um mehr Ehrlichkeit.

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Die Ablehnung kam insofern überraschend, als dass der auszulegende Bebauungsplan komplett überarbeitet und in den Ausschüssen diskutiert wurde. So wurden der anfangs geplante Discounter inklusive Parkdeck sowie die Kindereinrichtung mit 120 Plätzen gestrichen. Das Landesamt für Straßenbau und Verkehr (Lasuv) befürchtete eine zu starke Verkehrsbelastung für die B87. Eine reine Wohnbebauung wäre aber möglich, so das Lasuv. Also planten die Verwaltung und die Wincon Immobilien nun mehrere drei- bis viergeschossige Mehrfamilienhäuser mit insgesamt 150 Wohnungen sowie 85 Wohnungen für betreutes Wohnen. Dazu sollte eine Tiefgarage mit 291 Plätzen entstehen.

So stellte sich die Wincon Immobilien das neue Wohngebiet Bogumilspark vor.
Illustration: homuth+partner architekten

Nachdem im Stadtrat nur Bürgermeister Tobias Meier, die vier SPD-Mitglieder, und Jochen Möller von der FDP zustimmten, fiel die Beschlussvorlage durch.

Verkehrsbelastung war Hauptgrund für Ablehnung im Stadtrat

Ein Grund für die Ablehnung unter anderem der CDU-Fraktion war der zu erwartende Verkehr für die B87 und die Anwohner der Zwickschen Siedlung. Sinngemäß hieß es, zuerst brauche Taucha eine vernünftige Umgehung. „Ich glaube nicht, dass das mit der neuen B 87 noch 30 Jahre dauert“, sagte CDU-Fraktionschef Frank Apitz der LVZ.

Eben jene Verkehrssituation untersucht die Wincon Immobilien nun. „Das ist ein Standardverfahren, das immer bei neuen Projektentwicklungen ansteht. Hier im speziellen Fall, um zu ermitteln, ob der im gesamten Gebiet vorhandene Schleichverkehr zunehmen könnte“, so Robert Hesse, Sprecher der Wincon. Gestern wurden darum von 15 bis 19 Uhr und heute von 6 bis 10 Uhr die Autos gezählt. „Konkret standen die Mitarbeiter des Verkehrsplaners an der Leipziger Straße, Windmühlenstraße, Klebendorfer- und Sommerfelder- sowie an der Manteuffelstraße, um die Ist-Situation zu ermitteln“, so Hesse.

Laut Bürgermeister Tobias Meier soll die weitere Entwicklung des Bogumilsparks im Winter weiter bearbeitet und in die Ausschüsse gegeben werden. Hier spielt dann auch das Verkehrsgutachten eine Rolle. In welche Richtung sich das künftige Wohngebiet entwickelt, ist noch nicht bekannt.

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(1 mal heute gelesen)
Veröffentlicht am 30. September 2020 um 17:19 Uhr.
Letzte Bearbeitung: 5. Oktober 2020 um 10:24 Uhr.

1 Kommentar

  1. Zum Thema Bebauungsplan für Bogumils Garten.
    In der LVZ vom 30.07.2020 wurde unter der Rubrik „Leserbrief“ meine Meinung in gekürzter Fassung zum Projekt „Bogumilspark“ veröffentlicht. Die ungekürzte Fassung liegt als Brief bei der Stadtverwaltung vor. Das Argument der erhöhten Verkehrsbelastung, welches zum momentanen Stopp des Projektes führte, ist die eine Seite. Wenn Herr Heinzerling (SPD) von den Stadträten*innen Ehrlichkeit verlangt. so sollte er auch ehrlich auf den Beschluß des Stadtrates aus dem Jahr 2018 zurückblicken. Hier wurden Leitlinien für die städtebauliche Entwicklung beschlossen.(siehe LVZ vom 04.05.2018). Für die Bebauung des „Bogumilparks“ wurden darin 50 Wohneinheiten vorgesehen. Der jetzt vorliegende Bebauungsplan hätte somit von vornherein überhaupt nicht zu einer Abstimmung vorgelegt werden dürfen, da er ja ein Verstoß gegen den eigenen Stadtrasbeschluß darstellt. Übrigens kann man bei dem vorliegenden Projekt wohl nicht mehr von einem „Wohnpark“ sprechen, sieht eher wie „MIetskaserne“ aus.

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