Foto: Marco Böhme

Der erste Christopher Street Day am gestrigen Sonntag wurde nach Angaben der Organisatoren von Provokationen aus dem politisch rechten Lager gestört. Die Veranstaltung, die von der Partei DIE LINKE Nordsachsen und deren Jugendgruppe angemeldet wurde, musste daraufhin gegen 16 Uhr beendet werden. Die Teilnehmer wurden von der Polizei beschützt zum Tauchaer Bahnhof begleitet.

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Es sollte ein bunter Sonntagnachmittag in Taucha werden – die Linksjugend Nordsachsen hatte einerseits einen Demonstrationszug mit 50 bis 100 Teilnehmern durch Taucha am Vormittag und zum anderen einen Christopher Street Day (CSD) auf dem Marktplatz von 12 bis 21 Uhr angemeldet. Gekommen waren insgesamt nur etwa 40 Interessierte. „Es war ein Versuch, wie viele Leute man außerhalb einer Großstadt mobilisieren kann. Natürlich haben wir uns deutlich mehr erhofft. Bereits am Vorabend haben aber viele abgesagt, vor allem auch wegen der Wettervorhersage mit Regen und Gewitter bereits ab Mittag“, sagt Daniel Totzke, Büroleiter der Landtagsabgeordneten Luise Neuhaus-Wartenberg und Wahlkampfmanager der LINKE in Nordsachsen.

Die Teilnehmer des CSD auf dem Tauchaer Markt. Foto: Marco Böhme

Vor Ort war auch Marco Böhme, stellvertretender Fraktionsvorsitzender der Linksfraktion Sachsen. Er teilt in einer Presseerklärung mit: „Es ist wichtig, auch außerhalb der Großstädte für eine queere Sichtbarkeit auf die Straße zu gehen. Wir wurden von vielen Einwohnern freundlich empfangen und zogen mit einer kraftvollen Demonstration vom Bahnhof zum Markt. Auf der Aufzugsstrecke in der Leipziger Straße kam es jedoch zu ersten Störungen durch homophobe Kommentare einiger Personen aus dem rechten Spektrum. Diese pöbelten im Verlauf des Tages immer wieder zu einzelnen Besuchern, wodurch diese sich unsicher fühlten. Auch ich persönlich wurde homophob beleidigt“, so Böhme in der Mitteilung. Auf Twitter äußerte er am gestrigen Tag unter anderem, dass „die wenige Polizei überfordert“ gewesen sei.

„Das bezog sich vor allem auf den Demonstrationszug zum Markt hin. Hier waren nur drei, vier Verkehrspolizisten dabei. Es ist ja nicht das erste Mal, dass linke Aktionen in Taucha stattfinden. Da hätte man sich schon von vornherein mehr Polizei gewünscht“, so Böhme. Seinen Aussagen zufolge sollen bis zu fünf männliche Personen aus der Kneipe IN 42 auf der Leipziger Straße gekommen sein, die unter anderem ihn mit homophoben Sprüchen konfrontiert haben sollen. Außerdem seien kleinere Gruppen mutmaßlicher Neonazis durch die Stadt gelaufen und hätten jugendliche Transpersonen bedrängt und bepöbelt, schildert Böhme.

Der Demonstrationszug bei der Abreise in Höhe der Kneipe IN 42. Foto: Marco Böhme

Die Teilnehmer des CSD auf dem Markt seien ab etwa 14 Uhr gestört worden. „Da waren permanent zwei Männer, die über den Markt liefen oder am Rand des Marktes standen. Die haben gefilmt und telefoniert“, sagt Luise Neuhaus-Wartenberg gegenüber Taucha kompakt. Kurze Zeit später seien dann noch „drei oder vier breitere Typen“ dazu gekommen, die „ganz klar als Faschos zu erkennen waren“, so die Vizepräsidentin des Sächsischen Landtags. Auf einem T-Shirt sei der Spruch „Auch ohne Sonne braun“ zu lesen gewesen. „Die haben sich dann an unserem Imbisswagen Bier und Bratwurst gekauft und länger Zeit den Wagen sozusagen blockiert. Von unseren Teilnehmern hat sich dann keiner mehr hingetraut“, so Neuhaus-Wartenberg. Auch verbal fühlten sich die Teilnehmer des CSD angegriffen. „Die haben uns vorgeworfen, wir wären intolerant, weil wir die Personen vom Markt runter haben wollten. Dann wurde angeboten, wir könnten ja eine Podiumsdiskussion mit ihnen veranstalten“, sagt sie weiter. Als jemand aus den Reihen der LINKE offenbar ein Foto machen wollte, soll einer der vermeintlich rechten Männer „ausgerastet“ sein. Er wurde von der Polizei zurückgehalten.

„Auch ohne Sonne braun“ steht auf dem Shirt eines Mannes, der am Rande des CSD in Taucha an einem Kiosk steht. Foto: Marco Böhme

Im Verlauf des Nachmittags seien weitere mutmaßlich Rechtsextreme aufgetaucht. Laut Neuhaus-Wartenberg bis zu 15 Personen. Aufgrund dessen wurde dann immer mehr Polizei angefordert. Laut Marco Böhme wurde „fast eine Hundertschaft angekarrt“. Wie viele Beamten wirklich im Einsatz waren, will Dorothea Benndorf von der Pressestelle der Polizeidirektion nicht sagen. „Es gab verbale Auseinandersetzungen, auf die wir reagiert haben. Insgesamt gab es keine Straftaten zu verzeichnen und es wurden keine Anzeigen aufgenommen“, sagt sie. Lediglich an einem Funkstreifenwagen sei ein Riss in einer Scheibe festgestellt worden. Hier laufen die Ermittlungen, sagt sie.

Die erste Einschätzung von Marco Böhme, dass die Polizei überfordert gewesen sein soll, teilt Christian Stoye nicht. Der Jugendkoordinator des Kreisverbandes DIE LINKE in Nordsachsen war Anmelder des CSD auf dem Markt. „Im Gegenteil, die Polizei hat dafür gesorgt, dass wir sicher nach Hause konnten. Die Kommunikation war jederzeit sehr gut, die hatten die Situation im Griff und wollten vor allem deeskalieren“, so Stoye. Da man nicht wusste, wie viele mutmaßlich rechte Störer noch kommen, wurde die Veranstaltung bereits 16 Uhr abgebrochen. Ursprünglich sollte sie bis etwa 21 Uhr gehen. Um die Teilnehmer zu schützen, wurde dann mit der Versammlungsbehörde des Landratsamtes Nordsachsen entschieden, den Abzug als Demonstration zu deklarieren. Zahlreiche Polizeibeamte begleiteten den Demonstrationszug vom Markt zum Bahnhof. Dabei liefen die Teilnehmer auch am Tauchaer Rathaus vorbei, weil dort seit einigen Wochen eine Regebogenflagge hängt.

Paul Podbielski von der Linksjugend Sachsen, welche die Demonstration angemeldet hatte, sagt: „Die Vorfälle in Taucha bestärken uns, dass es Veranstaltungen wie den CSD auch außerhalb der Großstädte benötigt. Es ist wichtig, für queere Vielfalt auf die Straße zu gehen, erst recht wenn Neonazis dies verhindern wollen! Wir lassen uns nicht einschüchtern“, wird er in einer Pressemitteilung der Linksfraktion Sachsen zitiert. Auch Daniel Totzke, Büroleiter von Luise Neuhaus-Wartenberg, sagt: „Unsere Lehre daraus ist: Wir kommen wieder und sind mehr. Es kann ja nicht sein, dass Vielfalt durch solche Störaktionen gefährdet wird.“

Informationen und weitere Stimmen auch bei queer.de

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(1 mal heute gelesen)
Veröffentlicht am 23. August 2021 um 12:43 Uhr.
Letzte Bearbeitung: 23. August 2021 um 12:56 Uhr.

3 Kommentare

  1. Mimimi kann Links ja richtig gut. Oder eben mit 20 Mann auf einen. Aber hier ins Höschen machen. Oh bitte. Das ist so armselig. :D

  2. Ach Tim….:-)
    Du bist wahrscheinlich sooo tolerant.
    Was machst du, wenn deine Tochter oder dein Sohn nicht in dein Weltbild passen?
    Oder hast du gar keine Kinder, weil du vereinsamt und verbittert bist?

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