Trägt es mit Sarkasmus: Nico Kermes von Feinbrand Taucha.

Ab Montag gilt im Handel in Sachsen das 2G-Modell. Außer in Apotheken, Drogerien, Supermärkten und anderen Einkaufsstellen des täglichen Bedarfs müssen Kunden dann nachweisen, dass die geimpft oder genesen sind. Um zu prüfen, wie gut Tauchas Händler darauf eingestellt sind, fanden gestern Kontrollen durch das Gesundheitsamt mit Unterstützung der Polizei in unser Stadt statt. Einige Unternehmern beschweren sich nun über die Art und Weise der Kontrollen.

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Donnerstagnachmittag, gegen 14 Uhr. Nico Kermes steht in seinem Laden namens Feinbrand, als plötzlich fünf Personen in Uniformen beziehungsweise mit Westen den Verkaufsraum betreten. „Die kamen hier überfallartig rein, hatten Laptop und Schreibmappen dabei, liefen im Laden rum. Drei Mitarbeiter des Gesundheits- oder Ordnungsamtes sowie vier Polizisten waren das insgesamt. Ein Polizist stand vor der Tür, als wenn er die Tür zuhalten will, weil ich womöglich fliehen könnte. Ich kam mir schon vor wie ein Verbrecher“, schildert Nico Kermes seine Eindrücke. Generell habe er Verständnis für die Kontrollen und er halte auch alle Verordnungen ein. „Ich bin geimpft und will, dass die Pandemie vorbei ist. Aber die Art und Weise der Kontrolle gestern geht gar nicht. Während der Kontrolle sei er informiert worden, dass die Einhaltung der Maskenpflicht geprüft werde und er sein Hygienekonzept fortschreiben soll. „Ich wurde belehrt, dass ich ab Montag jeden Kunden auf seinen Impf- oder Genesenen-Status hin überprüfen und außerdem auch seinen Personalausweis zum Namens-Abgleich verlangen muss. Ich weiß zwar noch nicht, wie ich das organisieren soll, aber werde mich dem auch fügen“, sagt Nico Kermes. Ungeimpfte Personen wolle er dennoch bedienen – außerhalb des Geschäftes. „Ich kann mir nach über 80 Prozent Verlust im vergangenen Jahr keine weiteren Umsatzeinbußen leisten. Ich werde niemanden wegschicken“, erklärt er.

An seiner Tür hängt nun ein entsprechender Zettel, der darauf hinweist, dass nicht geimpfte Personen sich bemerkbar machen sollen. „Wir unterhalten uns dann mit Maske und Abstand draußen und ich berate sie eben vor dem Laden“, so Kermes, der auf den Zettel auch einen „Sheriff-Stern“ aufgebracht hat. „Wir kleinen Ladenbesitzer werden hier zum Erfüllungsgehilfen der Ordnungsbehörden gemacht. Das muss ich akzeptieren, darf das Ganze aber sicher auch sarkastisch interpretieren“, sagt er.

Ebenfalls nicht einverstanden mit der Durchführung der Kontrollen war Daniel Grahl, Betreiber des Kinos Taucha. „Meine Mitarbeiterinnen berichteten von insgesamt sieben Personen. Muss das denn sein? Schließlich werden hier Unternehmen kontrolliert und kein Fußballstadion. Was haben Gesundheitsamt und Polizei denn erwartet? Dass es hier zu Krawallen kommt? Ich habe dafür überhaupt kein Verständnis. Die Kontrollen sind sicher richtig und wichtig, aber man sollte doch schon etwas Fingerspitzengefühl walten lassen und solches Machtgehabe unterlassen“, meint Grahl. Im Kino gilt bereits seit 8. November die 2G-Regel. Auch der Kinobetreiber muss die entsprechenden Impf- oder Genesenen-Nachweise kontrollieren.

Im Kino Taucha gilt bereits seit 8. November die 2G-Regel. Einen Hinweis darauf musste Daniel Grahl nun am Eingang anbringen.

„Wie bei einer Razzia“ kam sich Cindy Boeckler, Inhaberin von Cindys Blumenparadies und Schuhhaus Boeckler, vor. „Hier kamen mehrere Personen rein, um uns über die Hygienemaßnahmen aufzuklären. Eine Frau aus dem Team trug ihren Mundschutz am Kinn. Die haben den Laden quasi überfallen, ich hatte noch Kundschaft und konnte im ersten Moment gar nichts dazu sagen. Ich wurde gefragt, wie ich mir denn die Kontrolle ab Montag vorstelle. Das war insgesamt schon sehr erdrückend“, sagt sie. Weil sie kein Hygienekonzept vorzeigen konnte, wurde ihr sogleich auferlegt, dass sie eins schreiben solle. Behilflich war hier die Stadtverwaltung Taucha, die heute auch auf ihrer Website entsprechende Muster der IHK Chemnitz zur Verfügung gestellt hat.

Cindy Boeckler zeigt den 2G-Hinweis an ihrer Ladentür.

Insgesamt einverstanden und zufrieden mit den Kontrollen war Dagmar Engelhard aus der Adler-Drogerie Bautzmann. „Die machen nur ihren Job. Ich hatte nicht den Eindruck, dass hier Druck aufgebaut wurde. Wenn ich Lebensmittelkontrollen oder Kontrollen der Pyrotechnik habe, dann läuft das schon mal ganz anders ab“, sagt sie.

Durchgeführt wurden die Kontrollen vom Gesundheitsamt des Landratsamtes Nordsachsen. „Das Sozialministerium hat die Landkreise und Kreisfreien Städte mittels Erlass verpflichtet, mindestens drei Kontrollteams pro Landkreis aufzustellen, um die Corona-Schutzmaßnahmen zu kontrollieren. Die Teams bestehen jeweils aus einem Vertreter des Gesundheitsamtes, des Ordnungsamtes und der Polizei. Die Kollegen haben die entsprechend geltenden Regelungen kontrolliert und beratend mitgeteilt, was verbessert werden muss“, sagt Landratsamts-Sprecher Alexander Bley. Insgesamt seien 30 Händler, Unternehmen und Gastronomiebetriebe in Taucha kontrolliert worden. Die Kontrollen sollen künftig fortgeführt und ausgebaut werden. Gestern wurde nur kontrolliert, informiert und ermahnt. Künftig sollen Verstöße aber auch mit Strafen geahndet werden.

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(3 mal heute gelesen)
Veröffentlicht am 19. November 2021 um 14:33 Uhr.
Letzte Bearbeitung: 19. November 2021 um 14:33 Uhr.

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Daniel Große ist Herausgeber von Taucha kompakt. Er arbeitet seit 2001 als freier Journalist und berichtet hier zu allen Themen, die Taucha bewegen. Infrastruktur, Blaulicht-Meldungen, Veranstaltungen, Neues aus dem Rathaus und vieles mehr veröffentlicht er hier. Schnell, kompakt und verständlich.
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2 Kommentare

  1. Ich dachte, Kontakte sollen soweit möglich eingeschränkt werden. Und dann kommen 5 – 7 Kontrolleure in einen Laden, auch wenn sie Masken tragen?
    Ob sich die Ordnungshüter auch dann so hervortun, wenn sie Leuten gegenüberstehen, die nichts Gutes im Schilde führen?!

  2. Da fühlten sich wohl einige vom Kontrollteam als Mitglied eines Sondereinsatzkommandos. Leider haben sie sich dafür das falsche Revier ausgesucht…In Leipzigs Eisenbahnstrasse gibt es genug zu tun, da können sie sich gern beweisen.

    Aber es wurde ja angeordnet, scharf zu kontrollieren. Uund Sachsen hat die letzte Chance genutzt, um kurz vor der Aufhebung epidemischen Lage staatliche Macht herauszukehren und insbesondere die Kultur komplett abzuwürgen.

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