Der Bogumilspark kommt. Allein diese drei Worte gleichen einer Sensation. Nach jahrelangen zähen Verhandlungen, vielen Bedenken der Stadträte, diversen Beratungen mit den Investoren und dem Einsatz eines Mediators soll es nun einen Konsens geben. Die innerstädtische Brache soll jetzt endlich entwickelt werden.

Es ist ein Filetstück, eine 1A-Lage direkt an der Bundesstraße mit Kindergärten, Schulen, Einkaufsmöglichkeiten und ÖPNV-Anbindung in Laufweite. Eine innerstädtische Brache, die seit Jahrzehnten leer steht. Nun sind sich alle Fraktionen im Stadtrat und die Investoren – bestehend aus dem Tauchaer Bauunternehmen Süß und der Leipziger Wincon Immobilienholding, die eigens für den Bogumilspark die KWP Taucha Zentrum GmbH & Co. KG gegründet haben – aber einig geworden. In einer Sonderausschuss-Sitzung, die kürzlich stattfand, trafen sich die Stadträte mit den Investoren. „Alle Fraktionen haben ihren Standpunkt nochmals dargestellt, die Investoren haben erläutert, was sie sich vorstellen könnten. Am Ende haben wir dann entschieden, dass wir konsensfähig sind und es wagen können, das Thema im November oder Dezember erneut in die Stadtratssitzung einzubringen“, sagt Bürgermeister Tobias Meier.

Anzeige
Die Berichterstattung aus dem Stadtrat wird ermöglicht durch:

Sachverständigenbüro Hintersdorf

Öffentlich bestellter und vereidigter Sachverständiger für Mieten und Pachten. Sachverständiger für Wertermittlung, Baukostenplanung und Grundstückswerte. Jetzt mehr erfahren


Generell bleibe die Idee des geplanten Wohngebietes mit drei- bis viergeschossigen Mehrfamilienhäusern und einem Haus für betreutes Wohnen sowie einer Tiefgarage bestehen. „Die Wohnungen und auch die Seniorenapartments werden aber reduziert, gleichzeitig gibt es weniger Stellplätze in der Tiefgarage. Dafür werden mehr Grünflächen in den Innenhöfen angelegt, außerdem entsteht eine Spielfläche für Kinder“, sagt der Bürgermeister. Entlang der Bundesstraße 87 entstehen die größten Häuser mit fünf Geschossen, um die vorhandene Bebauung aufzugreifen. Nach hinten in die Siedlung sollen die Häuser dann auf vier und drei Geschosse abgestuft werden. Außerdem werde es Fassadenbegrünung und Dachbegrünung geben. Die Neubauten würden teils in Holz- und Hybridbauweise errichtet und moderne Energetik-Konzepte kämen zur Anwendung, so Tobias Meier weiter. Photovoltaik sei ebenso vorgesehen wie Lademöglichkeiten für E-Autos. Der wilde Trampelpfad, der seit vielen Jahren von der B87 zum Ärztehaus und Kindergarten Tausendfüßler existiert, solle als Weg ausgebaut und am Rand mit großen Bäumen bepflanzt werden.

Ursprünglich war geplant, insgesamt 150 Wohnungen sowie 85 Wohnungen für das betreute Wohnen zu errichten. Die Tiefgarage sollte 291 Plätze umfassen. Laut Frank Apitz von der CDU-Fraktion habe man sich nun auf 20 Prozent weniger Wohnfläche geeinigt. „Wir haben immer klar gemacht, dass uns das Bauvorhaben zu groß ist und die Zwicksche Siedlung das nicht verträgt“, so Apitz. Nun würden nur 100 Wohnungen und 60 Seniorenapartments sowie 170 Tiefgaragenplätze gebaut. Die CDU verbucht die Einigung als Erfolg ihrer Fraktion, der Kompromiss sei schließlich auf Betreiben der CDU passiert, sagt Apitz. Bürgermeister Tobias Meier sagt, jede Fraktion könne sich wiederfinden und auch für die Investoren sei die jetzt gefundene Variante noch wirtschaftlich darstellbar.

Dirk Bolmerg, Geschäftsführer des Vorhabenträgers Wincon, sagt: „Wir sind sehr dankbar für den partei- und fraktionsübergreifend offenen und konstruktiven Dialog mit den Stadträtinnen und Stadträten in den vergangenen Monaten rund um den Bebauungsplan zu Bogumilspark. Im Ergebnis konnten viele Hinweise der Ratsmitglieder in die Planungen eingebracht werden. Wenn der Stadtrat dem Plan Ende des Jahres zustimmt, entsteht auf der Brache an der Leipziger Straße modernes, grünes und nachhaltiges Wohnen für alle Generationen.“

So stellte sich die Wincon Immobilien das neue Wohngebiet Bogumilspark vor. An der Front-Bebauung entlang der B87 werde festgehalten, nach hinten stufen sich die Gebäude auf vier und drei Geschosse ab. Eine neue Illustration des jetzt gefundenen Kompromissen liegt noch nicht vor. Illustration: homuth+partner architekten
Anzeige
(2 mal heute gelesen)
Veröffentlicht am 8. Oktober 2021 um 10:27 Uhr.
Letzte Bearbeitung: 8. Oktober 2021 um 16:07 Uhr.

5 Kommentare

  1. Es ist also klar, der Individulverkehr wird durch die Zwick’sche Siedlung geleitet: „Wir haben immer klar gemacht, dass uns das Bauvorhaben zu groß ist und die Zwicksche Siedlung das nicht verträgt“. Das sind ja dann „positive“ Nachrichten für die Bewohner der Klebendorfer Straße und den Gärtnerweg.

  2. Von einer leerstehenden Brachfläche kann hier keine Rede sein, denn es handelt sich bei der Fläche um ein äußerst dynamisches Biotop, auf dem eine intensive Vegetation jeden noch so rabiaten Einschnitt und jede Rodung innerhalb kürzester Zeit wieder ausgeglichen hat. Es ist schade um dieses fruchtbare Stück Erde, denn einmal zugebaut ist es mit der freien Vegetation vorbei. Da hilft es auch nicht, ein paar Grünflächen anzulegen, die am Ende au etwas Rasen und wenigen Büschen bestehen werden.

  3. So viel zum Thema: Ökostadt Taucha. Hier stehen doch nur finanzielle Interessen im Vordergrund. Das man
    dadurch einen Teil der Vegetation zerstört, ist allen Beteiligten doch völlig egal.

  4. Ein tolles Projekt das Taucha wirklich weiter bringt und diese riesige freiliegende Fläche in einen großartigen Wohnort verwandelt. Jedoch frage ich mich schon seit längerem bei jeder Fahrt durch Taucha was wohl mit anderen Brachflächen wie zum Beispiel an der Leipziger Straße Ecke Freiligrathstraße passiert.

Kommentieren Sie den Artikel

Please enter your comment!
Please enter your name here